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Wann funkt’s im Gasometer Leipzig-Nord?

Leipziger Stadtwerke-Chefs im Interview Wann funkt’s im Gasometer Leipzig-Nord?

Leipzigs Stadtwerke wollen ihr Netz vergrößern, Windmühlen kaufen und die Kunden rundum betreuen. Das und mehr berichten die Geschäftsführer Karsten Rogall und Johannes Kleinsorg im LVZ-Sommerinterview.

Technikchef Karsten Rogall (links) und Hauptgeschäftsführer Johannes Kleinsorg leiten die Leipziger Stadtwerke mit derzeit 1591 Mitarbeitern.

Quelle: Fotos: André Kempner, Armin Kühne / Montage: Patrick Moye

Leipzig. Leipzigs Stadtwerke wollen ihr Netz vergrößern, Windmühlen kaufen und die Kunden rundum betreuen. Das und mehr berichten die Geschäftsführer Karsten Rogall und Johannes Kleinsorg im LVZ-Sommerinterview.

Vor anderthalb Jahren haben die Stadtwerke angekündigt, dass Im Gasometer Nord an der Eutritzscher Straße neues Leben einzieht. Auch die frühere Kabelhalle und ein Speisesaal auf dem Kraftwerksgelände sollten durch eine Veranstaltungsagentur genutzt werden. Warum hat man seitdem nichts mehr davon gehört?

Karsten Rogall: Im ersten Anlauf hat das leider nicht geklappt. Die Idee, die historischen Gebäude für Veranstaltungen zu nutzen, ist für uns in wirtschaftlicher und emotionaler Hinsicht aber weiter interessant. Auch wenn die Nähe zu Anlagen unseres Kraftwerkes die Sache erschwert, bleiben wir zuversichtlich, die Objekte in naher Zukunft umnutzen zu können.

Heißt das dieses oder nächstes Jahr?

Johannes Kleinsorg: Die endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Dieser Bereich des Geländes war zuletzt auch als Schulstandort im Gespräch. Wir müssen da noch um etwas mehr Geduld bitten.

Der Gasometer wurde 1904 errichtet. Wie sieht sein Zustand derzeit aus?

Karsten Rogall: Bereits 2013 hatten sich die Stadtwerke entschieden, den Verfall zu stoppen. In Etappen wurde das historische Baudenkmal saniert und dafür in Summe eine Million Euro ausgegeben. Sein Zustand ist heute vergleichbar mit dem des kleinen, offenen Gasometers in der Richard-Lehmann-Straße, den wir seit 2009 an die Asisi GmbH vermietet haben. Sie organisiert dort gelegentlich Kulturveranstaltungen. Der große Gasometer nebenan ist seit 2005 zu Ausstellungszwecken an die Asisi GmbH vermietet und durch die Arbeit des Künstlers überregional als Panometer bekannt. Das macht uns sehr glücklich.

Die Stadtwerke begehen in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Wirtschaftlich soll es aber nicht so gut laufen wie 2016. Stimmt das?

Johannes Kleinsorg: 2016 wirkte ein Sondereffekt ergebnissteigernd, weil die Stadtwerke verschiedene strittige Geschäftsvorfälle aus früheren Jahren zu ihren Gunsten abschließen konnten. Das hat zu periodenfremden Erträgen geführt, die sich so nicht wiederholen werden.

Laut der Bilanz haben Sie im vergangenen Jahr über 20 Millionen Euro zusätzlich durch das Beilegen der Streitigkeiten eingenommen. Bedeutet das, in diesem Jahr gibt es statt 64 nur noch 44 Millionen Euro Gewinn?

Johannes Kleinsorg: Im Sommer lässt sich diese Frage beim besten Willen noch nicht beantworten. Kurzfristig ist für unser Ergebnis nach wie vor insbesondere die Witterung prägend. Sie dürfen aber fest davon ausgehen, dass wir alles daran setzen, die von der Leipziger Gruppe erwarteten Ausschüttungen zu erbringen. Eine Prognose ist auch deshalb schwierig, weil das Ergebnis vom Ausgang der aktuellen Rechtsstreite um die Strom- und Gas-Konzessionen für die eingemeindeten Gebiete der Stadt Leipzig beeinflusst wird.

Sah es da nicht zuletzt recht erfreulich aus? Das Landgericht Magdeburg hatte erst im Frühsommer zugunsten ihres Unternehmens im Streit um die Gasnetze entschieden.

Karsten Rogall: Obwohl wir die Ausschreibungen der Konzessionen für Strom im Jahr 2016 und für Gas bereits 2015 gewinnen konnten, kam die Übernahme der Netzanlagen von den Altkonzessionären bisher nicht zustande. Diese weigerten sich, die Netze herauszugeben. Solche Auseinandersetzungen im Rahmen von Konzessionsverfahren, Diskussionen um den Verkauf und den Verkaufspreis, sind inzwischen durchaus bundesweit üblich. Und werden oft durch mehrere Instanzen geführt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu noch laufenden Gerichtsverfahren keine Stellung nehmen können. Aus unserer Sicht besteht kein Zweifel, dass Leipzigs Stadtwerke die Übernahme der Netze meistern werden.

Letzten Herbst haben sich die Stadtwerke eine neue Organisationsstruktur gegeben. Wie profitieren Ihre Kunden davon?

Johannes Kleinsorg Die Energiewende stellt auch unsere Kunden, insbesondere in der Wohnungswirtschaft, vor komplexe Herausforderungen. Wir haben uns an ihren Bedürfnissen orientiert und unsere Organisation darauf ausgerichtet. Wir bieten ihnen jetzt einen 360-Grad-Ansatz, der Energieberatung, Energiemanagement und nachhaltige Energielieferung umfasst. Wir wollen ganzheitliche Lösungen aufzeigen, die effizient Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden erhöhen. Großes Potenzial ergibt sich ebenso in den neuen Stadtvierteln, die unter anderem am Bayerischen Bahnhof geplant sind.

Ist das Potenzial nicht noch viel größer, wenn eines Tages alle Tankstellen in der Stadt dicht machen und nur noch Elektroautos fahren?

Karsten Rogall: Gemessen an der Einwohnerzahl hat Leipzig schon heute eines der dichtesten Elektro-Ladesäulen-Netze Deutschlands. Den 52 öffentlichen und halböffentlichen Ladestationen stehen aber erst 192 Nutzer mit Elektroautos gegenüber – ein Großteil davon gehört zur Stadt oder den kommunalen Unternehmen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Bäume da allzu schnell in den Himmel wachsen.

Bei der Erzeugung erneuerbarer Energien zahlten Ihre Vorgänger jede Menge Lehrgeld. Investieren Sie weiter auf diesem Feld?

Karsten Rogall: Durch wieder gesunkene Holzpreise und die Stabilisierung des Anlagenbetriebs arbeiten die beiden Biomassekraftwerke inzwischen etwas wirtschaftlicher, bringen aber keinen Gewinn. Investments in Windanlagen lassen hingegen über einen langen Zeitraum stabile Renditen erwarten. Wir haben erst Ende 2016 rund drei Millionen Euro in eine 70-prozentige Beteiligung an einem Windpark bei Gotha investiert. Richtig ist, dass unsere erste Investition in Windenergie – eine 33-Prozent-Beteiligung am Windpark Esperstedt-Obhausen – bei schwachem Windaufkommen in den Anfangsjahren und auch im Vorjahr nicht vollständig die Erwartungen erfüllte. Wir haben dort gemeinsam mit unseren Partnern technische und wirtschaftliche Optimierungen vorgenommen und sind optimistisch, dass sich dies positiv auswirken wird. Die gesammelten Erfahrungen wurden natürlich bei allen weiteren Engagements in erneuerbare Energien berücksichtigt. Auch in den nächsten Jahren wollen wir weiter in rentable Erzeugeranlagen investieren. Aktuell laufen zu einem Windprojekt Vertragsverhandlungen.

Freuen Sie sich auf die Bundestagswahl?

Johannes Kleinsorg: Höchstwahrscheinlich werden nach dem 24. September entscheidende energiepolitische Weichen neu gestellt. Wenn die Klimaschutzziele erreicht werden sollen – breit akzeptiert und mitgetragen von Wirtschaft und Verbrauchern – muss die Energiewende technologieoffen, dezentral und wettbewerblich vorangetrieben werden. Sie hat schon bisher mehr Kosten erzeugt als erwartet. Den Zuständigkeitsbereich der Übertragungsnetzbetreiber und damit marktferne Steuerungsmechanismen weiter auszubauen, wäre falsch und würde die optimale Vor-Ort-Verantwortung der Stadtwerke schwächen. Starke kommunale Unternehmen können Strom, Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse umfassend energiewirtschaftlich verknüpfen und damit mehr erreichen, als mit der bisher im Fokus stehenden reinen Elektrifizierung von Wärme und Verkehr.

 

Von Jens Rometsch

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