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Villa-Umbau: "Jetzt wird Anger-Crottendorf sein Schmuddel-Image los"

Villa-Umbau: "Jetzt wird Anger-Crottendorf sein Schmuddel-Image los"

Als 2010 ein Großfeuer auf dem früheren Polygraph-Gelände wütete, glaubten nur noch die wenigsten, dass vom industriellen Herzen Anger-Crottendorfs irgendwas zu retten wäre.

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Die einstige Villa Krause/Biagosch im Leipziger Stadtteil Anger-Crottendorf.

Quelle: Archiv Pro Leipzig

Leipzig. Etliche Hallen und Gebäude der Buchbinderei-Maschinenfabrik - gegründet durch Unternehmerlegende Karl Krause (1823-1902) - waren bald nach der Wende abgerissen worden. Nun standen auch noch die verbliebene Familien-Villa, eine Remise sowie das Torhaus an der Zweinaundorfer Straße ruiniert da. Meist fehlten sogar die Dächer und Treppenhäuser.

Ein Jahr später erwarben Karla Mork-Dörrscheidt und Arno Dörrscheidt ein vier Hektar großes Teilstück des riesigen Areals. Fast 600 000 Euro legte das Paar aus Brandenburg - sie Ärztin, er Softwareingenieur - für die baulichen Überreste der mehr als 100 Jahre lang größten Fabrik in dem Leipziger Stadtteil auf den Tisch. "Wir schaffen das schon", hatten sich die promovierten Senioren gesagt. Schließlich konnten die heute 71-jährigen Eheleute zuvor schon andere abgewirtschaftete Altbauten sanieren. Darunter ein Schlösschen bei Berlin.

Sanierung und Modernisierung des Hauses:

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Leipzig. Die Villa Krause auf dem früheren Polygraph-Gelände in Anger-Crottendorf ist fertig saniert. Karla Mork-Dörrscheidt und Arno Dörrscheidt, ein Unternehmer-Paar aus Brandenburg, verwandelten die bei einem Brand 2010 völlig zerstörte Ruine wieder in ein Schmuckstück. Nun läuft bereits die Fertigstellung der Außenanlagen rings um das 1906 erbaute Haus, das seinerzeit zu den zehn größten Villen in Leipzig gehörte.

Zur Bildergalerie

Mit Leipzig verbindet die Familie Dörrscheidt viel. Nicht nur, dass Karla in der Salomonstraße geboren wurde; 1993 erbte sie ein großelterliches Haus in der Christianstraße, das beide ebenfalls herrichteten. Eine Wohnung dort dient ihnen seitdem als Ausgangspunkt zum regelmäßigen Erkunden der Stadt und als Baubüro. "Es hat uns sehr gereizt, diese bedeutende Villa, die zur Erbauungszeit 1906 zu den zehn größten in Leipzig gehörte, samt Torhaus und Remise als Industriedenkmal zu retten", erzählt er. "Je tiefer wir in die Geschichte eindringen, desto mehr ziehen wir den Hut vor der Leistung Karl Krauses. Als einfacher, gelernter Schlosser hatte er einst Anger-Crottendorf groß gemacht, weit über 1000 Menschen Arbeit gegeben."

Die Rekonstruktion der Villa, welche die Dörrscheidts seit Anfang 2012 "als Zwei-Leute-Unternehmen" und nur mit Hilfe von Architekt Tobias Voigt selbst gemanagt haben, ist jetzt abgeschlossen. Das Dach samt Terrasse entstand völlig neu. Auch schmückt nun wieder ein "Rapunzel-Turm" den im Laufe der Zeit mehrfach erweiterten Klinkerbau. "Die erste Schicht war noch im Stil eines Schweizer Chalets entstanden", berichtet sie.

Während draußen zwischen mächtigen Parkbäumen bereits die Freianlagen hergerichtet werden, warten drinnen 14 Familienwohnungen mit Mosaikparkett, Fußbodenheizung, Fahrstuhl - allem denkbaren Komfort bis hin zu Saunaanschlüssen in den Bädern. Im Souterrain blieb Platz für drei Gewerbeeinheiten. Die Vermietung (7 bis 8 Euro kalt pro Quadratmeter) nehmen die Dörrscheidts ebenfalls selbst in die Hand. So haben sie es auch schon bei der Remise gehalten, in der einst die Krause-Töchter ihre Pferde einstellten, seit kurzem aber drei Familien mit ihren Kindern leben. "Uns ist wichtig, dass die Bewohner gut zusammenpassen", so die Bauherrin.

Einblicke in die Villa vor dem Umbau:

Am Torhaus laufen derweil schon die Fassadenarbeiten. Spätestens im nächsten Frühjahr sollen darin noch einmal 14 kleinere Wohnungen und eine Gewerbeeinheit bezugsfertig sein. "Wir investieren insgesamt sechs Millionen Euro und sehen das auch als Initialzündung für den ganzen Stadtteil", sagt Arno Dörrscheidt. "Seit wir hier gestartet sind, wurden ringsum schon vier weitere Häuser saniert." Außerdem gibt es nun berechtigte Hoffnungen, dass endlich auch das riesige Produktionsgebäude an der Theodor-Neubauer-Straße (gegenüber der Feuerwache Ost) saniert werden könnte. Es gehörte einst zu Krauses weltweit exportierender Fabrik. Nach LVZ-Informationen haben die bisherigen Eigentümer (eine türkische Gesellschaft) es soeben an neue Investoren verkauft. Peter Leonhardt vom Amt für Denkmalpflege lobt den Mut der Dörrscheidts. "Diese Häuser hätte sonst wohl niemand gerettet. Die Entwicklung des Stadtteils litt lange Zeit unter der Polygraph-Brachfläche. Jetzt wird Anger-Crottendorf sein Schmuddelimage los."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.09.2014

Jens Rometsch

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