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Vier Leipziger Jugendberatungen vor dem Aus – Stadt plant zentrale Anlaufstelle

Vier Leipziger Jugendberatungen vor dem Aus – Stadt plant zentrale Anlaufstelle

Vier Leipziger Jugendberatungsstellen droht zur Mitte des Jahres das Aus. Die Stadt wird ihnen ab Ende Juni die finanzielle Förderung entziehen, teilte die Arbeitsgemeinschaft der freien Träger der Jugendhilfe (AGFT) am Donnerstag mit.

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Der Leipziger Jugendhilfeausschuss hat die Kürzungen am 20. Januar beschlossen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Sieben Mitarbeiter könnten ihren Job verlieren. Stattdessen plane die Kommune, eine zentrale Anlaufstelle in der Nähe des Jobcenters in Möckern einzurichten.

Gerüchte über geplante Kürzungen kursieren schon seit Mitte November. Am 20. Januar schaffte der Jugendhilfeausschuss Fakten und beschloss massive Einsparungen bei den Jugendberatungsstellen unter freier Trägerschaft. Dazu gehören nach Angaben der AGFT die „Neue Münze“ sowie die Jugendberatungsstellen im Jugendhaus Leipzig, vom Internationalen Bund und der Augsburger Gesellschaft für Lehmbau, Bildung und Arbeit in Leipzig. Zusammen erhalten sie bisher rund 400.000 Euro jährlich von der Stadt. Diese Zahlung soll komplett eingestellt werden.

Um bedürftige Jugendliche weiter zu betreuen, plant die Stadt die Errichtung einer zentralen Einrichtung neben dem Jobcenter in Leipzig-Möckern, so die AGFT. „Wir als freie Träger sind in diesen Entscheidungsprozess nicht einbezogen worden“, kritisiert Koordinator Oliver Reiner gegenüber LVZ-Online. In gemeinsamen Gesprächen mit Gremien und Facharbeitskreisen sei darüber nicht diskutiert worden. „Das war nur Beschäftigungstherapie“, so Reiner.

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Oliver Reiner, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der freien Träger der Jugendhilfe

Quelle: André Kempner

Welcher freie Träger am geplanten Standort den Zuschlag erhalte, sei noch völlig offen. „Das Jugendamt weiß nicht, was es in fünf Monaten haben will, es gab noch keine Ausschreibung.“ Fest stehe nur, dass es in der Einrichtung vier Vollzeitstellen geben soll. Den sieben Mitarbeitern in den vier bisherigen Einrichtungen drohe nun die Kündigung. Geld für Jugendarbeit sei nur von der Kommune zu bekommen. „Es gibt sonst keine nennenswerten finanziellen Unterstützer“, sagt Reiner.

"Das Absolute ist falsch"

Dabei findet auch er, dass eine engere Vernetzung von Jobcenter und Jugendberatungsstellen keine schlechte Idee ist. Aber: „Das Absolute ist falsch“. Anders wäre es, wenn eine der vier Beratungsstellen an den neuen Standort ziehen würde, die anderen ihre Arbeit am alten Platz fortführen dürften. Ähnlich sieht es der geschäftsführende Leiter Vom Jugendhaus Leipzig, Andreas Kreusch. „Wer Probleme mit dem Jobcenter hat, und das sind nicht wenige Jugendliche, wird sich dort sicher keinen Rat holen.“

Ob und wie viel die Stadt durch ihre Entscheidung spart, ist nach Einschätzung von Oliver Reiner völlig unabsehbar. „Wenn präventive Hilfsangebote nicht wahrgenommen werden, verursacht das andere Kosten. Das ist keine sinnvolle Sparstrategie“, argumentiert der Träger-Koordinator. Die vier bisherigen Einrichtungen seien zum Teil schon 20 Jahre dabei, hätten viel Erfahrung. „Ein Neuanfang“, so Reiner, „ist dann vor allem erstmal eins: teuer.“

Onlinepetition blieb erfolglos

Er und seine Mitstreiter hatten noch versucht, die Stadt mit einer Onlinepetition umzustimmen. Über 7167 Internetnutzer hatten diese unterzeichnet und sich für den Erhalt der Einrichtungen ausgesprochen. „Wir haben die Unterschriften Mitte Januar der Stadt übereicht, aber gebracht hat das nichts“, klagt Reiner.

Der Spar-Beschluss vom Jugendhilfeausschuss betrifft noch eine weitere Einrichtung: Caktus e.V. Die Familienberatungsstelle betreut seit 1991 Kinder, Jugendliche, Familien und Eltern. Schon ab Ende Februar will die Stadt nach Angaben des AGFT nicht mehr zahlen. Warum, wisse Leiterin Katrin Tutar nicht.

Kürzungen im Bereich der Jugendarbeit wurden seit Herbst des vergangenen Jahres im Leipziger Jugendhilfeausschuss diskutiert. Neben den Einsparungen bei Beratungsstellen ging es dabei um die Schließung von vier Jugendclubs und die Zukunft zweier Medienprojekte. Nach Protesten der freien Träger hatte die Stadt diese Ideen Ende Dezember wieder verworfen.

Julia Carstens

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