Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Von Kieler Bluse bis Fingernagelreiniger
Leipzig Lokales Von Kieler Bluse bis Fingernagelreiniger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 13.03.2017
Tobias Gründel, Nathanael Vorwergk und Pascal Leonhardt (von links) beim Kofferpacken vor der großen Konzertreise nach Süddeutschland, Südtirol und Ungarn. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Alumnat, Thomasschule und -kirche, Tourneen. Und natürlich Bach. Jede Menge Bach. Dies und noch viel mehr prägt das Leben eines Thomaners. Jährlich kommt eine neue Generation des weltberühmten Ensembles hinzu, seit mehr als 800 Jahren. Jene von 2013 wird die LVZ auf ihrem Weg zum Chor-Olymp in loser Folge begleiten. Heute: das große Kofferpacken.

Eine große Konzertreise bedeutet für den Thomanerchor und alle daran Beteiligten viel Stress – auch für jene Generation der Thomaner, die die LVZ über einige Jahre begleitet. Dies beginnt schon im Vorfeld. Genau haben Pascal Leonhardt (12), Nathanael Vorwergk (12) und Tobias Gründel (13) schon vor Tagen den Aushang studiert, der detailliert auflistet, was auf die Reise nach Süddeutschland, Italien und Ungarn so alles mitzunehmen ist: Kieler Bluse und Jackett, Konzerthose und -schuhe stehen dort ganz oben. Ein Schlips ist hingegen nicht nötig, den brauchen nur die Männerstimmen. Dafür aber Fingernagelreiniger, Kamm, Hausschuhe und Kleiderbügel – es wird eben nichts dem Zufall überlassen. Allein das Näh- und Schuhputzzeug müssen nicht alle im Koffer verstauen – dies ist Aufgabe der Stubenvertreter.

Nathanael, Pascal und Tobias quetschen noch schnell die letzten Dinge in den Koffer, bevor es zur offiziellen Kofferkontrolle durch Pädagogen und Mentoren in der ersten Etage des Alumnats geht. Dort wird nicht nur die Vollständigkeit, sondern mittels Waage auch das Gewicht überprüft – Mehrkosten durch Übergepäck bei den Flügen von Ungarn zurück sollen vermieden werden.

Bleibt da überhaupt noch Platz für Persönliches? Haben es vielleicht ein Talisman oder ein Plüschtier in den Koffer geschafft? Die Antwort der drei sind ziemlich verächtliche Blicke. Die Augen sagen: So etwas nehmen doch nur noch Kinder mit. Elektronische Geräte stehen hingegen ganz oben auf der persönlichen Liste. „Tablet und Handy sind schon wichtig“, sagt Pascal, Tobias hat „Musik querbeet“ im Gepäck. Nathanael will zudem noch Lektüre in Form eines Sherlock-Holmes-Krimis verstauen. Und für ihn und Pascal wichtig: ein, zwei Tüten mit Kartoffelchips. Man weiß ja nie …

Und auf welches Land freut sich das Trio am meisten? „Für mich ist es eindeutig Ungarn“, sagt Tobias. Dem stimmt Pascal unumwunden zu. Dort gibt es in Budapest, Debrecen und Pécs auch die meisten Konzerte. Nur Nathanael bevorzugt das italienische Südtirol, wo es in der St. Georgenkirche von Bruneck das einzige Konzert im Stiefelland gibt. Bruneck? Kennt einer der kleinen Thomaner den wohl berühmtesten Bürger? Nein. Doch als der Name Reinhold Messner fällt, wissen fast alle Bescheid: „Der ist doch immer auf hohe Berge geklettert.“ Ja, ist er. Und eines seiner fünf Museen befindet sich in Bruneck. Ob sie dafür Zeit haben, wissen Tobias, Pascal und Nathanael nicht. „Museumsbesuche sind nicht gut für die Stimme“, sagt Letzterer mit Schalk im Nacken. Warum dies so sein soll, bleibt offen.

Nicht mit auf Reisen geht hingegen Victor Reiser (12). Seit Februar befindet er sich im Stimmbruch, ist als sogenannter Dispensierter für einige Monate von diversen Aufgaben im Chor befreit. „Es wird im Verhältnis eine deutlich ruhigere Zeit für mich“, erzählt er. In der Schule sei man die nächsten Tage zu viert in der Klasse. Und sicher werde er auch mal die Zeit finden, nach Hause zu fahren. „Ansonsten geht es im nächsten etwa halben Jahr darum, meine Stimme auf die Männerzeit vorzubereiten“, blickt Victor voraus. Er hoffe, die nächste große Konzertreise dann wieder mitmachen zu können.

Von Martin Pelzl

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Leipzig platzt aus allen Nähten. Jedes Jahr lassen sich mehr als 10 000 Menschen neu nieder; 2030 könnte es rund 720 000 Leipziger geben. Die LVZ zeigt in einer Serie, wie Deutschlands Boomtown die Weichen für die Zukunft stellt. Heute: die Kultur.

13.03.2017

Christiane Ostermann hat einen unheilbaren Hirntumor und ist an den Rollstuhl gefesselt. Die schlechten Gehwege in Leipzig schränken ihre Mobilität zusätzlich ein.

12.03.2017

In Kürze werden in Leipzig drei Unterkünfte für Geflüchtete in Betrieb genommen. Am 25. März können Interessierte die Einrichtungen an einem Tag der offenen Tür besichtigen.  

10.03.2017
Anzeige