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Lokales WM der Modell-Rennfahrer 2016 in Leipzig – Schleußiger mit Titelhoffnung
Leipzig Lokales WM der Modell-Rennfahrer 2016 in Leipzig – Schleußiger mit Titelhoffnung
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14:18 23.12.2015
Der Leipziger Martin Hähn auf der WM-Rennstrecke im spanischen Valencia.  Quelle: privat
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Leipzig

 Heulende Motoren, Gummi auf dem Asphalt, im Fahrerlager wird noch eifrig geschraubt: In der Messestadt trifft sich im kommenden Jahr die Weltelite der Motorradrennfahrer. Deren Gefährte sind allerdings nur 40 Zentimeter große Modelle, die per Funk gesteuert werden. Und anstatt Valentino Rossi heißt einer der Favoriten hier Martin Hähn. Der Schleußiger wurde 2014 Deutscher Meister für Zweirad-Nachbauten mit Verbrennungsmotor, verpasste bei der letzten WM im spanischen Valencia den Sprung aufs Treppchen nur knapp. Hähn trainiert beim Modell Racing Club (MRC) in Leipzig-Thekla, auf dessen permanenter Rennstrecke sich vom 7. bis 13. August 2016 dann auch die Weltelite der Rennmotorrad-Funker messen wird.

„Wir erwarten bis zu 80 Teilnehmer, die kommen aus halb Europa. In den letzten Jahren waren aber auch schon Starter aus Japan und Neuseeland dabei“, erzählt Hähn. Viele der Modellrennsportaktiven werden mit eigenem Camper anreisen, auf dem Gelände des MRC gibt es dafür 26 Stellplätze neben den Strecken – ganz wie ein Fahrerlager beim echten Motorrad Grand Prix. „Eine der Strecken in Thekla ist asphaltiert, die andere für den Buggy Automodellsport“, erklärt Hähn weiter. Darauf werden in der WM-Woche im August Vorrundenausscheide und Finals in drei Klassen ausgetragen, zwei für Modelle mit Elektromaschinen und eine für Nachbauten mit Verbrennungsmotoren. Bei letzteren gehört Martin Hähn mit zu den besten der Welt.

DDR-Meistertitel mit Rallye-Trabant und Modellautos

Sein Können kommt auch nicht von ungefähr. Der inzwischen 70-Jährige blickt auf eine lange Rennsportkarriere zurück, sammelt seit den 1970er Jahren Titel. Zu Beginn war Hähn in echten Fahrzeugen erfolgreich, gewann 1976 den DDR-Rallye-Meistertitel für Spezialtourenwagen bis 600 ccm auf einem frisierten Trabant. Nach einigen tödlichen Unfällen auch im DDR-Rennsport, wechselte Hähn ins Modell-Metier. Zwischen 1979 und 1990 fuhr er dann überaus erfolgreich funkferngesteuerte Rennautos im Maßstab 1:8, wurde dabei fünf Mal DDR-Meister. Kurz vor der Wende verlieh ihm die ostdeutsche Regierung deshalb auch den Titel „Meister des Sports“.

Nach 1990 fand Hähn dann aber vorerst kaum noch Zeit und Laune für den Modellsport, es galt das Familienunternehmen Hähn Packsysteme in Paunsdorf durch den Umbruch in Ostdeutschland zu führen. 2009 kam er dann aber doch wieder in Kontakt mit schnellen Flitzern, saß als Besucher auf der Tribüne bei der ersten WM für Modellkrad-Fahrer in Leipzig. „Dort habe ich erstmals die Motorräder auf der Rennstrecke gesehen. Das hat mich gleich gereizt, das war noch einmal eine Herausforderung“, erzählt der 70-Jährige und ergänzt: „Mit Modellautos zu fahren ist einfacher, die haben vier Räder. Außer bei einem Ausflug ins Gebüsch kann kaum etwas passieren. Bei den Motorrädern muss man dagegen das Gleichgewicht halten, gleichzeitig schnell und hochkonzentriert fahren“.

Gleichgewicht halten und schnell fahren

Martin Hähn besorgte sich einen Krad-Nachbau im Maßstab 1:5, schloss sich dem MRC Leipzig an und trainiert in Thekla seither mit 65 Gleichgesinnten regelmäßig auf den Rennstrecken. „Bei den Meisten fängt der Modellsport ja als kleines Hobby an. Die Leute kaufen bei Conrad oder anderswo ein Modellfahrzeug und wollen damit fahren. Irgendwann kommen sie dann zum MRC, hier kann man einfach Spaß auf den Rennstrecken haben und gemeinsam an technischen Veränderungen tüfteln. Oder man will sich auch mit anderen messen – dann meldet man sich eben auch für Wettbewerbe an.“ Hähn nahm 2011 erstmals wieder mit einem modifizierten Boliden an Rennen teil, 2014 wurde er schon Deutscher Meister. Beim ersten WM-Versuch 2014 in Schweden schaffte es der Senior in die Finalrunde und wurde Zehnter. Dieses Jahr in Valencia sprang am Ende ein fünfter Platz heraus. Keine Frage: Bei der Heim-WM im kommenden Jahr in Leipzig-Thekla kann es nur ein Ziel für den Leipziger geben: auf das Siegertreppchen kommen!

Von Matthias Puppe

Mehr zum MRC Leipzig: www.rc-car-park-leipzig.de

 

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