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Lokales „Während seiner Zeit kamen mehr als 2000 Löwen zur Welt“
Leipzig Lokales „Während seiner Zeit kamen mehr als 2000 Löwen zur Welt“
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06:00 09.06.2018
Die Tierpfleger-Mannschaft im Leipziger Zoo in den 1930er-Jahren. Ganz links im Bild Alwin Lohse mit einem Löwenbaby auf dem Arm. Quelle: privat
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Leipzig

Im Herbst wird er 90. Wer so lang lebt, hat viel erlebt. Der Leipziger Heinz Lohse kann davon berichten. Natürlich zuallererst über sich selbst: Humboldt-Schüler und schon bald an dieser Schule Lehrer für Mathematik und Physik. Später Professor an der Technischen Universität Dresden und ein Pionier der Kybernetik, als die „Kunst des Steuerns“ hierzulande noch als Pseudowissenschaft galt. Im schon fortgeschrittenen Alter engagierte sich Lohse für die Aktion „Senioren ans Netz“ und hat bis heute nicht aufgehört zu lernen.

Im Jahr der Zoo-Gründung geboren

Vor allem ist er ein Familienmensch. Wenn bald gefeiert wird, dann ist die „Sippe“, die zum Gratulieren erscheint, beträchtlich groß: Kinder, Enkel, Urenkel. Vor allem für sie hat der Oldie ein umfangreiches Archiv angelegt. Und wenn an diesem Wochenende der Leipziger Zoo sein 140-jähriges Gründungsjubiläum begeht, ist das für Heinz Lohse allemal Anlass, in der ureigenen Geschichte zu kramen.

Vater Alwin nämlich, von einem Dreiseit-Gut in Schönfeld bei Rochlitz und Mittweida stammend, wurde schließlich nicht nur 1878, also im Jahr der Zoo-Gründung geboren, sondern war über Jahrzehnte der 1. Raubtierpfleger und zuständig für Löwe, Tiger, Gepard, Panther, Puma usw. in Leipzigs Tiergarten.

Tiere wurden sogar nach Afrika verkauft

„Er ging früh zur Arbeit und kehrte meist erst am Abend zurück. Sonn- und Feiertage gab es kaum, da war ja immer Hochbetrieb im Zoo. Er verdiente wenig, in den 1930er-Jahren so um die 42 Reichsmark pro Woche“, beschreibt Lohse jr. die Lebenslage des Vaters in einer viele hundert Seiten umfassenden Familien- und Zeitchronik.

„Sein Dienst im Raubtierhaus war schwer und von vielfältiger Art: Tiere füttern und tränken, sie auf die Freianlage lassen und zurückholen, Käfige säubern, Tiere zum Versand vorbereiten und Buch führen über die Löwengeburten. Während seiner Zeit im Zoo kamen mehr als 2000 Löwen zur Welt“, weiß Lohse. Einige der Tieren verkaufte man sogar nach Afrika. Das wurde in der Presse groß gefeiert wie auch die Geburt des 1000. Leipziger Löwen im Oktober 1936. Mit Stolz bewahrt Heinz Lohse das Foto auf, das seinen Vater mit der Dreiergeburt des 999., 1000. und 1001. Löwen auf dem Arm zeigt.

Trotz vieler Gefahren kaum krank

„Mein Vater war ein fleißiger, sparsamer und herzensguter Mensch“, erinnert sich Sohn Heinz. Als 1. Raubtierpfleger, der trotz vieler Gefahren kaum krank war und für den „Blaumachen“ nicht in Frage kam, arbeitete Alwin Lohse unter mehreren Zoo-Direktoren: Ernst Pinkert, Gründer des Zoos und dessen Leiter bis 1909, Johannes Gebbing (1910 bis 1935), Karl Max Schneider (1935 bis 1955). Letzterer hätte es übrigens gern gesehen, wenn Heinz Zoologie oder Veterinärmedizin studiert hätte.

Alwin Lohse quittierte 1951 seinen Dienst im Leipziger Zoo. Da war er 73 Jahre alt und mit Unterbrechungen durch Militärdienste und Ersten Weltkrieg rund 50 Jahre für seine Tiere da.

Von Thomas Mayer

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