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Lokales Von Wurmstichen und Freiluftgurken
Leipzig Lokales Von Wurmstichen und Freiluftgurken
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16:00 12.07.2016
Dieter Haberkorn mit einem Prachtexemplar von Kohlrabi in seinem Garten in der Kleingartenanlage „Am Kanaldreieck“. Quelle: André Kempner
Rückmarsdorf

Dieter Haberkorn steht mit einer Schere in der prallen Mittagssonne. Er bückt sich, schiebt Blätter auseinander und wühlt im Boden. Dann zupft er an einer Wurzel, es braucht nur wenig Anstrengung. Zum Vorschein kommt eine violette Knolle, die einen eigentümlichen Duft verbreitet. „Kohlrabi“ sagt er, schneidet mit der Schere die Blätter ab und streicht den Sand von dem Gemüse.

Seit 16 Jahren lebt der 65-Jährige seinen grünen Daumen in Parzelle 145 der Kleingartenanlage „Am Kanaldreieck“ in Rückmarsdorf aus. „Davor hatte ich einen kleinen Garten in Leutzsch, dann sind meine Frau und ich nach Grünau gezogen und haben uns in der Nähe dieses Schmuckstück hier gesucht“, erklärt der Rentner. Übernachten würden sie selten, auch wenn der Bungalow alles bietet, was das Herz begehrt. „Sogar ein gefliestes Bad und einen Keller“, sagt er stolz.

Normalerweise gelten in Kleingartenanlagen strenge Regeln. „Hier wurden bei den Bauten große Ausnahmen gemacht für die Kohlevertriebenen“, erklärt Haberkorn, der sich nicht nur in seinem eigenen Garten, sondern für hunderte andere in der Region engagiert. Als stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands Leipzig der Kleingärtner Westsachsen. Außerdem ist er Gartenfachberater für alles, was mit Bepflanzung zu tun hat. Auf dem Tisch an seinem Lieblingsplatz auf der Terrasse liegt deshalb stets ein grünes Buch. „Ich kann natürlich nicht alles über Pflanzen wissen, aber man muss eben wissen, wo etwas steht“, sagt er mit einem Lächeln. Das Buch sei bei seiner Beratertätigkeit wie eine Bibel.

Man sieht dem Garten an, dass der Besitzer weiß, was er tut. Überall wächst und gedeiht es: Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Apfelbäume, Kirschbäume, Zucchini, Kürbisse und – darauf ist Haberkorn besonder stolz – Freiluftgurken. „Außer mir haben in dieser Anlage nur zwei andere welche. Die meisten setzen bei Gurken auf Gewächshäuser“, sagt er und erntet ein Exemplar, das denen in den Supermärkten in nichts nachsteht.

Ganz im Gegenteil: „Ich verzichte auf Chemie. Davon halte ich überhaupt nichts“, betont der talentierte Gärtner. Von der ganzen Spritzerei halte er überhaupt nichts. „Wenn in einem Apfel ein Wurmstich ist, wird er rausgeschnitten und gut ist“, sagt er. Obst und Gemüse müssten keine Hochglanzprodukte sein, sondern schmecken und gesund sein. 315 Quadratmeter hält er auf natürliche Weise in Schuss. Neben den Anbauten, blühen bunte Blumen, wächst Rasen und summen Insekten. Eine ganze Wand und weitere kleine „Hotels“ hat er gebaut, um die Nützlinge anzusiedeln. „Die Insekten locken die Vögel an und die fressen Schädlinge von meinen Pflanzen – das ist der biologische Kreislauf“, sagt der Naturfreund.

Sein großer Enkel sei besonders fasziniert von den Insekten, erzählt der stolze Opa. „Der wird sicher mal Biologe, dauernd kriecht er den Würmern und Käfern hinterher“, witzelt er. Der Elfjährige und seine sechsjährige Schwester seien oft im Garten bei den Großeltern. Alle giftigen Pflanzen haben der Gartenfachberater und seine Frau Sybille deshalb entfernt. „Die Kinder wissen: Alles, was rot ist, dürfen sie naschen.“ Haberkorn zeigt auf eine freie Fläche, die mit einem grünen Teppich ausgelegt ist. „In den Ferien haben wir die beiden eine ganze Woche hier. Dann bauen wir ein Schwimmbecken auf.“

Haberkorn hofft, dass seine Tochter später den Garten übernimmt, damit er in der Familie bleibt. „Aber so lange ich stehen kann, behalte ich den Garten. Ich will so oft und so lange hier sein, wie ich kann. Manchmal fahren meine Frau und ich direkt nach dem Aufstehen hier raus und frühstücken erst hier. Es ist einfach herrlich“, sagt der Rentner und lässt den Blick gedankenverloren über sein kleines grünes Paradies schweifen.

Wollen Sie uns auch Ihren Garten zeigen? Haben Sie einen besonders grünen Balkon? Oder sind Sie ein „Urban-Gardener“? Uns interessiert Ihr grüner Daumen! Melden Sie sich bei uns – und vergessen Sie dabei nicht Ihren genauen Namen, Ihre Telefon- und/oder Handynummer. Kontakt per
E-Mail: mein-gruenes-paradies@lvz.de
Post: LVZ-Lokalredaktion, „Mein grünes Paradies“, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig.

Von Nathalie Helene Rippich

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