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Vorbereitung auf den Ernstfall: Leipziger Feuerwehr trainiert Einsätze im Citytunnel

Vorbereitung auf den Ernstfall: Leipziger Feuerwehr trainiert Einsätze im Citytunnel

Rauch überall, das Dunkel wird durchzogen von einem infernalischen Fiepen. Schemenhaft sind phosphoreszierende Helme in den Schwaden zu erkennen. Gestalten unter schweren Atemschutzgeräten laufen mit einer Trage durch die Röhren des Leipziger Citytunnels.

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Ein Trupp von fünf Feuerwehrmännern macht sich im Citytunnel auf die Suche nach Verletzten.

Leipzig. Die Berufsfeuerwehr der Stadt probt derzeit den Ernstfall im Bahnhof am Wilhelm-Leuschner-Platz, so auch am Freitagabend.

Wegen Bauarbeiten am Hauptbahnhof ist auch der Citytunnel für den Zugverkehr gesperrt. Die Bahn nutzt die Chance um die Software der Anlagen zu aktualisieren. Für die Rettungskräfte hingegen bietet sich die seltene Gelegenheit, den Einsatz unter realistischen Bedingungen zu proben. „Was man einmal gesehen hat, das merkt man sich“, erklärt Thomas Kügler, Leiter der Feuerwache Mitte. Der Citytunnel liegt in seinem Einsatzbereich. Während der drei Tage wird immer eine der Schichtbelegungen zur Übung herangezogen. Währenddessen übernehmen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr die Grundsicherung der Wache.

„Der Tunnel ist schon eine besondere Herausforderung“, betont Kügler. Im Vorfeld wurden der 54-Jährige und seine Kameraden von Schweizer Ausbildern intensiv vorbereitet. „In der Schweiz, mit ihren vielen Tunneln, gibt es eine sogenannte Fire Academy. Dort kennt man sich mit solchen Szenarien bestens aus.“ Dieses Training soll nun in der Praxis umgesetzt werden.

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Leipzig. Rauch überall, das Dunkel wird durchzogen von einem infernalischen Fiepen. Schemenhaft sind phosphoreszierende Helme in den Schwaden zu erkennen. Gestalten unter schweren Atemschutzgeräten laufen mit einer Trage durch die Röhren des Leipziger Citytunnels. Die Berufsfeuerwehr der Stadt probt derzeit den Ernstfall im Bahnhof am Wilhelm-Leuschner-Platz, so auch am Freitagabend.

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Wenn der Alarm ausgelöst wird, rückt der Löschzug mit 22 Mann an – ohne Blaulicht und Sondersignal – es ist ja bloß eine Übung. Kügler vernebelt unterdessen eine Röhre des Citytunnels. Der Rauch zieht in Richtung Markt. „Da wird jetzt der Alarm anschlagen. Da stehen alle Anlagen noch in Betrieb. Aber die Leitstelle weiß bescheid“, so der Leiter der Brandwache.

Ein erster Spürtrupp bestehend aus fünf Mann steigt die Treppen hinab. Sie sondieren die Lage vor Ort: Was ist passiert? Wo genau brennt es? Braucht es Atemschutz? Neben ihrer persönlichen Ausrüstung schleppen die Männer Schläuche, Verbindungsstücke, Spritze und Wärmebildgerät mit sich. Das infernalische Fiepen sind zum einen die Funkgeräte. Viel lauter jedoch sind die Totmannschalter der Atemschutzgeräte. Verharrt ein Feuerwehrmann zu lange regungslos, geben diese Alarm, so dass er gegebenenfalls gefunden werden kann.

Der Spürtrupp hat die Brandstelle – im Szenario nur ein Nebelgerät – ausgemacht, und beginnt Schläuche an die Steigrohre anzuschließen. „Oben schließen die Kameraden zuerst das Löschfahrzeug an. Danach wird die Wasserversorgung aus Hydranten sicher gestellt“, erklärt Thomas Kügler. Unterdessen arbeitet sich ein zweiter Trupp vor. Sie tragen gleich zwei Pressluftflaschen auf dem Rücken. Beim Citytunnel handele es sich um ein Ausnahmegebäude, da komme man mit einer Flasche nicht hin, erklärt der erfahrene Brandbekämpfer.

Worst-Case-Szenario im Citytunnel

Während der Voraustrupp den „Brand“ löscht und die Wände kühlt, arbeitet sich der zweite Trupp auf der anderen Seite der Gleise entlang weiter vor. Um Verletzte zu finden, setzt die Feuerwehr Wärmebildgeräte ein. So könnten auch im dichtesten Rauch am Boden liegende Menschen aufgespürt werden.

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Aufräumen nach dem Einsatz: Kameraden der Leipziger Berufsfeuerwehr verstauen ihr Equipment nach dem Training im Citytunnel.

Quelle: Dirk Knofe

„Wir spielen heute ein Worst-Case-Szenario durch“, erklärt Kügler die Übung. Denn der Verletzte liegt mitten im Tunnel. „Im Ernstfall gilt: Der Lokführer soll nach Möglichkeit aus dem Tunnel hinausfahren. Wenn das nicht möglich ist, soll er versuchen, den nächsten Bahnhof zu erreichen.“ Im schlimmsten Fall bleibt der Zug im Tunnel stehen. Dann müssen die Feuerwehrmänner zu Fuß zum Einsatzort vordringen.

Die fünf Mann sind bei der verletzten Person auf den Gleisen angekommen. Vier Mann beugen sich über eine schwere Puppe, hieven diese auf eine Trage und schleppen den Körper in Richtung Treppen. Kaum auszudenken, welchen Belastungen die Rettungskräfte ausgesetzt sind, wenn nicht nur eine Puppe, sondern unzählige Verletzte eines Unfalls geborgen werden müssten.

Der schmale Gehsteig am Rande der Gleise bietet den vier Feuerwehrleuten mit der Trage in der Mitte kaum genug Platz. Ganz knapp kann einer der Kameraden das Ausrutschen verhindern. Fast wäre er auf die Gleise gestürzt. Bis zum Bahnsteig schleppen sie den „Verletzten“. Einer der Übungsleiter kommt auf die Männer zu und sagt: „Stellt ihn hier ab! Habt genug geschwitzt.“ „Nein, wir können noch.“ Bis zur Treppe schaffen sie den leblosen Kunststoffkörper noch. „Die Kameraden sind im Dienst. Es kann sein, dass sie heute noch zu einem Einsatz raus müssen, da wollen wir sie nicht komplett fertig machen“, betont Kügler. Danach wird aufgeräumt.

Johannes Angermann

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