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Volkshochschule Leipzig – Dozenten beklagen niedrige Honorare

Erwachsenenbildung Volkshochschule Leipzig – Dozenten beklagen niedrige Honorare

Für die Volkshochschule wird es immer schwieriger, Dozenten für ihre Kurse zu finden. Das liegt an den niedrigen Honoraren. Da überall Lehrer fehlen, wechseln einige Freiberufler auch als Quereinsteiger an Schulen. Der Sächsische Volkshochschulverband sieht die Substanz der Erwachsenenbildung in Gefahr – durch eine prekäre Grundfinanzierung.

Die Dozenten Ulrike Pfeifer und Karl Kirsch möchten eine faire Bezahlung. Die Honorarsätze für Freiberufler sind viel zu niedrig.

Quelle: André Kempner

Leipzig.. Für die Volkshochschule (VHS) wird es zusehends schwieriger, Dozenten für ihre Kurse zu finden und auch zu halten. Einige werfen das Handtuch, weil sie als Folge des Lehrermangels in Sachsens Schulen beispielsweise als Quereinsteiger mehr verdienen und dort auch eine Festanstellung erhalten. Doch um einen festen Job geht es den meisten Freiberuflern gar nicht. Sie ärgern sich über die niedrigen Honorarsätze, die durchschnittlich bei 16 Euro pro Stunde liegen. Bei Deutsch-Kursen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beauftragt, werden seit Juli 35 Euro bezahlt. Das klingt zwar bedeutend mehr – ist aber dennoch für viele Lehrkräfte immer noch nicht auskömmlich.

„Wir wollen leben, nicht überleben“, sagen Ulrike Pfeifer (35) und Karl Kirsch (56) nahezu unisono. Lediglich 800 Euro bleiben bei 16 Euro Stundenhonorar 1000 Euro bei 20 Euro und rund 1500 Euro bei 35 Euro im Durchschnitt pro Monat übrig – eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden zugrunde gelegt. Bezahlt wird ohnehin nur die gehaltene Stunde. Fällt die aus, hat der Dozent das monetäre Nachsehen.

Die Leipziger Volkshochschule hat 26 Festangestellte sowie 730 Dozenten – von denen viel Geduld, soziale Kompetenz und pädagogisches Feingefühl verlangt wird. Ulrike Pfeifer hat in ihren Klassen Menschen, die kaum eine Schule besucht haben, aber auch Professoren, die aus dem Ausland an die Uni berufen worden sind, sowie Akademiker und Lehrer, die in Deutsch fit sein wollen. Ein ständiger Spagat, der indes kaum honoriert wird. „Ich könnte mir kein Kind leisten“, konstatiert sie trocken. Karl Kirsch, der ebenfalls seit vielen Jahr Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache lehrt, erzieht zwei Kinder allein. Das heißt für ihn: übers Amt „aufstocken“ und Wohngeld beantragen. Will er ins Theater, kann er sich höchstens ab und an mal eine Karte mit Hilfe des Leipzig-Passes kaufen.

Ulrike Pfeifer und Karl Kirsch haben eine Dozenten-Initiative gegründet. Die will am Mittwoch den Stadtrat auf ihre finanzielle Situation aufmerksam machen. Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Die Linke) hat dafür sogar Verständnis. So sei die Differenz zwischen den verschiedenen Honoraren nur schwer nachvollziehbar. „Deshalb arbeiten wir daran, sie ein wenig anzuheben“, sagt die Beigeordnete. Genaue Zahlen will sie aber erst mit Einbringung des Etats 2017/18 nennen, der übermorgen vorgestellt werden soll.

Der Sächsische Volkshochschulverband sieht sogar die Substanz der Erwachsenenbildung in Gefahr – durch die prekäre Grundfinanzierung. Seit zehn Jahren erhalte die Erwachsenenbildung im gesamten Freistaat Landesmittel von sechs Millionen Euro. Da die Summe stagniert, die Leistungen der VHS aber wachsen, sinke der Landeszuschuss de facto ständig. Nun soll die Summe gar noch gekürzt werden.

„Sachsen bildet seit Jahren das absolute Schlusslicht in Sachen Finanzierung der Weiterbildung“, betont Leipzigs Volkshochschulleiterin Heike Richter-Beese. „Die ausgesprochen kompetenten Dozenten sollten jedoch aufgabengerecht bezahlt werden“, findet sie. Dafür wäre es vonnöten, dass der Freistaat den Etat für Weiterbildung anpasst. „Macht er dies nicht, müssten die Entgelte ganz erheblich erhöht werden.“ Dies wiederum schließe zahlreiche Personen oder Gruppen von der Weiterbildung aus.

„Viele Politiker sprechen gern vom lebenslangen Lernen, möchten dafür aber nichts bezahlen“, sagt Dozent Karl Kirsch. Der Landesbeirat für Erwachsenenbildung fordert, die Landeszuschüsse im anstehenden Doppelhaushalt 2017/18 von sechs auf zehn Millionen Euro zu erhöhen. Ansonsten falle die neue Situation, dass deutschlandweit gut ausgebildete Lehrer gesucht werden, den Volkshochschulen alsbald auf die Füße.

Das Problem erreicht zunehmend auch die Musikschulen. „Auch wir spüren, dass es nicht leichter wird, Lehrer zu finden“, sagt Matthias Wiedemann, Chef der kommunalen Musikschule „Johann Sebastian Bach“. Die hat 56 Stellen und beschäftigt 220 Freie. Die ebenfalls niedrigen Honorare wurden im Vorjahr um zwei auf
20 Euro pro Stunde erhöht. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke will perspektivisch allerdings umsteuern und die Zahl der Festangestellten deutlich erhöhen. Denn Honorarkräfte sind nicht weisungsgebunden. Sie können daher nur gebeten werden, bestimmte Aufgaben wie Austausch in Fachgremien oder Begleitung von Ensemble-Reisen zu übernehmen.

Von Mathias Orbeck

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