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Warum Hausboote in der Wasserstadt Leipzig wenig Chancen haben

Alternatives Wohnen Warum Hausboote in der Wasserstadt Leipzig wenig Chancen haben

Auf dem Wasser wohnen, Hausboot-Idylle wie in Amsterdam – warum nicht auch in Leipzig? Die Stadt sieht dafür derzeit kaum Chancen. Doch im Lindenauer Hafen könnten Ausnahmen gemacht werden.

Wasserfest in Leipzig – Hausboot-Idylle in Amsterdam.
 

Quelle: André Kempner / Jörg ter Vehn

Leipzig.  Könnte Leipzig künftig ein Klein-Amsterdam werden? Mit schwimmenden Häusern auf den Seen und Wohnboot-Idylle auf dem Karl-Heine-Kanal oder der Weißen Elster & Co.? Die Freibeuter-Fraktion hat das von der Stadtverwaltung prüfen lassen und verweist im Stadtratsantrag auf die Praxis in Berlin, Bitterfeld und Brandenburg. Das Umweltdezernat sieht allerdings große Hindernisse für den Traum vom Wohnen auf dem Wasser.

Rund 720.000 Menschen könnten bis 2030 in Leipzig leben, rund 4500 Wohnungen müssen laut Baudezernat jedes Jahr gebaut werden, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Die Freibeuter sehen ihren Antrag vor dem Hintergrund des drohenden Wohnungsproblems, „aber auch als eine Möglichkeit, alternative Wohnformen in unserer Stadt zu verwirklichen“, so Ute Elisabeth Gabelmann, Piratin in der Freibeuter-Fraktion.

Hindernisse bei Hochwasser

Tatsächlich scheint das auf den ersten Blick ein genialer Coup: 176 Kilometer Fließgewässer winden sich mit Flüssen und Kanälen, Bächen und Gräben durch die Stadt. Bootsverleihe ziehen Touristen an, Kaffeefahrten und Paddler sind an schönen Tagen unterwegs, und die Kanuten haben ihr Trainingsrevier. Leipzig lebt gern am Wasser.

Doch auf der Weißen Elster, dem Elsterflutbett und Elsterbecken, Pleiße und Pleißeflutbett, der Neuen Luppe, der Nahle und der Parthe bestehe grundsätzlich Hochwassergefahr, so das Umweltdezernat. Wenn die Flut kommt, könnten Hausboote durch Treibgut nicht nur Schaden nehmen, sondern bildeten Hindernisse für den Durchfluss der Wassermassen. Also: Genehmigung nicht möglich. Ohnehin dürfe der Bootsverkehr durch Hausboote nicht eingeschränkt werden, andere Fließgewässer in Leipzig seien aber zu schmal.

Lindenauer Hafen statt Cossi und Kulki

Im Lindenauer Hafen könnten in Einzelfällen künftig Hausboot-Liegeplätze möglich sein

Im Lindenauer Hafen könnten in Einzelfällen künftig Hausboot-Liegeplätze möglich sein.

Quelle: Dirk Knofe

Der Blick auf Leipzigs Seen macht die Lage nicht einfacher. Der 150 Hektar große Kulkwitzer See scheide als geschütztes Biotop genauso aus wie der Leipziger Teil des Zwenkauer Sees, der vorrangig unter Natur- und Landschaftsschutz stehe. Für den insgesamt 436 Hektar großen Cospudener See, der zum Teil auf Leipziger Gebiet liegt, wird Dauerlogie dagegen nicht grundsätzlich ausgeschlossen – aber auch nicht befürwortet. Die künftigen Bewohner bräuchten Zufahrten, Trink- und Abwasseranschlüsse. Und das wäre, so das Umweltdezernat, „mit erheblichen Eingriffen verbunden.“

Bleibt noch der Lindenauer Hafen. Auf rund 40.000 Quadratmetern entsteht im Westen der Stadt ein neues Quartier mit Mehrfamilienhäusern, Gewerbeflächen und Stadthäusern für Eigennutzer. Während sich am westlichen Ufer geschützte Biotope erstrecken, wäre nach der Grundwassersanierung „die Genehmigung von einzelnen Liegeplätzen für Hausboote an der Kaimauer denkbar“, so die Verwaltung.

„Es geht ja nicht um hundert Hausboote auf einmal“, so Gabelmann. „Zehn würden auch erstmal genügen. Wir haben ja auch nur wenige Wagenplätze, aber Leipzig bekennt sich immerhin zu vielfältigen Wohnformen“, sagt sie.

Hausboote in Berlin – Häuser auf der Goitzsche

Schwimmende Häuser auf der Goitzsche

Schwimmende Häuser auf der Goitzsche.

Quelle: FHG floating house GmbH / floatinghouse.de

Mit hundert Hausbooten kann nicht einmal Berlin aufwarten, dort schätzt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt als eine von mehreren Genehmigungsbehörden die Zahl der innerstädtischen Liegeplätze auf 50 bis 60. Das Interesse ist da: Regelmäßig gebe es Anfragen, so Sachbereichsleiter Stefan Sühl gegenüber LVZ.de. Doch die Erlaubnis ist nicht einfach zu bekommen, denn neben den schifffahrtsrechtlichen Genehmigungen der Bundesbehörde gebe es auch landesrechtliche Belange zu berücksichtigen.

Wer das ganze Jahr über naturnah auf dem Wasser wohnen möchte, braucht erstmal viel Geduld, weiß Marie Gest, Sprecherin der floating house GmbH in Berlin. Das Unternehmen hat sich auf die Umsetzung von komfortablen Wasser-Wohnprojekten in ganz Deutschland spezialisiert. Bebauungspläne müssen berücksichtigt werden, öffentliche Belange spielen genauso eine Rolle wie das Umweltrecht. „Bis zu 40 verschiedene Anlaufstellen müssen zum Teil bewältigt werden“, erklärt Gest. Da gingen leicht zwei Jahre bis zur Baugenehmigung ins Land.

Nur mit Adresse an Land

Auch für Leipziger Gewässer erreichen sie Anfragen, dann verweist sie auf Sachsen-Anhalt. Am Geiseltalsee sollen sieben schwimmende Domizile entstehen, an der Goitzsche in Bitterfeld hat das Unternehmen bereits 19 Boote und Häuser auf dem Wasser errichtet. Meist werden sie als Ferienhäuser vermietet, weiß Gest, zum Teil wollen die Käufer auch selbst die exklusive Wasserlage genießen.

Eine Hürde bleibt allerdings in Deutschland: Man kann 365 Tage auf dem Wasser leben, braucht dennoch eine weitere Adresse an Land. „Die Anmeldung als Erstwohnsitz ist derzeit nicht möglich“, sagt Gest. „Da ist man in den Niederlanden schon weiter“, sagt sie. Von Leipzig nach Amsterdam ist es eben doch weit.

Von Evelyn ter Vehn

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