Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Von der Singdrossel zur Lerche
Leipzig Lokales Von der Singdrossel zur Lerche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:23 28.01.2016
Werner Volkmar begleitet mit seiner Gitarre nun schon seit zwei Jahrzehnten die Wiederitzscher Sangesfreunde. Quelle: Armin Kühne
Anzeige
Wiederitzsch

Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen, sagte einst der berühmte Konzertgeiger und Dirigent Yehudi Menuhin. „Stimmt!“, sagt Werner Volkmar, der vor mehr als 66 Jahren an einem Sonntag in Chemnitz zur Welt kam. Vielleicht wurde ihm schon damals das „Fröhliche Singen“ in die Wiege gelegt, zu dem er allein in Wiederitzsch exakt seit 20 Jahren einlädt?

Einmal im Monat kommen sie zusammen, die 55- bis 89-Jährigen, die Freude am gemeinsamen Gesang haben. Übrigens nicht nur in Wiederitzsch, sondern ein reichliches Jahr später fand sich auch in Markkleeberg ein fester Kreis zusammen, der sich mittlerweile einmal im Monat in der Orangerie trifft. Da werden nicht nur Volks- und Zunftlieder, Kanons und Volkmärsche, sondern auch Eigenkompositionen gesungen, da wird geschwatzt und von Freuden und Sorgen erzählt. „Für die meisten ist das ein fester Termin, sie kommen bei Wind und Wetter, Eis und Schnee ins Wiederitzscher Begegnungszentrum“, weiß Volkmar. Mittlerweile kämen auch Neuwiederitzscher, die noch mehr Farbe ins Repertoire der Truppe bringen. „Das Lied ,Oh Du schöner Rosengarten’ kannten wir bis dato nicht, kam aus Elsass-Lothringen zu uns“, so der engagierte Chorleiter.

Und er erinnert sich auch gern an den Anfang: „Es war in den Neunzigerjahren, Andreas Diestel, damals Bürgermeister von Wiederitzsch, hatte zur alljährlichen Seniorenweihnachtsfeier eingeladen, bei der immer viel gesungen wird.“ Schließlich seien beide auf die Idee gekommen, dass doch das ganze Jahr über gemeinsam geträllert werden könnte – und die Wiederitzscher ließen sich nicht lange bitten. „Es war ein Angebot an die über 55-Jährigen, von denen sich nach der Wende etliche ,draußen’ fühlten. Hier fanden sie Halt und soziale Kontakte“ so Volkmar.

Angefangen hatte alles in den 1980er-Jahren, als Volkmar seinem Dasein als Ingenieurökonom in der Datenverarbeitung ein Ende machte und sich als Liedermacher und Sänger etablierte. In seinem Büchlein „Sachse von Geburt oder wie aus einer Chemnitzer Singdrossel eine Leipziger Lerche wurde“, in dem er Erinnerungen wie Perlen aneinanderreiht, erzählt er die Geschichte seines Ausstiegs: „Ich musste eine entsprechende Prüfung vor einer strengen Kommission ablegen, der unter anderen Fips Fleischer und Fred Frohberg angehörten.“ Damit erwarb er den Berufsausweis als Chansonsänger. Doch was so einfach klingt, war es nicht.

„Wer zu DDR-Zeiten studierte und einen Beruf ausübte, konnte nicht sofort ,freier Künstler’ werden“, so der 66-Jährige. Doch er fand die Lösung in einem Betrieb der Verpackungsindustrie, dessen Direktor selbst gern Künstler gewesen wäre. Dieser hatte Verständnis für Volkmars Situation und stellte ihn für neun Monate ein. „Damit meine Regelung aber planungstechnisch nach den Gesetzen der sozialistischen Betriebswirtschaft funktionierte, konnte ich nur schwanger geplant werden“, erzählt er amüsiert.

So kam es, dass aus dem studierten Betriebswirt 1983 ein freischaffender Liedermacher und Sänger wurde, und es dauerte nicht lange, bis die schreibende Zunft ihm den Titel „sächsischer Reinhard Mey“ verlieh. Er kann gut damit leben, da seine Lieder keine Kopien sind – sie erzählen auf ganz eigene Art vom Leben und besonders von der Liebe zu seiner Stadt Leipzig, wie „Durchs Leipzig Bauch“ oder im „Caffee-Lied“. Sie sind leicht und besinnlich, machen Hoffnung wie „Ausblick“, in dem es unter anderem heißt: „...Am Ende wird nach jeder Eiszeit noch immer ein Frühlingsgruß stehn.“ Volkmar schlägt aber auch kritische Töne an, wenn er musikalisch empfiehlt, weniger aufs Smartphone zu schauen und lieber auch mal das Gezwitscher der Vögel wahrzunehmen.

www.liedereien.de

Von Andrea Richter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Hoffnung auf Elefanten-Nachwuchs im Zoo Leipzig wird abermals enttäuscht: Das ungeborene Kalb ist tot. Bei einer Ultraschall-Untersuchung der hochträchtigen Elefantenkuh Thura seien keine Lebenszeichen des ungeborenen Jungtiers festgestellt worden.

10.01.2018

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat eine Markranstädter Nudelfabrik stillgelegt. Grund sollen Hygienemängel sein – bei einer Durchsuchung wurden Produkte beschlagnahmt. Das Landratsamt hat sie eingelagert.

28.01.2016

Alexej Danckwardt verlässt nach seinen umstrittenen Merkel-Äußerungen die Linke im Stadtrat. Noch nie zuvor hatte es bei der Linken und ihrer Vorgängerorganisation PDS einen Fraktionsausschluss im Leipziger Stadtrat gegeben.

27.01.2016
Anzeige