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Lokales Vor fünf Jahren wurden in den meisten Leipziger Kneipen Raucher vor die Tür gesetzt
Leipzig Lokales Vor fünf Jahren wurden in den meisten Leipziger Kneipen Raucher vor die Tür gesetzt
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15:47 17.07.2015
Hier wird nicht gequalmt: Das Rauchverbot in Gaststätten finden viele Deutsche gut - auch wenn sie selbst Raucher sind. Quelle: Jens Wolf
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Leipzig

Fünf Jahre nach dem Start von Sachsens Nichtraucherschutzgesetz ist die Stimmung in Leipzig ganz anders, dampft heute fast überall nur noch die Friedenspfeife.

Michael Kuriat, Betreiber vom Nachtcafé, hat bei der letzten Silvesterparty etwas Merkwürdiges beobachtet. Im Neujahrsjubel zündete sich ein Gast auf der Tanzfläche eine Zigarette an. "Er wurde gleich von Umstehenden auf seinen Fehler hingewiesen. Ohne, dass jemand vom Club was sagen musste. Das reguliert sich längst untereinander."

Umfrage in Leipzig zum Nichtraucherschutzgesetz:

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Die meisten Party-Gänger wüssten inzwischen zu schätzen, dass Haare und Bekleidung am nächsten Tag nicht mehr nach Qualm duften. "Und für Nikotin-Fans gibt es ja eine abgetrennte Lounge oder den Gang vor die Tür", erzählt der eingefleischte Nichtraucher. "Was vor fünf Jahren noch unmöglich erschien - die Leute haben das Gesetz akzeptiert und genießen die Vorzüge", lobt Kuriat.

Paragrafen bei Rauchern kein Thema mehr

Auch Volkshaus-Chef Andreas Bürger meint, die Paragrafen zum blauen Dunst seien bei den Gästen kein Thema mehr. "Da ist die Luft raus. Aber nur, weil Sachsen heute ein besonders liberales Gesetz hat, das Platz für alle bietet." Die Raucher wüssten genau, wie sie sich zu verhalten haben. Obwohl das Volkshaus für sie schon am Stichtag 1. Februar 2008 einen Raum abtrennte, würden heute viele lieber im dunstfreien Saal sitzen, nur ab und zu mal kurz mit einer "Fluppe" verschwinden.

Ob im kleinen Café Puschkin oder der großen Billard-Halle an der Erich-Zeigner-Allee: Fast überall gibt es separate Bereiche für alle Unbelehrbaren, die für einen gelungenen Abend den Aschenbecher in Reichweite brauchen. Im Beyerhaus ist dieser Bereich - grob geschätzt - mindestens dreimal so groß wie der Nichtraucher-Teil. Leipzigs Kleinkneipen erlauben das Quarzen je nach Publikum entweder ganz (wie der Connewitzer Goldfisch) oder gar nicht (wie das Besser Leben in Schleußig). Probleme gebe es damit keine, wird hier wie dort versichert.

Rauchen gehört weiterhin zu vielen Partys

Dennoch: In einigen Clubs gehört das Rauchen trotz Verbots zum Geschäftsmodell. Das berichtet der Chef einer hiesigen Security-Firma, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Besonders bei Veranstaltungen mit elektronischer Musik sei der Konsum von Zigaretten noch der kleinste gesundheitsgefährdende Faktor. "Dort ist man froh, wenn nur geraucht wird. Und keine harten Drogen genommen werden." Die Einhaltung des Gesetzes hänge weniger vom Club ab, vielmehr von der Art der Veranstaltung. Etwa ab 2 Uhr würden manche Betreiber den Paragrafen was husten und auch selbst zum Feuerzeug langen. Grund: Es herrsche die Ansicht, dass dann ohnehin niemand mehr kontrolliert. Zeuge einer Kontrolle sei er trotz etlicher Einsätze in Diskotheken in den vergangenen fünf Jahre noch nie geworden, schildert der Wachmann.

Doris Kretschmer vom Leipziger Ordnungsamt zeichnet ein anderes Bild. Im Jahr 2012 hätten 105 Überprüfungen im Rahmen der üblichen, unangekündigten Kontrollgänge stattgefunden. Die Mitarbeiter seien auch weit nach Mitternacht und teils in Zivil unterwegs, würden deshalb nicht immer erkannt. Verstöße gebe es "nur noch selten". Im Vorjahr seien neun Verwarnungen ergangen, in weiteren sechs Fällen kam es zur Anzeige. Letzteres könne Strafzahlungen von bis zu 5000 Euro nach sich ziehen. Zum Vergleich: Im Februar 2008 wurden in nur einem Monat ebenfalls 15 Verstöße registriert.

Holm Retsch vom Gaststättenverband Dehoga erinnert an die Opfer, die das Gesetz in seiner anfangs strengen Form gekostet habe. "Ein Fünftel der getränkeorientierten Gastronomie in Leipzig musste ihr Geschäft aufgeben." Der Club Staubsauger zum Beispiel rettete sich nur durch hohe Investitionen, gehört daher zu den Überlebenden. Deren Chefin Marion Rath freut sich heute: "Unser Personal wacht nach einem Dienst anders als früher ohne Kopfschmerzen auf."

Robert Berlin/Jens Rometsch/Juliane Lange

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