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Lokales Vom Alubesteck bis zur Pionierfahne – Leipziger Schulmuseum eröffnet Schaudepot
Leipzig Lokales Vom Alubesteck bis zur Pionierfahne – Leipziger Schulmuseum eröffnet Schaudepot
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13:50 23.10.2017
Das neue Schaudepot mit Pionierblusen und FDJ-Hemden im Schulmuseum am Goerdelerring 20.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Polylux, Rechenschieber und erste Taschenrechner, Bestecktasche und Alubesteck, aber auch die „Handgranate“ für den Weitwurf im Sportunterricht – da werden bei vielen Erinnerungen wach. Mit einem neuen Schaudepot rückt das Schulmuseum Utensilien aus der DDR-Schule ins Blickfeld. Da sind Jungpionierblusen und FDJ-Hemden, eine Unmenge Abzeichen und Medaillen, Schulurkunden, aber auch Mikroskope oder andere Geräte für die Naturwissenschaften aneinandergereiht. Denn spätestens seit 1959, als die Polytechnischen Oberschulen entstanden sind, wurde darauf viel Wert gelegt.

„Jeder hat konkrete Dinge aus seiner Schulzeit im Kopf, bei vielen sind das Gegenstände“, sagt Thomas Töpfer, der Leiter des Museums, das sich vor allem als Werkstatt für Schulgeschichte versteht. „Das Schaudepot ist aber kein Erinnerungskabinett oder Gedenkraum.“ Das Depot versammle mehr als 1500 Objekte, von denen viele vor allem jüngere Besucher erst einmal irritieren und die Fragen aufwerfen. Welche Bildungsstätte hat heute noch Fahnen und Wimpel? „Kein heutiger Schüler verbindet Schule mit Fahnen. Das war in der DDR ganz anders“, erzählt Töpfer und verweist auf jene Fahnen der Pionierorganisation oder der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die im Schulalltag immer präsent waren. Gleichzeitig werde den Besuchern beim „Blick in den Bauch der Sammlung“ mit Objekten und Textilien ein großer Schauwert geboten.

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„Das Schaudepot ist ein wichtiger Schritt bei der Weiterentwicklung des Museums“, sagt Töpfer und kündigt an, den Themenschwerpunkt „Schule in der SED-Diktatur“ ausbauen zu wollen. So gibt es mittlerweile einen Ausstellungsteil, der Freundschafts- und Feindschaftsbilder der DDR-Jahre sowie die Jugendtreffen thematisiert. Im originalen Klassenzimmer ist ja der Heimatkundeunterricht 1985 zum Markenzeichen des Museums geworden. Dabei wird die Unterrichtsstunde nachgespielt, anhand authentischer Unterrichtshilfen für DDR-Lehrer. „Das Angebot hat viele Jahre gut funktioniert, wir entwickeln es aber weiter.“ Denn vor allem die jüngeren Besucher sollen Grundlagen der DDR-Schule vermittelt bekommen. „Ist das ein Schauspiel? Was hat das mit mir zu tun? – Solche Fragen wollen wir diskutieren“, so der Museumsleiter. Außerdem wird es einen weiteren Raum geben, der sich den Umbrüchen der Schule während der Friedlichen Revolution vom Übergang der Diktatur zur Demokratie bis heute widmet. „Schule steht auch heute vor neuen Herausforderungen – etwa dem Umgang mit extremen Einstellungen und der politischen Bildung“, so der Museumschef. Aufgabe des Museums sei es, die Vielfalt von Schule zu vermitteln – von der Erziehung „heranwachsender Untertanen“ im Kaiserreich um 1900 bis zum mündigen Schüler von heute. Da seien auch die Objekte im Schaudepot hilfreich. „Viele der versteckten ideologischen Botschaften erschließen sich ja nicht auf den ersten Blick“, erklärt der promovierte Bildungshistoriker, der ursprünglich aus Wittenberg stammt, in Leipzig und in der Schweiz studierte. Man sollte sich im Schaudepot Zeit für Details Zeit nehmen. Sogar auf der Zuckertüte und auf Spielen für den Hort wird ersichtlich, in welche Richtung der junge Mensch von der DDR-Volksbildung erzogen werden sollte.

An der Neugestaltung des Schaudepots, das nur einen Teil der 50 000 Objekte umfassenden Sammlung zeigt, waren Bürger bei öffentlichen Diskussionen direkt beteiligt. „Das zeigt auch, dass wir mit unseren Angeboten einen wichtigen Akzent in der ’Runden Ecke’ setzen können“, so Töpfer.

Eröffnung des Schaudepots ist am 18. Oktober, 17 Uhr. Rainer Eckert wird zum Thema „Schule im Sozialismus“ einen Vortrag halten.

Von Mathias Orbeck

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