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Vom Sorgenkind zum Musterschüler: LWB legt beeindruckende Bilanz vor

Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft Vom Sorgenkind zum Musterschüler: LWB legt beeindruckende Bilanz vor

Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) galt lange als Sorgenkind in der kommunalen Firmenfamilie. Eine Milliarde Euro Schulden belasteten das Unternehmen noch vor einigen Jahren. Inzwischen hat sich der größte Vermieter in der Messestadt (34700 Wohnungen im Kernbestand) zum Musterschüler gewandelt. Das geht aus dem soeben erstmals veröffentlichten Umsetzungsbericht zu den Eigentümerzielen des Unternehmens hervor.

Die Geschäftsführerinnen Gabriele Haase (links) und Ute Schäfer haben aus dem einst extrem hoch verschuldeten kommunalen Großvermieter ein solides Unternehmen gemacht. Das Jahresergebnis für 2014 lag bei fast 15 Millionen Euro. Im laufenden Jahr zahlt die LWB mehr als 1,6 Millionen Euro an Avalprovisionen für verbliebene Bürgschaften an die Stadt Leipzig.
 

Quelle: Kempner

Leipzig. Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) galt lange als das Sorgenkind in der kommunalen Firmenfamilie. Fast eine Milliarde Euro Schulden belasteten das Unternehmen – bis vor einigen Jahren die Geschäftsführerinnen Ute Schäfer und Gabriele Haase das Zepter übernahmen. Inzwischen hat sich der größte Vermieter in der Messestadt zum Musterschüler gewandelt. Das geht aus dem soeben erstmals veröffentlichten „Umsetzungsbericht“ zu den städtischen Zielen für das Unternehmen hervor.

Günstige Mieten: Laut städtischer Vorgabe soll die LWB mindestens 7641 Wohnungen im „preiswerten Segment“ vorhalten. Tatsächlich fielen zum Stichtag 31. Juli 2015 jedoch 22790 Wohnungen in diese Kategorie. Die Vorgabe wird abgeleitet vom Marktanteil der LWB in Leipzig, der gegenwärtig mit insgesamt 34700 Wohnungen bei elf Prozent liegt. Als preiswert gelten die Bedarfssätze für die „Kosten der Unterkunft“ (welche unter anderem Hartz-IV-Empfänger erstattet bekommen) plus ein Puffer von zehn Prozent. Abhängig von der Haushaltsgröße liegt der Wert also aktuell bei 4,96 bis 5,19 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Tatsächlich stellt die LWB sogar 1350 Wohnungen mit einer Kaltmiete unter 4,00 Euro zur Verfügung, weitere 7000 Quartiere unter 4,50 Euro. Vor allem die Stadtbezirke Nordost, Ost und Mitte sind mit günstigen kommunalen Wohnungen reich gesegnet, indes gibt es jeweils nur wenige Hundert in den Stadtbezirken Nordwest, Nord und Südwest. Kaltmieten über 7,00 Euro verlangt das Unternehmen bisher nur in Mitte (443 – vor allem im Wintergartenhochhaus) und im Stadtbezirk Süd (73 Wohnungen).

Sozialer Auftrag: Monatlich stellt die LWB dem Sozialamt 100 Wohnungen zur Verfügung, die an soziale Härtefälle vermittelt werden. 13500 LWB-Wohnungen sind altengerecht ertüchtigt, weitere 100 für Rollstuhlfahrer geeignet. Der Bereich Sozialmanagement mit sieben Mitarbeitern kümmert sich um Mieter in Notlagen, hat auch jüngst Sachsens erste „Wohnschule“ für junge Leute gegründet. 570 Wohnungen sind aktuell an Asylbewerber mit laufendem Verfahren vergeben. Darüber hinaus schuf das Unternehmen drei Flüchtlingsheime mit insgesamt 300 Plätzen. Ein viertes mit 60 Plätzen in der Könneritzstraße wird gerade vorbereitet. 100 Läden und Quartiere dürfen Vereine, Kulturschaffende und soziale Einrichtungen zu sehr günstigen Konditionen nutzen.

Preisbremse für Leipzig: Um einer Mietexplosion in der stark wachsenden Messestadt vorzubeugen, soll die LWB selbst nur moderate Anpassungen vornehmen. Von 2012 bis 2015 stiegen die Kaltmieten in ihrem Bestand im Schnitt um 22 Cent (4,6 Prozent) auf 4,98 Euro pro Quadratmeter. Bei energetischen Sanierungen im Kreuzstraßenviertel, der Saalfelder Straße 19-27 oder Karl-Liebknecht-Straße 77 und 109 gelang es, die Modernisierungsumlagen durch verringerte Heizkosten auszugleichen. Bislang 640 Wohnungen wurden an Selbstnutzer verkauft. 47 Grundstücke überlässt das kommunale Unternehmen für Projekte, die vom Amt für Stadterneuerung koordiniert werden – darunter erstmals auch ein geplanter Neubau in der Schmidt-Rühl-Straße. Seit 2014 bietet die LWB Häuser, die sie verkaufen will, erst den Bestandsmietern zum Verkehrswert an. Bei drei Gebäuden laufen daher inzwischen konkrete Verhandlungen. Allerdings will die LWB im Geschosswohnungsneubau, der 2016 starten soll, ordentlich zulangen. Für die 98 Wohnungen, die dann in Top-Lage an der Wintergartenstraße entstehen, sind Kaltmieten von 10,32 Euro pro Quadratmeter kalkuliert. Zum Teil werden es obendrein Boardinghouse-Apartments für Geschäftsreisende mit 16 Euro Kaltmiete.

Kinder und Jugendliche: 50 Wohnungen sind an Tagesmütter und -väter vergeben. Im Sommer begann die LWB mit dem Bau ihrer ersten eigenen Kita an der Zentralstraße. Zudem werden 650 Kinder über Erbbauverträge in Einrichtungen betreut, deren Grundstücke der LWB gehören. Sie unterhält außerdem 200 Spielplätze, fördert gemeinsam mit dem Jugendhaus Leipzig Projekte wie die Streetart-Gallery.

Schwarze Zahlen: Seit vier Jahren erzielt das Unternehmen Gewinne. 2014 lag das Ergebnis bei fast 15 Millionen Euro. Die Schulden sind auf rund 600 Millionen Euro gesunken. Für die städtischen Kreditbürgschaften zahlt die LWB in diesem Jahr gut 1,6 Millionen Euro Provision an die Rathaus-Kasse, obwohl der Bürgschaftsbetrag stetig gesunken ist, jetzt bei 254 Millionen Euro liegt. Einnahmen generiert das Unternehmen auch als größter Solarstromerzeuger in Leipzig: Auf 48 Dächern und auch am neuen Firmensitz, der erst im Oktober am Wintergartenhochhaus bezogen wurde, erzeugt die LWB 1,4 Megawattstunden Ökostrom pro Jahr. „Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel“, sagt Finanzgeschäftsführerin Ute Schäfer. „Das haben wir erst dann erreicht, wenn wir auch den Eigenanteil an unseren Investitionen erwirtschaften. 2019 wollen wir soweit sein.“

Von Jens Rometsch

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