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Lokales Warum es an der B2 bei Starkregen häufig zu Überflutungen kommt
Leipzig Lokales Warum es an der B2 bei Starkregen häufig zu Überflutungen kommt
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00:19 24.07.2017
Alter und neuer Kanal unterqueren die Bundesstraße 2.  Quelle: Quelle: Leipziger Gruppe
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Leipzig

Heftiger Starkregen sorgte vor gut zwei Wochen für Chaos: An der Einmündung der Richard-Lehmann-Straße auf die B 2 – eine der wichtigsten Einfallstraßen aus dem Südraum – stand das Wasser fast einen halben Meter hoch. Im Bereich rund um die Wundtstraße unterhalten die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) gerade eine riesige Baustelle. Doch nicht die Baustelle ist schuld, mit ihr wollen die Wasserwerke gerade die Abwasser- und Regenwasserentsorgung der südlichen Stadtteile neu regulieren. Die Projektleiter erklären, was bei dem fast sieben Millionen teuren Projekt genau passiert.

Bekanntes Problem

Die Ausgangslage: Einer von vier Hauptsammlern, die zur Kläranlage Rosenthal führen, liegt an der Fockestraße. Von dort geht ein Entlastungskanal ab, der eine Art Überlauf bildet – von ihm fließt ein Teil des mit Regenwasser verdünnten Abwassers unter der Wundstraße hindurch in Richtung Pleiße ab, um das übrige Kanalnetz vor Überflutungen zu schützen. Der 3,70 Meter breite und 2 Meter hohe Kanal, Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, ist stark verschlissen – bis hin zur August-Bebel-Straße. Bekannt ist dies seit 2012 – gebaut werden konnte aber erst nach Fertigstellung der Karl-Liebknecht-Straße, da während des Ausbaus der Verkehr umgeleitet werden musste.

Seit 2016 kann der Abschnitt zwischen Auffahrt Wundtstraße und Pleißemühlgraben saniert werden. „Der Kanal stand unter ständiger Beobachtung“, so Projektleiterin Andrea Bauer. „Als Havarievariante musste bis Juli 2015 ein kleineres Rohr mit einem Durchmesser von 1,60 Metern eingezogen werden.“ Sonst wäre der Kanal eingestürzt. Diese Einschnürung erfolgte auf einer Strecke von 160 Metern, der Zufluss ist seitdem stark eingeschränkt. Und bei Starkregen, wie am 10. Juli, komme es zu einem verstärkten Rückstau. Derartige Situationen häufen sich, wie beobachtet wurde. Auch die Fockestraße stehe häufiger unter Wasser als ohnehin schon. Sobald die neue Trasse fertig ist, wird der alte Kanal verdichtet.

Mehr als 40.000 Fahrzeuge täglich

Wie berichtet, wurde für die neue Trasse unter der viel befahrenen Bundesstraße mit täglich mehr als 40.000 Fahrzeugen eine Tunnelbohrmaschine eingesetzt. Dem Entlastungskanal schließt sich ein unterirdischer Stauraumkanal an, in dem Wasser zwischengespeichert werden kann. Daran wird gerade gearbeitet. Das Bauwerk sichert das Kanalnetz künftig vor Rückstau bei Hochwasser aus der Pleiße. „Jetzt landet das Mischwasser erst bei Starkregen in der Pleiße, ansonsten verbleibt es im Kanal und gelangt ins Klärwerk.“ Der Stauraumkanal werde somit „ein unterirdischer Parkplatz“. Erst wenn der fertig ist, geht das alte System vom Netz – voraussichtlich Anfang 2018.

Damit sind die bisherigen Verhältnisse wiederhergestellt. „Bei Starkregen haben wir freilich auch in Zukunft einen Engpass“, ergänzt KWL-Bereichsleiter Mathias Mucha. Keine Großstadt könne es sich leisten, überdimensionierte Kanalsysteme zu bauen und sich auf alle extreme Großwetterlagen einzustellen. „Extreme Regen, zum Glück meist nur von kurzer Dauer, nehmen zu. Das können wir belegen“. Bereits saniert sind die Pleißemühlgrabendüker. Dabei wurden in die je zwei Meter starken Dükerröhren ein mit Kunstharz getränkter Schlauch eingezogen. „Der Pleißemühlgraben ist kein geeigneter Vorfluter, unsere Einleitstelle ist die Pleiße“, erklärt Mucha.

Von Mathias Orbeck

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