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Wachstumsstadt Leipzig will modernes Wasserwerk in Naunhof bauen

Zukunftskonzept steht Wachstumsstadt Leipzig will modernes Wasserwerk in Naunhof bauen

Leipzig platzt aus allen Nähten, im Jahr 2030 könnten hier rund 720 000 Einwohner leben. Die LVZ zeigt in einer Serie, wie Deutschlands größte Boomtown ihre Weichen für die Zukunft stellt. Heute: die Leipziger Wasserwerke.

Nahe der Mulde – bei Canitz und Thallwitz – wurden schon vor Jahrzehnten mehr als 400 Brunnen angelegt, um Leipzig stabil mit Trinkwasser zu versorgen. Nun bauen die Wasserwerke 130 neue Brunnen, welche die alten Anlagen ersetzen sollen.

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig. Wer verstehen will, wie sich die Leipziger Wasserwerke auf die stark wachsende Metropole einstellen, fährt am besten nach Canitz. In dem kleinen Dorf an der Mulde – etwa 25 Kilometer östlich der Messestadt – hat die Zukunft längst begonnen. Dort sorgen Mitarbeiter wie Harald Freiberg vom Team Wasserwerke oder Olaf Schröpfer vom Team Technik dafür, dass der Ballungsraum auch in Zukunft nicht auf dem Trockenen sitzt. Beide sind 50 Jahre alt und richtig stolz darauf, dass sie jetzt Entwicklungen mitgestalten, die Leipzigs Trinkwassernetz in den nächsten 50 Jahren prägen.

In Canitz steht das größte der vier Wasserwerke, die dem kommunalen Unternehmen gehören. Es ist eine Industrie-Kathedrale, erbaut 1912 – inzwischen saniert und mit modernster Technik versehen. Drei riesige blaue Pumpen schicken von hier aus täglich bis zu 38 000 Kubikmeter Trinkwasser in den größten Leipziger Speicherbehälter nach Probstheida. „Der Druck von fünf Bar reicht für eine 50 Meter hohe Wassersäule – aber auch für einen reibungslosen Transport“, erklärt Freiberg. „Im Normalbetrieb läuft meist eine der drei Pumpen. Die anderen haben dann Pause, sie sind wichtig als Reserve und für erhöhten Bedarf.“

Einige hundert Meter vom Wasserwerk entfernt ist gerade eine Revolution im Gange. Dort bedienen Arbeiter in langen Schutzjacken und kurzen Hosen eine riesige Bohrmaschine, die immer wieder Steine und Sand aus dem Boden holt. „Die Befunde werden genau dokumentiert, um anschließend standortgerechte neue Brunnen zu bauen, die wir als Typ Canitz selbst mitentwickelt haben“, erzählt Schröpfer. Bis 2018 sollen hier und im nur zwei Kilometer entfernten Thallwitz fast 100 neue Brunnen schrittweise ans Netz gehen. „Sie sind viel leistungsfähiger und durch ein revolutionäres Hochdruckdüsensystem“ wartungsärmer, als ihre Jahrzehnte alten Vorgänger“, schwärmt Schröpfer. „Es spart erhebliche Kosten, wenn wir uns eines Tages nur noch um etwa 130 moderne statt über 400 alte Brunnen kümmern müssen.“

Versorgungssicherheit und Effizienz: Das sind auch die wichtigsten Themen im „Zukunftskonzept Trinkwasserversorgung 2030“, das gerade dem Aufsichtsrat vorgestellt wurde. Der Horizont reicht indes weit über diese Jahreszahl hinaus. Wie groß die Durchmesser der 157 Kilometer langen Fern- und Zubringerleitungen sein müssen, wo welche Speicherbehälter sinnvoll sind, wie die Grundwasser-Einzugsgebiete geschützt werden – solche Entscheidungen stehen pro Generation nur einmal an, sagt Technik-Geschäftsführer Ulrich Meyer. „Es geht uns dabei nicht nur darum, eine bestmögliche Versorgungssicherheit zu erreichen, sondern die notwendigen Sanierungen vor dem Hintergrund der Kosten- und Energieeffizienz optimal zu gestalten.“

Drei Viertel des in Leipzig genutzten Trinkwassers liefern die firmeneigenen Wasserwerke in den Schutzgebieten bei Canitz und Thallwitz und im Naunhofer Wald, erläutert er. Der Rest komme via Fernleitung aus einem Schutzgebiet nahe der Elbe bei Torgau. Der Leipziger Versorger habe sich dafür vor langer Zeit an der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH beteiligt. „Drei voneinander unabhängige Trinkwassereinzugsgebiete zu haben, ist ideal und hat sich auch bewährt, als beim letzten Hochwasser 2013 die Standorte an der Mulde nur eingeschränkt betrieben werden konnten.“

Der bisherige Rekordverbrauch in der Messestadt wurde am 3. Juli 2015 erreicht und habe bei 126 000 Kubikmetern gelegen. Im Mittel seien es 92 500 Kubikmeter pro Tag. „Wasserversorger müssen immer mit der Maximalprognose arbeiten, um nicht irgendwann ein blaues Wunder zu erleben“, erläutert Meyer. Gegenwärtig könnten alle vier Werke plus Fernwasser 130 000 Kubikmeter täglich liefern. Das aber nur für kurze Zeiträume und ohne größere Havarien im Netz. Die Versorgung werde daher durch fünf große Pumpspeicher gesichert, deren Gesamtkapazität weitere 130 000 Kubikmeter umfasst (also eine Tageslieferung). „Hochgerechnet auf 720 000 Einwohner könnte der Spitzenverbrauch an heißen Tagen auf 153 000 Kubikmeter klettern.“

Damit selbst dann nicht Ebbe in der Wanne herrscht, gebe das Zukunftskonzept einen Fahrplan für die nötigen Investitionen vor. So sollen die über 120 Jahre alten und sanierungsbedürftigen Wasserwerke in Naunhof durch einen leistungsfähigen Neubau ersetzt werden. Auch bei den Fernleitungen mit Durchmessern von einem Meter seien Optimierungen vorgesehen. „Um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, wäre es sinnvoll, den im Südwesten Leipzigs unterbrochenen Fernleitungsring zu schließen“, sagt Meyer.

Viel Pumpenenergie lasse sich zudem sparen, wenn beim Ausbau der Speicherbehälter der 1866 begründete Standort in Probstheida deutlich verkleinert wird. Grund: Probstheida liegt zwar höher als das Leipziger Stadtgebiet vor 150 Jahren (die heutige City). Auf viele später hinzugekommene Stadtteile trifft das aber nicht zu. Günstiger wäre es, die Kapazitäten auf dem Schwarzen Berg bei Taucha (165 Meter über dem Meeresspiegel) und auf dem Galgenberg bei Liebertwolkwitz (177 Meter) zu erweitern. Noch sei das Konzept aber taufrisch und mitten in der Diskussion, betont der Geschäftsführer. „Im Rahmen des Zukunftskonzepts müssten wir in den nächsten 20 Jahren jährlich etwa zehn Millionen Euro investieren. Das ist aber weniger als aufgewendet werden müsste, wenn wir das bestehende System einfach 1:1 erneuern würden.“

Auch im Bereich Abwasser bringt die wachsende Stadt Herausforderungen: Die Erweiterung des zentralen Klärwerks im Rosental soll 2018 beginnen. Schon vor der Fertigstellung wird jedoch „mehr Fracht“ durch steigende Einwohnerzahlen erwartet. Deshalb sollen 2016 und 2017 die Belüftungssysteme in den vorhandene Belebungsbecken eine Art Turbogang erhalten – sechs Millionen Euro kostete das. Trotz des hohen Investitionsbedarfs seien keine dramatischen Änderungen bei den Preisen für Bürger und Firmen zu erwarten, beruhigt Meyer. „Aktuell zahlen Wasserkunden für den Komplettservice im Schnitt 64 Cent pro Tag. Mit unserem Zukunftskonzept und weiteren Effizienzbemühungen werden wir die Preise auch in den nächsten Jahren weitestgehend stabil halten können.“

Ein bemerkenswerter Preisdämpfer ist dabei die Wassergut Canitz GmbH, welche rings die Brunnen auf 800 Hektar nach besonders strengen Richtlinien ökologische Landwirtschaft betreibt. Ihr neuer Geschäftsführer Bernhard Wagner will nun weitere Bauern und andere Akteure als Partner gewinnen, um den Nitrateintrag in die Böden noch mehr zu verringern. Ohne die Arbeit dieser 100-prozentigen Wasserwerke-Tochter, die auch eine Rinderherde hütet, wäre viel mehr Stickstoff im Grundwasser. „Das technische Herausfiltern der Nitrate durch zusätzliche Aufbereitungsstufen würde den Wasserpreis pro Kubikmeter um 15 bis 20 Cent erhöhen – das kann nicht das Ziel sein“, sagt Wagner. Er sieht die wachsende Stadt Leipzig auch als interessanten Absatzmarkt für die Bioland-Produkte.

Von Jens Rometsch

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