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Von der Schwierigkeit, Obdachlosen zu helfen

Wohnungslos in Leipzig Von der Schwierigkeit, Obdachlosen zu helfen

Obdachlosigkeit ist vor allem bei eisigen Temperaturen im Winter lebensbedrohlich. Für Helfer von außen können Bemühungen, den Wohnungslosen von der Straße zu bekommen, vergeblich und frustrierend sein. Das zeigt der Fall einer Leipzigerin, die sich um einen Obdachlosen im Rollstuhl kümmern wollte.

Der Obdachlose Holger Marx auf der Grünfläche am Dittrichring.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Seit Tagen lässt Barbara Heckmanig der Anblick aus ihrem Fenster keine Ruhe. Der Leipzigerin, die am Innenstadtring wohnt, fiel am Wochenende ein im Rollstuhl sitzender Mann auf, der an der öffentlichen Freifläche am Karl-Gottlieb-Plato-Denkmal am Dittrichring seine Übernachtung auf einer Bank vorbereitete – bei Temperaturen klar unter dem Gefrierpunkt. Mit einer Tüte als Unterlage, einer Decke, mehr nicht. Die 79-Jährige sprach den etwa 50-Jährigen an. „Ich wollte dafür sorgen, dass er in eine Unterkunft oder ein Krankenhaus kommt“, beschreibt Heckmanig. Nach ihrem Anruf unter der Notrufnummer fuhr ein Krankenwagen vor, doch der Mann namens Holger Marx lehnte einen Transport ab, auch am Tag darauf.

Das ist der Knackpunkt: Ohne das Einverständnis des Obdachlosen geht nichts, auch im konkreten Fall. „Der Mann ist im Übernachtungshaus und bei den Streetworkern des Suchtzentrums und der Diakonie seit längerer Zeit bekannt“, informiert Leipzigs Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst auf LVZ-Nachfrage. „Er wurde mehrfach und ausführlich von den Straßensozialarbeitern über die bestehenden Hilfe-Angeboten informiert und zur Nutzung der Einrichtungen aufgefordert.“ Angenommen hat er die Offerte nicht – „und deshalb kann eine Zwangsunterbringung durch die Polizei oder den Rettungsdienst nur bei akuter Eigengefährdung veranlasst werden“, so die Amtsleiterin.

An Notunterkünften in Leipzig mangelt es nicht. Die mit dem Amt eng kooperierenden Sozialarbeiter versuchten immer mal wieder, Obdachlose zur Nutzung der Einrichtungen zu motivieren, wie es heißt. Die Gründe für eine Ablehnung der auf der Straße Lebenden sind laut Kador-Probst vielschichtig. Für manche gehört das Alkoholverbot in den Unterkünften dazu. Wie berichtet, sammelt momentan der Leipziger Verein „TiMMi ToHelp“ Spenden für das Projekt „Kältebus“. Damit will der Verein Obdachlosen vor allem im Winter besser helfen und von dort aus warme Speisen, Getränke und Decken verteilen.

Wer wie Barbara Heckmanig Hilfe anbietet, stößt also an Grenzen. Um zumindest etwas zu bewirken, brachte die Leipzigerin dem Mann am Plato-Denkmal Tee, Brötchen, warme Decken und ein Kopfkissen. Von Anderen bekam er Kaffee und Kuchen. „Für mich ist es schwer zu ertragen, ihn seinem Schicksal zu überlassen“, sagt die Anwohnerin.

Als Unterstützung umstritten ist eine Geldspende – es gelte zu verhindern, dass Obdachlose sich mit Barem neuen Alkohol kaufen, so die landläufige Einstellung. Der widerspricht die Caritas auf ihrer Website: „Menschen, die auf der Straße leben, haben oft Suchtprobleme. Sie brauchen den Alkohol, um zu überleben, auch wenn sich das erst einmal paradox anhört. Ein kalter Entzug auf der Straße kann lebensbedrohlich sein“, heißt es dort. Was der Bedürftige mit dem Geld macht, „sollte man ihm überlassen“. Der Caritas-Tipp: Wer kein Geld geben möchte, kann fragen, was der Obdachlose brauchen könnte. Socken, Decke, Schuhe oder Schal bis hin zur Unterhaltung, die das Isoliertsein aufhebt.

Von Mark Daniel

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