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Lokales Von LVZ und Hinstorff-Verlag geplantes Leipzig-Album füllt sich
Leipzig Lokales Von LVZ und Hinstorff-Verlag geplantes Leipzig-Album füllt sich
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08:15 07.06.2016
Die Sparkasse in der früheren Wilhelm-Pieck-Allee (heute Stuttgarter Allee) am 1. Juli 1990 um 7.59 Uhr: das große Anstehen nach der D-Mark. Quelle: Familie Bergmann
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Leipzig

Mit „schuld“ an Haugs Nöten sind beispielsweise die Bergmanns! Dietlinde (68) und Günter Bergmann (75) haben einfach ganz viel über jene Stadtteile, in denen sie an der Pleiße schon lebten, dokumentiert. Und noch einmal soviel dazu zu erzählen! Er ist Ur-Leipziger, stammt aus Plagwitz. Sie kam 1968 nach Leipzig, geheiratet haben beide 1974. Die erste Wohnung des Paares: Volkmarsdorf, Elisabethstraße 12.

Ein altes Foto zeigt das Haus: „Da, rechts Parterre! 46 Quadratmeter, drei Zimmer, zwei davon winzig. Drei Parteien teilten sich zwei Toiletten, halbe Treppe tiefer“, winkt Dietlinde Bergmann ab. Kohleheizung. Na klar. Gut, dass Günter das Bild seinerzeit mal machte – noch zu DDR-Zeiten wurde das Haus abgerissen, von einem Plattenbau ersetzt. Sieben Jahre hatten Bergmanns in der Elisabethstraße gewohnt. „Dann“, sagen sie, „kam das Paradies. Grünau!“

Eines der Domizile dort zu bekommen, sei gar nicht so leicht gewesen. Diese Wohnungen wurden schließlich vorwiegend „an die Arbeiterklasse“ vergeben. Bergmanns zählten nicht zur Arbeiterklasse. Sie waren wissenschaftlich tätig. Er im Institut für Energetik. Sie im Institut für Ökonomie der Bauakademie der DDR. Immerhin – die Eheleute hatten einen kleinen Sohn, und letztlich Fürsprecher.

Sie zogen im April 1981 in den 16-Geschosser Stuttgarter Allee 30, die damals noch Wilhelm-Pieck-Allee hieß. In die vierte Etage. „Das war sehr interessant“, sagen Bergmanns. „Wir landeten auf einer noch riesigen Baustelle!“ Die Erstausstattung für alle: Gummistiefel. „Für die Kinder waren das herrliche Zeiten – die Pfützen waren tolle Tummelplätze und oft tiefer als die Stiefel hoch.“ Tja, sagt Günter Bergmann, früher herrschte Wohnungsnot, da habe man eben die Häuser zuerst und die Straßen danach gebaut. Heute sei das ja andersherum.

Das mit dem Wachsen Grünaus um ihr Hochhaus herum wurde – meist auf Dias – festgehalten. „Die S-Bahnhaltestelle damals war, als wir einzogen, gerade bis zu uns fertig. Und verfolgen konnten wir auch, wie die Brücke über die S-Bahn entstand“, zeigt Günter Bergmann auf eine Bild-Auswahl. Später hielt er oft auch einfach das Leben im Stadtteil fest. So mit vielen gelungenen Schnappschüssen. Wie eine Riesen-Menschenschlange vor der örtlichen Sparkasse etwa. Fotografiert am 1. Juli 1990.

„Punkt 7.59 Uhr, eine Sekunde vor der Öffnung!“, wie Dietlinde Bergmann betont. Die Leute standen nach der D-Mark an. Auch die katholische Kirche hat Günter Bergmann fotografiert. 1985. „Da waren die ringsum angepflanzten Bäume noch ganz klein. Heute sieht man ja die Kirche nahezu vor Bäumen nicht mehr“, meint er schmunzelnd.

So können Sie noch mitmachen!

Haben Sie auch noch alte Fotos, Postkarten, Zeitungsausschnitte oder sogar Videos, die an einen Moment aus den vergangenen 70 Jahren Leipziger Stadtgeschichte erinnern? Bis Ende Juli sammelt unsere Zeitung noch die schönsten Bilder und veröffentlicht sie auf der Facebook-Seite www.facebook.com/Leipzigalbum. Laut Autor Haug werden derzeit insbesondere auch noch Erinnerungsstücke vom Treiben auf der Alten Messe, der Sportgeschichte der Stadt sowie vom Ringen um hiesige Deiche während des Hochwassers 2013 gesucht. Ob so oder so: Schicken Sie Ihre Bilder per Mail an lesermarkt@lvz.de (Betreff: „Leipzig Album“) oder per Post an die LVZ, Vertrieb & Marketing, „Leipzig Album“, Peters-steinweg 19, 04107 Leipzig. Gerne können Sie ihr Material auch vorbeibringen. Wir scannen die Fotos und senden sie Ihnen zurück.

www.facebook.com/Leipzigalbum

„Wir haben dort gern gewohnt“, sagt seine Frau. „Es gab eine nette Hausgemeinschaft, es wurde viel gefeiert. Ganz oben auf dem Hochhaus waren Dachgärten. Man hatte einen tollen Blick über die Stadt, konnte Besuchern richtig etwas zeigen. Anfangs gab es dort oben sogar Liegestühle – nun, die waren freilich bald alle weg.“ Nach der Wende seien die Dachgärten gleich gesperrt worden.

„Es galten da plötzlich westdeutsche Bauverordnungen, und laut denen war die Sicherheit gefährdet. Ja, und leider hat unser Hochhaus dann jetzt in den letzten Jahren auch noch traurige Berühmtheit erlangt – durch die Mordgeschichte im Fahrstuhl, die durch die Medien ging“, so Dietlinde Bergmann.

Aber das hat das Ehepaar alles nicht mehr miterleben müssen – Bergmanns zogen 1998 nach Kleinzschocher. Vieles, was Ehemann Günter im Laufe der Jahre vor die Linse bekam, gibt es heute nicht mehr. Gut, dass er es festgehalten hat. Und gut, dass seine Frau alles so schön digitalisierte und archivierte!

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