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Von Kieler Bluse bis Fingernagelreiniger

Generation 2013 des Leipziger Thomanerchors Von Kieler Bluse bis Fingernagelreiniger

Alumnat, Thomasschule und -kirche, Tourneen. Und natürlich Bach. Jede Menge Bach. Dies und noch viel mehr prägt das Leben eines Thomaners. Jährlich kommt eine neue Generation des weltberühmten Ensembles hinzu, seit mehr als 800 Jahren. Jene von 2013 wird die LVZ auf ihrem Weg zum Chor-Olymp in loser Folge begleiten. Heute: das große Kofferpacken.

Tobias Gründel, Nathanael Vorwergk und Pascal Leonhardt (von links) beim Kofferpacken vor der großen Konzertreise nach Süddeutschland, Südtirol und Ungarn.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Alumnat, Thomasschule und -kirche, Tourneen. Und natürlich Bach. Jede Menge Bach. Dies und noch viel mehr prägt das Leben eines Thomaners. Jährlich kommt eine neue Generation des weltberühmten Ensembles hinzu, seit mehr als 800 Jahren. Jene von 2013 wird die LVZ auf ihrem Weg zum Chor-Olymp in loser Folge begleiten. Heute: das große Kofferpacken.

Eine große Konzertreise bedeutet für den Thomanerchor und alle daran Beteiligten viel Stress – auch für jene Generation der Thomaner, die die LVZ über einige Jahre begleitet. Dies beginnt schon im Vorfeld. Genau haben Pascal Leonhardt (12), Nathanael Vorwergk (12) und Tobias Gründel (13) schon vor Tagen den Aushang studiert, der detailliert auflistet, was auf die Reise nach Süddeutschland, Italien und Ungarn so alles mitzunehmen ist: Kieler Bluse und Jackett, Konzerthose und -schuhe stehen dort ganz oben. Ein Schlips ist hingegen nicht nötig, den brauchen nur die Männerstimmen. Dafür aber Fingernagelreiniger, Kamm, Hausschuhe und Kleiderbügel – es wird eben nichts dem Zufall überlassen. Allein das Näh- und Schuhputzzeug müssen nicht alle im Koffer verstauen – dies ist Aufgabe der Stubenvertreter.

Nathanael, Pascal und Tobias quetschen noch schnell die letzten Dinge in den Koffer, bevor es zur offiziellen Kofferkontrolle durch Pädagogen und Mentoren in der ersten Etage des Alumnats geht. Dort wird nicht nur die Vollständigkeit, sondern mittels Waage auch das Gewicht überprüft – Mehrkosten durch Übergepäck bei den Flügen von Ungarn zurück sollen vermieden werden.

Bleibt da überhaupt noch Platz für Persönliches? Haben es vielleicht ein Talisman oder ein Plüschtier in den Koffer geschafft? Die Antwort der drei sind ziemlich verächtliche Blicke. Die Augen sagen: So etwas nehmen doch nur noch Kinder mit. Elektronische Geräte stehen hingegen ganz oben auf der persönlichen Liste. „Tablet und Handy sind schon wichtig“, sagt Pascal, Tobias hat „Musik querbeet“ im Gepäck. Nathanael will zudem noch Lektüre in Form eines Sherlock-Holmes-Krimis verstauen. Und für ihn und Pascal wichtig: ein, zwei Tüten mit Kartoffelchips. Man weiß ja nie …

Und auf welches Land freut sich das Trio am meisten? „Für mich ist es eindeutig Ungarn“, sagt Tobias. Dem stimmt Pascal unumwunden zu. Dort gibt es in Budapest, Debrecen und Pécs auch die meisten Konzerte. Nur Nathanael bevorzugt das italienische Südtirol, wo es in der St. Georgenkirche von Bruneck das einzige Konzert im Stiefelland gibt. Bruneck? Kennt einer der kleinen Thomaner den wohl berühmtesten Bürger? Nein. Doch als der Name Reinhold Messner fällt, wissen fast alle Bescheid: „Der ist doch immer auf hohe Berge geklettert.“ Ja, ist er. Und eines seiner fünf Museen befindet sich in Bruneck. Ob sie dafür Zeit haben, wissen Tobias, Pascal und Nathanael nicht. „Museumsbesuche sind nicht gut für die Stimme“, sagt Letzterer mit Schalk im Nacken. Warum dies so sein soll, bleibt offen.

Nicht mit auf Reisen geht hingegen Victor Reiser (12). Seit Februar befindet er sich im Stimmbruch, ist als sogenannter Dispensierter für einige Monate von diversen Aufgaben im Chor befreit. „Es wird im Verhältnis eine deutlich ruhigere Zeit für mich“, erzählt er. In der Schule sei man die nächsten Tage zu viert in der Klasse. Und sicher werde er auch mal die Zeit finden, nach Hause zu fahren. „Ansonsten geht es im nächsten etwa halben Jahr darum, meine Stimme auf die Männerzeit vorzubereiten“, blickt Victor voraus. Er hoffe, die nächste große Konzertreise dann wieder mitmachen zu können.

Von Martin Pelzl

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