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Lokales Wagenplatz im Leipziger Dunckerviertel verärgert Anwohner
Leipzig Lokales Wagenplatz im Leipziger Dunckerviertel verärgert Anwohner
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00:38 18.09.2015
Neue Bewohner: Am Rande des Dunckerviertels in Lindenau entsteht ein Wagenplatz. Nicht alle Anrainer sind begeistert. Quelle: André Kempner
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Leipzig.

 Ein mit Planen verhängter Gitterbauzaun, ein schwarzes Brett und ein großes weißes, zwischen Bäumen aufgespanntes Bettlaken mit der Aufschrift „Hier entsteht ein neuer Wagenplatz“ signalisieren seit einigen Tagen den Passanten in der Saalfelder Straße: Das Dunckerviertel in Lindenau bekommt neue Mieter. Die Stadt schloss mit dem Verein „Jetze Wagenplätze“ einen Pachtvertrag.

Doch die Neuankömmlinge, die auf dem parkähnlichen städtischen Gelände am Rande des sanierten Quartiers mit den für die 50er-Jahre typischen Mietshäusern ihre Unterkünfte aufstellen, sind nicht bei jedem willkommen. Horst Beigang (75) fühlt sich geradezu überrumpelt: „Die passen hier nicht hin.“ Der pensionierte Betriebswirt, der vor sechs Jahren mit seiner Frau ins Dunckerviertel zog, hat noch den Wagenplatz in der Karl-Heine-Straße vor Augen, den das Wohnprojekt jetzt aufgeben muss. Die 30 bis 40 Wohnwagen dort waren nicht mal an die öffentliche Müllentsorgung angeschlossen, geht aus der Antwort des Ordnungsdezernates auf eine Stadtratsanfrage hervor.

Zustände, die nicht nur Beigang in seinem Wohnumfeld nicht haben möchte. Viele im Viertel würden so denken. „Wir haben nichts gegen alternative Lebensformen“, sagt er. „Aber es ist nicht hinnehmbar, dass den Interessen von Minderheiten zulasten der von Mehrheiten nachgegeben wird. Hier müssten wenigstens dieselben Standards wie für die Einrichtung eines Campingplatzes gelten“, findet der Rentner und fragt: „Hat das Grundstück überhaupt einen Wasser- und Abwasseranschluss?“

Eine Frage, die die LVZ am Dienstag auch ans Rathaus richtete, auf die es aber keine Antwort gab.

„Die LWB hat vor zwei Jahren erst die Miete erhöht, unter anderem mit dem Hinweis auf die hohe Lebensqualität“, berichtet Beigang. „Die Leute haben das geschluckt.“ Nun sieht er das Unternehmen in der Pflicht, sich für seine Mieter einzusetzen. LWB-Sprecherin Samira Sachse verweist jedoch darauf, dass das Wagenplatz-Gelände der Stadt gehört. „Die LWB kann zwar die Bedenken ihres Mieters teilweise nachvollziehen, nicht aber die prinzipielle Ablehnung des alternativen Wohnens auf dem neu entstehenden Wagenplatz“, sagt sie. „Zudem besteht beispielsweise zwischen den LWB-Häusern in der Dunckersiedlung und dem künftigen Wagenplatz kein Sichtkontakt.“ Dessen ungeachtet werde die LWB auch in Zukunft für die Interessen ihrer Mieter aktiv, „sollte es zu Problemen in deren Wohnumfeld kommen“.

Die Wagenplatz-Leute jedenfalls hoffen auf gute Nachbarschaft. Für kommenden Monat laden sie die Anwohner zu einem Tag der offenen Tür ein.

Von Klaus Staeubert

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