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WGT Leipzig: Abschlepp-Ärger am Kohlrabizirkus

Wave-Gotik-Treffen WGT Leipzig: Abschlepp-Ärger am Kohlrabizirkus

Die Wave-Gotik-Organisatoren beklagen den „Abschleppwahn“ eines Parkplatz-Betreibers am Kohlrabizirkus – doch der sieht die Sache ganz anders und spielt den Ball zurück.

Böses Erwachen beim WGT: Eine größere Abschleppaktion am Kohlrabizirkus sorgte für Ärger, war aber rechtens.

Quelle: privat

Leipzig. Das Wave-Gotik-Treffen 2016 ist zwar Geschichte. Doch eine Sache liegt den Veranstaltern im Magen. Weil es nach ihrer Auffassung am Bild von Leipzig als freundliche Gastgeberstadt kratzt. Die WGT-Macher führen einen „Fall von Abschleppwahn am Kohlrabizirkus“ ins Feld. Viele Gäste von Veranstaltungen im Kohlrabizirkus nutzten die links des Kuppelbaus gelegene, große Freifläche.

„Es ist ein Areal, das als privater Parkplatz ausgewiesen ist, mit Parkverbotshinweis und Abschleppdrohung“, räumt WGT-Sprecher Cornelius Brach ein. „Und wenngleich WGT-Besucher da beim Parken niemanden behindern – rechtlich ist die Sache schon sattelfest.“ Was das Veranstalterteam jedoch befremdlich stimmt: „Der Betreiber beziehungsweise Pächter der als privat ausgewiesenen Abstellfläche ist personell eng verwoben mit der Firma Autologistik Leipzig, dem Abschleppdienst. Der Geschäftsführer beider Firmen – identisch…“

Über Pfingsten, von Freitag bis Montag immer gegen 17 Uhr, habe es Konzerte im Kohlrabizirkus gegeben, sagt Brach. „Was wir gesehen haben: Abgeschleppt wurde im Akkord. Gleich mit mehreren Fahrzeugen.“ Gezählt habe man die Wagen nicht. „Doch schätzungsweise wurden über die Tage an die 100 Autos abtransportiert“, denken die WGT-Organisatoren. Dabei hatten es die Abschlepper nicht mal weit, die „Autologistik“ befindet sich gleich in der Arno-Nitzsche-Straße 30.

Maik Frantzen aus Halle etwa hat es beim Konzert am Pfingstsonntag erwischt. „Als ich gegen 19 Uhr ankam, war der Parkplatz unmittelbar vorm Kohlrabizirkus schon proppenvoll, auf der gegenüberliegenden Seite schien noch Luft. Da standen aber auch schon etliche Autos. Also stellte ich meines dazu. Bei der Anfahrt hatte ich die privaten Hinweisschilder nicht sehen können.“ Die sah er, als er nach Konzertschluss gegen 22.30 Uhr zum Wagen wollte. Und – da sowohl seines als auch alle anderen an jenem Ort nicht mehr da waren, ahnte er den Grund. Frantzen rief bei der Polizei an, erfuhr, wo er das Mobil in der Arno-Nitzsche-Straße abholen kann – und löhnte dort 184,87 Euro für diese „Dienstleistung an einem Sonn- und Feiertag“ plus 21,01 Euro für die „Herausgabe außerhalb der Öffnungszeit“. Plus Mehrwertsteuer war er mit 245 Euro dabei.

„Ich verstehe schon den Frust eines jeden, der abgeschleppt wurde“, sagt Wolfgang Pohl. Er ist einer der Geschäftsführer der Autologistik-Leipzig. Der besagte private Parkplatz selbst gehöre einer Eigentümergesellschaft, der LPR Grundstücke, klärt er auf. „Und es stimmt, ich bin da der Inhaber. Die Parkfläche selbst habe ich vermietet – an sechs, sieben Firmen, die dort angesiedelt sind. Vielleicht sollten die WGT-Leute mal mit denen reden, wenn sie ihr jährliches Event planen und zusätzliche Parkflächen bei ihren Veranstaltungen benötigen.“ Seit drei Jahren werde ihnen das auch angeboten. „Ein Ergebnis hat das aber nie gebracht“, erklärt Pohl.

„Im ersten Jahr hatten sie auch noch nicht so viele Besucher, im zweiten Jahr waren es schon mehr und vereinzelt standen welche auf unserem Parkplatz. Wobei die Firmen da schon ein Auge zudrückten. Aber diesmal waren es wirklich viele – da haben wir abgeschleppt.“ Es sei dabei schließlich auch um blockierte Feuerwehr-Stellflächen und die Feuerwehrumfahrt ums Gebäude gegangen. „Und wenn mich eine der Firmen, wie etwa ein Fahrradkurierdienst, der auch am Wochenende und rund um die Uhr arbeiten muss, alarmiert, dass seine Parkplätze dicht sind, sind wir auch in der Pflicht, etwas zu tun.“

Gut 50, 60 Veranstaltungen gebe es im Jahr im benachbarten Kohlrabizirkus, sagt Pohl. „Abgeschleppt wurde bislang aber nur beim WGT.“ Für ihn ist es nachvollziehbar, dass – wenn mittlerweile gut 4000 WGT-Konzertbesucher kommen – die rund 200 Stellplätze unmittelbar vorm Kohlrabizirkus nicht ausreichen. „Und ich denke, manchmal können die froh sein, wenn das Ordnungsamt da nicht kontrollieren kommt.“ Im Übrigen schlägt Pohl vor: „Vielleicht sollten sich die WGT-Organisatoren einfach mal bei mir persönlich melden. Denn das haben sie bisher auch noch nie getan.“ WGT-Sprecher Brach indes will die Besucher beim nächsten WGT verstärkt vor dem Parken auf besagtem Platz warnen.

Von Angelika Raulien

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