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Von wegen Ferien: Hochdruck auf Leipzigs größten Schul-Baustellen

Von wegen Ferien: Hochdruck auf Leipzigs größten Schul-Baustellen

Es ist ein Kraftakt: Leipzig braucht neue Schulen und muss bestehende sanieren. Dafür hat der Stadtrat bis 2016 insgesamt 165 Millionen Euro bewilligt. Vertreter der Verwaltung und Stadträte aus verschiedenen Fraktionen sahen sich auf den größten Schulbaustellen um.

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Die Vollendung naht, nur bei der Dreifeld-Sporthalle hakt es noch: das neue deutsch-französische Bildungszentrum.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die LVZ war exklusiv dabei.

1. In der Nähe des Bayerischen Bahnhofes wächst das deutsch-französische Bildungszentrum, das jungen Leipzigern vom Kindergarten bis zum Abitur eine zweisprachige Bildung ermöglichen soll. Herzstück sind die Pablo-Neruda-Grundschule sowie das Reclam-Gymnasium, die in diesem Jahr neue beziehungsweise sanierte Häuser beziehen.

Pablo-Neruda-Grundschule:

An der Straße des 18. Oktober neigt sich ein Kraftakt einem guten Ende. Die Grundschule mit versetzt übereinander geschichteten Baukörpern sowie in Ringform angeordneten Hort- und Klas- senräumen erwartet die Erstklässler am 24. August zur Aufnahmefeier. "Wir machen drei Feiern, sonst müssen sich die Familien zu sehr beschränken, wie viel Gäste sie mitbringen können", sagt Schulleiterin Ilka Schnabel, die sich über die neue Schule in Passivhausstandard freut. Kosten: 11,8 Millionen Euro samt Sporthalle. Das neue Klettergerüst steht auch schon. Trotzdem sind bis Unterrichtsbeginn noch viele Restarbeiten zu erledigen. Einen Wermutstropfen gibt es aber: Ein Teil der Tafel und Mobiliar aus der alten Schule muss umziehen. Bürgermeister Thomas Fabian: "Wir müssen möglichst sparsam mit dem Geld umgehen und alle Schulen im Blick behalten."

Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium:

Schmuck präsentiert sich der Komplex mit zwei durch einen Erweiterungsbau verbundenen Häusern (Entwurf: Kühnl + Schmidt). Die Erweiterung beherbergt das neue Zentrum des Gymnasiums mit Aula, Speiseraum, Bibliothek und Lehrerbereich. Eine Brücke im dritten Obergeschoss verbindet die Klassentrakte beider Häuser zu einem ringförmigen Gebäude. Kosten: 10,7 Millionen Euro. Der Umzug ist für die Oktoberferien geplant, da es auch hier Bauverzug gab. Das größte Problem ist die Dreifeld-Sporthalle (Kosten: 4,6 Millionen Euro), die wahrscheinlich erst im späten Frühjahr 2014 zu nutzen ist. Wie berichtet, hat sich die Bodenplatte der Sporthalle gehoben. Grund hierfür war ein Statikfehler bei der Berechnung, heißt es, Schichtwasser habe daher zur Hebung der Bodenplatte bis 40 Zentimeter geführt. Das ist nun ein Fall für die Versicherung. "Wir überlegen drei Varianten, wie die Halle am besten saniert werden kann", sagt Hochbauamtsleiter Raimund Krell. Die Entscheidung falle aber frühestens in drei Wochen. Die Schule kehrt aber definitiv in den Herbstferien zurück. Schulleiterin Petra Trotte: "Sportunterricht haben wir dann an sechs Standorten - das wird besonders für die Lehrer eine Belastung." Die Schule nimmt künftig bis zu 1000 Schüler auf. Aber muss ebenso sparen. Statt der drei benötigten Informatikkabinette sind derzeit nur zwei vorhanden.

Alte Neruda-Schule:

Das Gebäude wird ab 2014 als Interim für das neue Gymnasium Telemannstraße genutzt, danach soll es saniert werden - für die Georg-Schumann-Mittelschule, die vertieften Französisch-Unterricht anbietet.

2. Der Neubau der 3. Grundschule mit Dreifeld-Sporthalle an der Bernhard-Göring-Straße wächst sichtbar in die Höhe. Seit September 2012 entsteht nach Entwürfen des Kölner Büros JSWD eine moderne Bildungsstätte, die fünf Klassen pro Jahrgangsstufe beherbergen wird. Moderne Unterrichtsräume, Verkehrs- sowie Schulgarten, Spielzone - 16,7 Millionen Euro lässt sich die Stadt das neue Haus kosten. "Wir sind im Limit, es darf aber nichts mehr passieren wie beispielsweise die Insolvenz einer Baufirma", sagt Raimund Krell, der Hochbauamtsleiter. Hintergrund: Drei Monate Bauverzug - unter anderem durch einen verspäteten Fördermittelbescheid sowie den frostigen Winter - sind schon "eingefahren". Die neue Schule muss aber 2014/15 öffnen, weil die bisherigen Unterrichtsräume den Andrang neuer Schüler nicht mehr bewältigen können. Schon jetzt stehen zusätzliche Räume in Systembauweise bereit. Ist die neue "3." bezogen, wird das bestehende Gebäude saniert - da der Süden eine weitere dreizügige Grundschule braucht. "Die Planung muss 2014 beginnen", sagt Katrin Nobis vom Amt für Jugend, Familie und Bildung. Die Sporthalle wird künftig auch für den Vereinssport sowie vom Kant-Gymnasium genutzt.

 

3. Die Fassade des denkmalgeschützten, im Jahre 1890 gebauten Schulkomplexes der 68. Mittelschule kann sich wieder sehen lassen. Das Haus ist trockengelegt, sämtliche Leitungen, das Dach, Fenster, selbst geschädigte Holzbalkendecken sind erneuert. Drei Jahre lang hat die Komplexsanierung gedauert, da die notwendigen 6,4 Millionen Euro nur Jahr für Jahr bereitgestellt werden konnten. Vorher stand das Haus vier Jahre leer, was zu zusätzlichen Schäden geführt hat. Die Mittelschüler, viele Jahre in der Diderotstraße 35 beheimatet, können das Gebäude vom neuen Schuljahr an nutzen und finden moderne Bedingungen vor. Der Schulhof wurde ebenfalls mit Spielbereichen und Fahrradstellplätzen neu gestaltet. Die Schule ist barrierefrei, so das ab neuem Schuljahr auch ein einzigartiges Inklusions-Projekt mit behinderten Schülern starten kann. Besonders stolz ist Schulleiterin Elke Donnert auf die ehemalige Turnhalle, in die unter anderem die Mensa und eine Bibliothek einziehen. "Da können wir unsere Mediathek mit Computerarbeitsplätzen einrichten", sagt sie. Eine Zwei-Feldsporthalle bekommt die Schule auch - die entsteht nebenan bis Sommer 2014. Offen ist, wie die Schule künftig heißt. Der Vorschlag Bleichert-Schule bleibt umstritten.

4. In der Lene-Voigt-Mittelschule in der Willi-Bredel-Straße sind Fenster ausgewechselt, die Sanitäranlagen erneuert, Brandschutzmaßnahmen erfolgt und auch die Fassade wurde energetisch saniert. Damit ist ein Großteil des 1972 errichteten Plattenbaus in Lößnig modernisiert. Kosten: 3,8 Millionen Euro. Für Malerarbeiten an allen Wänden sowie das Streichen von Türen hat das Geld allerdings nicht gereicht - was mit dem Zauberwort Teilsanierung erklärt wird. Ob die Schule nach den Ferien öffnet, ist allerdings derzeit keineswegs sicher. Nach einem Bauverzug von drei Monaten stehen noch erhebliche Restarbeiten an - zum Beispiel an den Treppen. "Ein Teil der Türen ist nicht geliefert, der Kellerbereich samt Speiseraum wird bis Schuljahresbeginn nicht fertig", so Sachgebietsleiter Jürgen Böhm vom Hochbauamt. Für Schulleiterin Grit Wukasch wäre die Verzögerung "eine Katastrophe". Denn im Interim in der Weißestraße haben die Lehrer bereits alles gepackt, die Umzugsfirma ist bestellt. Fabian bittet daher dieser Tage die Bauleiter und Verantwortlichen der Ämter zur Beratung. "Wir finden eine Lösung, die für alle verträglich ist", verspricht der Bürgermeister. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich die Rückkehr der ausgelagerten Lene-Voigt-Mittelschule verschiebt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.07.2013

Mathias Orbeck

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