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Lokales WM-Trubel bis nach Mitternacht: Anwohner in Leipzig fürchten um ihren Schlaf
Leipzig Lokales WM-Trubel bis nach Mitternacht: Anwohner in Leipzig fürchten um ihren Schlaf
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23:05 02.06.2014
Auch wenn es längst dunkel ist, soll auf den Straßen, wie hier auf der Fanmeile in Berlin, gefeiert werden (Archivbild). Quelle: dpa

Eine Sonderregelung des Bundesrates zum Lärmschutz macht es möglich. Die Begeisterung darüber ist aber keineswegs einhellig.

Einige Anwohner von Public-Viewing-Plätzen fürchten um ihre Nachtruhe, wenn WM-Spiele bis zwei Uhr morgens laufen. "Wie soll das gehen? Wir haben zwei kleine Kinder und wohnen in der Nähe eines Biergartens, wo die WM auf Leinwand gezeigt wird. Wir müssen alle früh raus", schreibt eine besorgte Mutter bei Facebook.

Ärzte warnen davor, die Störung der Nachtruhe könne bei empfindlichen Menschen den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinander bringen. Folge: Chronische Müdigkeit und höhere Stressanfälligkeit.

Der Geräuschpegel öffentlicher Veranstaltungen in Wohngebieten darf nach 22 Uhr eigentlich 40 Dezibel nicht überschreiten. Beim Public Viewing wird es meist deutlich lauter. Zu laut, findet der Leipziger Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff. In Leipzig planen zahlreiche Gastronomen in der Innenstadt Leinwand-Übertragungen. "Man darf die Leute nicht zu etwas zwingen, das sie nicht wollen - schon gar nicht bis zum Morgengrauen", findet Wolff, der sich schon in der Vergangenheit gegen zu laute Beschallung bei Festen in der Leipziger Innenstadt engagierte.

Es komme auf den geeigneten Ort an. Viel besser als auf der Leipziger Kneipenmeile Gottschedstraße ließe sich beispielsweise auf dem Richard-Wagner-Platz oder auf dem Augustusplatz feiern, schlägt Wolff vor. Der Ball liege nun bei der Stadt. "Die Verwaltung muss für einen Interessenausgleich sorgen." Was heißt: Der Spaß beim gemeinsamen öffentlichen WM-Gucken dürfe nicht zu Lasten der gesetzlich geschützten Nachtruhe gehen.

Entspannter sehen dies die sächsischen Städte und Gemeinden. Es bestünden "keine grundsätzlichen Bedenken" gegen den gelockerten Lärmschutz, wie Mischa Woitscheck versichert. "Public Viewing ist bei einer Fußball-WM für viele Menschen ein besonderes Gemeinschaftserlebnis", so der Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Ausnahmen vom Lärmschutz halte er für gerechtfertigt.

Und selbst die evangelische Kirche will mitjubeln. Für 1200 öffentliche Veranstaltungen übernimmt die EKD die anfallenden Gema-Gebühren. Die Lizenzen sind alle vergriffen. "Da herrschte am Ende fast schon Torschlusspanik", sagte Matthias Oelke vom Landeskirchenamt in Dresden.

Sachsens Gemeinden konnten sich 100 Übertragungsorte sichern, weitere 78 sind es bei der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, davon 40 in Thüringen. "Es ist doch allemal besser, etwas gemeinsam zu erleben, als allein daheim vor der Glotze", sagt Oelke. Auch wenn es dabei mal lauter werde.

In Dresden ist die Verwaltung gerade bei der Feinabstimmung, wo bis nach Mitternacht laut gejubelt werden darf. "Da die Fußball-WM in Brasilien in einer anderen Zeitzone stattfindet und die Anfangszeiten der Spiele häufig später am Abend liegen, lassen sich Erfahrungen aus den vorangegangenen Ereignissen nicht ohne weiteres übertragen", nennt Umweltamtsleiter Arne Rehse eine Herausforderung.

Benjamin Winkler und Winfried Mahr

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