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Vor 100 Jahren: Luftkreuzer am Leipziger Himmel - Start stand auf der Kippe

Vor 100 Jahren: Luftkreuzer am Leipziger Himmel - Start stand auf der Kippe

Einmal per Zeppelin von Leipzig ins Erzgebirge und zurück. Vor 100 Jahren sollte dieses Kapitel Luftfahrtgeschichte geschrieben werden. Doch das Wetter machte zunächst einen Strich durch die Rechnung.

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Das Luftschiff "Sachsen" am 19. Oktober 1913 über Leipzig.

Quelle: Archiv Guddat

Leipzig. Nachdem die "Sachsen" am 12. Oktober 1913 vom gerade eingeweihten Luftschiffhafen in Mockau aufgestiegen und bis Wildenfels gekommen war, musste wegen heftiger Winde und Starkregens beigedreht werden.

Erst am 19. Oktober gelang die Mission, der Luftkreuzer, wie die Riesenzigarre genannt wurde, erreichte Schwarzenberg und Annaberg und kehrte dann nach Leipzig zurück, wo damals die Aeronautik eine Blütezeit erlebte.

Jubel und Trubel beim Blick nach oben: Immer, wenn sich die Giganten am Himmel über der Stadt zeigten, waren die Leipziger aus dem Häuschen. Doch zunächst dominierten Ballons das Geschehen. Anno 1784 stieg der erste unbemannt vom Gelände der damaligen Funkenburg auf, drei Jahre später begeisterte der Franzose Nicolas Blanchard die Bürger mit seiner Ballonfahrt vom heutigen Leuschnerplatz bis nach Großzschocher. Unterwegs warf er einen Hund ab, der am Fallschirm zur Erde schwebte. Anfang des 20. Jahrhunderts kamen dann auch an der Pleiße Massenstarts in Mode, die Ballon-Fiesta ließ also schon damals grüßen. So sieht es Experte Wolfram Sturm, der in seinem reich illustrierten und im Engelsdorfer Verlag erschienenen Band "Leipzig geht in die Luft" einen profunden Streifzug von der Vergangenheit bis in die Gegenwart unternimmt.

Lange bevor sich die "Sachsen" auf den Weg ins Erzgebirge machte, baute der hiesige Buchhändler Hermann Wölfert gemeinsam mit Oberförster Georg Baumgarten ein Luftschiff. Man schrieb das Jahr 1896, im Jahr darauf bezahlte Wölfert seinen Tatendrang mit dem Leben. Die Eigenkonstruktion der Marke "Deutschland" stürzte bei einer Vorführung in Berlin brennend ab. Auch Wölferts Mechaniker kam um. Zur grandiosen Nummer geriet am Pfingstmontag 1909 die erste Visite eines Zeppelins in Leipzig. Zeitgenössische Quellen berichten von 100 000 Leuten, die auf den Beinen waren, um LZ 3 zu bejubeln. Das nächste Großerereignis ließ etwas auf sich warten. Im März 1910 sorgte Pilot Hans Grade mit seinem motorisierten Eindecker für publikumswirksame Airshows in Lindenau - bis er, wie das Leipziger Tageblatt notierte, mit seinem "Flugapparat in den Bäumen hängenblieb", aber keine Verletzungen erlitt.

Der erste Leipziger Flugplatz ging 1911 in Lindenthal auf einem gepachteten Acker in Betrieb. Am 22. Juni 1913 wurde der Luftschiffhafen in Mockau als Drehkreuz des Zeppelinverkehrs eingeweiht - und alsbald zur Militärbasis. Auch in Lindenthal wurde kräftig aufgerüstet, in den Deutschen Flugzeugwerken entstanden dort bis zum Ende des Ersten Weltkrieges mehr als 2000 Maschinen. Aufklärer, Jäger, Bomber. In Heiterblick am anderen Ende der Stadt wurden bei den Automobil- und Aviatikwerken ebenso Kriegsflugzeuge montiert. Gleiches geschah bei den Germania-Flugzeugwerken in Mockau, wo in den 1920er-Jahren dann die zivile Luftfahrt eine moderne Heimstatt bekam - und Konkurrenz nebenan. Denn 1927 öffnete in Schkeuditz der Flughafen Halle-Leipzig, der zu Nazi-Zeiten erheblich expandierte.

Im Zuge der Luftrüstung im Dritten Reich wurde Leipzig an verschiedenen Standorten erneut zur Produktions- und Teststätte für Kriegsmaschinen, am Ende blieben von Bombentreffern schwer gezeichnete Flugplätze in Mockau und Schkeuditz. Ersterer öffnete 1949 für zivile Zwecke, diente später auch als Basis für den Agrarflug sowie die Pilotenausbildung und machte 1991 dicht. In Schkeuditz wurde erst ab 1963 wieder richtig durchgestartet - als "Messeflughafen Leipzig", der heute als internationaler Airport mit leistungsfähiger Infrastruktur ein Knotenpunkt des Passagier- und Frachtverkehrs ist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.10.2013

Mario Beck

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