Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Vor 30 Jahren starb Werner Teske - Leipzig erinnert an letzte deutsche Hinrichtung

Vor 30 Jahren starb Werner Teske - Leipzig erinnert an letzte deutsche Hinrichtung

Leipzig. Werner Teske war wahrscheinlich der Letzte. Der Hauptmann der DDR-Staatssicherheit wurde vor 30 Jahren, am 26. Juni 1981, in einem kargen Raum im Leipziger Süden von hinten erschossen.

Das Zimmer gehörte zu einer ehemaligen Hausmeisterwohnung, in der die DDR von 1960 an ihre zentrale Hinrichtungsstätte eingerichtet hatte. 64 Menschen wurden hier getötet - verurteilt wegen Kriegsverbrechen, Mordes oder politischer Delikte. Spionage und vorbereitete Fahnenflucht warf das SED-Regime Teske vor. Tatsächlich wollte es laut Stasi-Unterlagen-Behörde ein Exempel statuieren.

Offiziell gab es den Hinrichtungsort ebenso wenig wie die Todesurteile. Die Fälle waren Staatsgeheimnisse. Teske wurde ein kurzer, nicht öffentlicher Prozess gemacht - das Urteil der Richter stand vorher fest. Todesort und Todesursache wurden gefälscht. Seine Familie erfuhr erst nach Ende der DDR von Teskes Hinrichtung.

Warum also abschreckende Todesstrafen, von denen keiner wissen durfte? „Ein Grund war wohl der archaische Strafanspruch der SED-Spitze und des Ministers für Staatssicherheit“, sagt der Leiter der Leipziger Stasi-Gedenkstätte "Runde Ecke", Tobias Hollitzer. „Strafe musste sein, auch wenn es keiner mitbekommt.“ Zudem seien die Hinrichtungen zwar vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden, intern hätten sie jedoch sehr wohl der Abschreckung gedient.

Teske war nach heutigen Erkenntnissen der letzte Hingerichtete, die DDR schaffte die Todesstrafe erst 1987 offiziell ab. Bis dahin hatten DDR-Gerichte nach aktuellen Erkenntnissen 231 Todesurteile verhängt, von denen 160 vollstreckt wurden - zwischen 1949 und 1960 vor allem in einem Gefängnis in Dresden.

„Damit war Teskes Hinrichtung das Ende einer 500 Jahre durchgehenden Anwendung der Todesstrafe auf deutschem Boden“, sagt Hollitzer. Allein diese Tatsache sei Grund genug, die ehemalige Hinrichtungsstätte in der Alfred-Kästner-Straße als justizgeschichtlichen Erinnerungsort einzurichten. Bereits 2002 beschloss das sächsische Kabinett, die Räume zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Gespräche liefen bis heute, sagt Hollitzer. Er hoffe, dass Bund und Freistaat noch in diesem Jahr das Geld zur Sanierung und zur Einrichtung einer Ausstellung bewilligten. Solange wird die Hinrichtungsstätte nur zweimal jährlich geöffnet. 2010 sahen sich an diesen beiden Tagen 1700 Besucher die tristen Räume an, in denen Todesurteile vollstreckt wurden, die es offiziell gar nicht gab.

Franziska Höhnl, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

Wie weiter nach der Grundschule? Unsere Übersicht aller Gymnasien, Oberschulen und Freien Schulen in Leipzig will Eltern bei der Auswahl der passenden Bildungseinrichtung für ihr Kind unterstützen. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

Die Multimedia-Reportage erzählt elf spannende Geschichten entlang der Linie 11 - der längsten Straßenbahnlinie Leipzigs. mehr

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Probieren Sie es aus im Spieleportal von LVZ.de. mehr