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Vor 30 Jahren starb Werner Teske - Leipzig erinnert an letzte deutsche Hinrichtung

Vor 30 Jahren starb Werner Teske - Leipzig erinnert an letzte deutsche Hinrichtung

Leipzig. Werner Teske war wahrscheinlich der Letzte. Der Hauptmann der DDR-Staatssicherheit wurde vor 30 Jahren, am 26. Juni 1981, in einem kargen Raum im Leipziger Süden von hinten erschossen.

Das Zimmer gehörte zu einer ehemaligen Hausmeisterwohnung, in der die DDR von 1960 an ihre zentrale Hinrichtungsstätte eingerichtet hatte. 64 Menschen wurden hier getötet - verurteilt wegen Kriegsverbrechen, Mordes oder politischer Delikte. Spionage und vorbereitete Fahnenflucht warf das SED-Regime Teske vor. Tatsächlich wollte es laut Stasi-Unterlagen-Behörde ein Exempel statuieren.

Offiziell gab es den Hinrichtungsort ebenso wenig wie die Todesurteile. Die Fälle waren Staatsgeheimnisse. Teske wurde ein kurzer, nicht öffentlicher Prozess gemacht - das Urteil der Richter stand vorher fest. Todesort und Todesursache wurden gefälscht. Seine Familie erfuhr erst nach Ende der DDR von Teskes Hinrichtung.

Warum also abschreckende Todesstrafen, von denen keiner wissen durfte? „Ein Grund war wohl der archaische Strafanspruch der SED-Spitze und des Ministers für Staatssicherheit“, sagt der Leiter der Leipziger Stasi-Gedenkstätte "Runde Ecke", Tobias Hollitzer. „Strafe musste sein, auch wenn es keiner mitbekommt.“ Zudem seien die Hinrichtungen zwar vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden, intern hätten sie jedoch sehr wohl der Abschreckung gedient.

Teske war nach heutigen Erkenntnissen der letzte Hingerichtete, die DDR schaffte die Todesstrafe erst 1987 offiziell ab. Bis dahin hatten DDR-Gerichte nach aktuellen Erkenntnissen 231 Todesurteile verhängt, von denen 160 vollstreckt wurden - zwischen 1949 und 1960 vor allem in einem Gefängnis in Dresden.

„Damit war Teskes Hinrichtung das Ende einer 500 Jahre durchgehenden Anwendung der Todesstrafe auf deutschem Boden“, sagt Hollitzer. Allein diese Tatsache sei Grund genug, die ehemalige Hinrichtungsstätte in der Alfred-Kästner-Straße als justizgeschichtlichen Erinnerungsort einzurichten. Bereits 2002 beschloss das sächsische Kabinett, die Räume zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Gespräche liefen bis heute, sagt Hollitzer. Er hoffe, dass Bund und Freistaat noch in diesem Jahr das Geld zur Sanierung und zur Einrichtung einer Ausstellung bewilligten. Solange wird die Hinrichtungsstätte nur zweimal jährlich geöffnet. 2010 sahen sich an diesen beiden Tagen 1700 Besucher die tristen Räume an, in denen Todesurteile vollstreckt wurden, die es offiziell gar nicht gab.

Franziska Höhnl, dpa

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