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Lokales Wann bekommt Leipzig die Propstei endlich auch zu hören?
Leipzig Lokales Wann bekommt Leipzig die Propstei endlich auch zu hören?
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08:36 18.07.2016
Immer noch verwaist: der 50 Meter hohe Glockenturm der neuen Propsteikirche. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

Am 9. Mai 2015 wurde sie feierlich eingeweiht: die neue katholische Propsteikirche in der Nonnenmühlgasse. Seither ist sie ein Besuchermagnet. Während des 100. Deutschen Katholikentages in Leipzig vor wenigen Wochen waren es täglich hunderte Teilnehmer, die Propst Gregor Giele und den Seinen die sakrale Bude einrannten. Über den modernen Bau und seine Väter, die Leipziger Architekten Ansgar und Benedikt Schulz, hatten sie alle gelesen. Jetzt wollten sie das preisgekrönte Werk mit seiner Fassade aus Rochlitzer Porphyr auch sehen. Zu hören bekamen sie die Kirche allerdings nicht.

Seit mehr als einem Jahr steht der 50 Meter hohe Turm von St. Trinitatis ohne Geläut da. Doch die atonale Zeit nähert sich dem Ende. „Der Glockenstuhl wird gerade hergestellt und demnächst geliefert“, sagt Propst Giele. „Wenn alles perfekt läuft, feiern wir Ende 2016 das nächste Fest: die Glockenweihe.“ Sollte es bei der anstehenden Fertigung dreier neuer Klangkörper jedoch zu Schwierigkeiten kommen – weil Fehlgüsse bei Glocken nicht selten sind –, würden die Leipziger die neue Propsteikirche erst im Frühjahr 2017 zum ersten Mal hören, erläutert der 50-Jährige.

Wie berichtet, waren die katholischen Christen aus dem Zentrum kurz vor der Weihe ihrer neuen Heimstatt schon einmal über ein Hindernis gestolpert. Ihr ursprüngliches Konzept eines Sechser-Geläuts machten seinerzeit statische Berechnungen zunichte. Ausgerechnet die kleinste und älteste Glocke, ein Relikt aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Trinitatiskirche in der Rudolphstraße, hätte ob ihrer hohen Schwingfrequenz den Turm ins Wanken bringen können.

Experten und Gemeindegremien mussten nachjustieren: Nicht sechs, sondern nur fünf Glocken kommen künftig in Schwung. Das Stück erste Propsteikirche, die historische Problem-Glocke, wird hingegen nicht aufgehängt, sondern nur aufgestellt und angeschlagen – „wie eine Art Stundenglocke“, sagt Giele. Allerdings werde der Glockenstuhl durchaus für sechs Glocken ausgelegt. „Womit wir dann auch im Turm das Potenzial für eine Weiterentwicklung des Bauwerkes hätten.“

Die schwingenden Bestandteile des Geläuts in spe bilden zwei der vier Bronzeglocken aus der alten Kirche in der Emil-Fuchs-Straße. Die beiden übrigen, seit Längerem verschlissen, werden eingeschmolzen und neu gegossen. Eine fünfte Glocke entsteht gänzlich neu.

Auch die Zukunft des einstigen Sakralgebäudes am Rande des Waldstraßenviertels scheint inzwischen geklärt zu sein. Zunächst hatten die Propstei-Katholiken gehofft, die baufällige Immobilie noch im Umzugsjahr veräußern zu können. Denn auch ein ungenutztes Haus verursacht laufende Kosten.

Überhaupt hätte die erhoffte siebenstellige Summe der angegriffenen Gemeindekasse gut getan. Denn die neue Kirche gegenüber dem Neuen Rathaus verschlang inklusive Umfeldgestaltung knapp 30 Millionen Euro – und damit vier bis fünf Millionen Euro mehr als ursprünglich erwartet worden war. Doch dann wurde die 1982 eingeweihte zweite Propstei im Juni 2015 unter Denkmalschutz gestellt. Auch dieser Umstand machte zuvor erdachte (Zeit-)Pläne zunichte. „Der Kaufvertrag ist praktisch ausverhandelt. Es steht aber noch der Gang zum Notar an“, erläutert Propst Giele.

Um welchen Käufer es sich handelt, woher er stammt und was er auf dem Grundstück plant, dazu macht der Geistliche keine Angaben. Zum Kaufpreis sagt er nur so viel: „Natürlich haben wir unsere Erwartungen wegen der Denkmalschutz-Auflagen herunterschrauben müssen. Doch diese nach unten korrigierten Erwartungen werden jetzt leicht übertroffen.“ Die Gemeinde hatte vier Immobilienunternehmen angeschrieben und um Angebote gebeten. Vier Interessenten meldeten sich so. Am Ende konkurrierten fünf Offerten miteinander.

Mit dem Bauwerk wird auch die gesamte liturgische Kunst veräußert. Mit dem Schöpfer von Ambo, Altar, Altarwand, Kreuz und Türen, dem Berliner Metallkünstler Achim Kühn, gebe es derzeit keinen Austausch, sagte Giele. Im Vorfeld des Auszugs aus der Kirche am Rosental war es zum Konflikt gekommen. Während Giele & Co. einen Bruchteil des Gesamtkunstwerkes mit in die Nonnenmühlgasse nehmen wollten, bestand Kühn auf dem Erhalt des Ensembles.

„Das war das gute Recht des Künstlers“, stellt der Propst klar, „aber für unsere neue Kirche war sein komplettes Werk einfach zu umfangreich.“ Folge: Abgesehen von zwei Glocken, sofern sie denn bald hängen, gibt’s keine weiteren Erinnerungsstücke an die Emil-Fuchs-Zeit in der neuen Propsteikirche.
Die neue Propsteikirche ist täglich von 9 und 18 Uhr geöffnet.

Dominic Welters

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