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Lokales Wächterhaus-Pläne für besetztes Gebäude in Leipzig-Plagwitz – Amtsleiter kritisiert Polizei
Leipzig Lokales Wächterhaus-Pläne für besetztes Gebäude in Leipzig-Plagwitz – Amtsleiter kritisiert Polizei
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14:43 23.04.2012

. Wie Fritjof Mothes, Vorstandsmitglied des Leipziger Vereins Haushalten, gegenüber LVZ-Online mitteilte, soll die jahrelang leer stehende Immobilie in der Naumburger Straße als Wächterhaus genutzt oder zu günstigen Konditionen an Vereine und Kreative verkauft werden. „Die Verhandlungen dazu mit dem Inhaber sind weit fortgeschritten“, sagte Mothes.

Der Verein Haushalten setzt sich seit 2004 dafür ein, mit nicht-kommerziellen Nutzungskonzepten den Verfall von Altbauten in Leipzig entgegenzuwirken. „Einerseits gibt es in der Stadt viel Leerstand, besonders bei Gebäuden, bei denen sich eine klassische Sanierung aufgrund der Lage für den Eigentümer nicht lohnt. Andererseits gibt es viele Kreative und Künstler, die auf der Suche nach kostengünstigen Räumlichkeiten sind“, erklärte Mothes.

Wächterhaus-Modell in Leipzig bereits mehrfach erfolgreich erprobt

Ein Konzept, das in Leipzig bereits 17-mal verwirklicht wurde, ist das Wächterhaus. Dabei  überlässt der Inhaber sein Gebäude für fünf bis sieben Jahre dem Verein – kostenlos. Haushalten sucht dann Nutzer, die für alle Nebenkosten aufkommen und das Gebäude wieder instand setzen. Sie wachen quasi über das Haus.

Nach Ablauf der vereinbarten Zeitspanne gibt es mehrere Optionen: Die Wächter kaufen das Haus, vereinbaren reguläre Mietverträge oder der Inhaber entscheidet sich doch für eine klassische Sanierung. In letzterem Falle unterstützt Haushalten die Nutzer bei der Suche nach Alternativen.

Da auch der Stadt daran gelegen ist, dass denkmalgeschützte Gebäude nicht verkommen, unterstützt Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung, solche Nutzungsmodelle. „Wir haben damit in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Amtsleiter.

Juliane Nagel, Stadträtin der Linken in Leipzig, fordert: Leipzig müsse verstärkt auf sozial verträgliche Mieten im gesamten Stadtgebiet achten. Steigende Wohnkosten und wachsende Armut in Leipzig führten dazu, dass sozial Benachteiligte und Alternative aus bestimmten Vierteln verdrängt würden.

Es sei bereits Ziel der Stadtverwaltung, differenzierte Standards und damit auch preisgünstige Angebote für alle Bevölkerungsgruppen zu bewahren, sagt dazu Karsten Gerkens vom Amt für Stadterneuerung. Besonders im Leipziger Westen gebe es ein Nebeneinander von hochwertig sanierten und leer stehenden Häusern. „Wer behauptet, ganz Plagwitz sei nicht mehr bezahlbar, hat genauso unrecht wie der, der meint, es gebe hier keine steigenden Mieten.“

Hausbesetzer wussten offenbar nichts von den Plänen für das Gebäude in Plagwitz

Wichtig ist, dass überhaupt etwas an den Häusern passiert, bevor diese verloren gehen. Auch das Gebäude in der Naumburger Straße 40 ist nach Angaben von Mothes in einem sehr schlechten Zustand. „Hier sind dringend Investitionen nötig“, so der Vereinsvorstand.

In der guten Zusammenarbeit zwischen Verein, Stadt und Eigentümern sieht Mothes einen Grund dafür, dass es in der Vergangenheit kaum Hausbesetzungen in Leipzig gab. Nun wählte die autonome Gruppe ausgerechnet dieses Gebäude für Aktion aus. Das sei wohl ein Zufall gewesen, sagt Mothes. „Die Aktivisten haben von unseren Plänen offenbar nichts gewusst.“ Umstimmen ließen sie sich allerdings auch durch seine Argumente nicht. Der Vereinsvorstand verhandelte am Sonnabend mit den Besetzern erfolglos über ein Ende der Aktion.

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Während Juliane Nagel die temporäre Hausbesetzung als legitimes Mittel bezeichnet, um auf Missstände hinzuweisen, entgegnet Polizeisprecher Uwe Voigt: „Der Zweck ist das eine, aber die Mittel müssen sich im rechtlichen Rahmen bewegen.“ Gegen die fünf Personen, die sich bei der Räumung des Gebäudes im Haus befanden, wird nun wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Dieser kann mit Geldstrafe und bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet werden.

Die Hausbesetzung lehnt auch Fritjof Mothes als Mittel ab. Trotz der Aktion vom Samstag wolle der Eigentümer an der alternativen Nutzung des Gebäudes festhalten, sagt er. Grundsätzlich sei es sogar möglich, dass die Aktivisten vom Sonnabend in die künftigen Pläne eingebunden werden. Voraussetzungen seien ein gutes Konzept, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, in das Gebäude zu investieren.

Dass die Besetzer noch immer auf legalem Wege eine Chance auf die Nutzung des Hauses haben, sagt Karsten Gerkens. Er kritisiert das Vorgehen der Polizei. „Die Aktion war völlig übertrieben, mit Kanonen auf Spatzen.“ Dadurch werde unnötig Brisanz in ein Thema gebracht, welches eigentlich in Leipzig kooperativ ablaufe.

Robert Berlin

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