Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Was Zuwanderung, „To go“-Mentalität und Digitalisierung für Knigge bedeuten
Leipzig Lokales Was Zuwanderung, „To go“-Mentalität und Digitalisierung für Knigge bedeuten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:59 16.03.2018
Porträt von Knigge Coach Frauke Weigand im Cafe Satz in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Die Gesellschaft wandelt sich, und mit ihr verändern sich die Umgangsformen. Die Deutsche Knigge-Gesellschaft hat auf ihrer Jahrestagung am Anfang März in Dresden über aktuelle Entwicklungen diskutiert. Die LVZ sprach darüber mit Frauke Weigand (51), Vorstandsmitglied der Knigge-Gesellschaft und Trainerin für Business-Etikette in Leipzig.

Großer Drang zur Selbstverwirklichung, ein starkes Ich-Bewusstsein, Bequemlichkeit statt jedweder Zwänge – so sehen die „Manieren“ im 21. Jahrhundert aus. Ist
Knigge
überhaupt noch ein Thema?

Der Zeitgeist wandelt sich, das liegt in unserer Gesellschaft. Gute Manieren werden in den Elternhäusern oft nur noch unvollständig gelebt und vermittelt. Kindern fehlt daher oft der Zugang dazu. Doch spätestens mit dem Eintritt ins Berufsleben wächst der Bedarf an diesen Kenntnissen, so dass die Nachfrage nach Seminaren und Coachings dann groß ist. Unternehmen erwarten das und schulen auch ihre Belegschaft diesbezüglich.

Im Zuge der Digitalisierung leidet die Sozialkompetenz. In sozialen Netzwerken und Foren verarmt die Sprache, wird gepöbelt und beleidigt. Sind das Etikette-freie Zonen geworden?

Jeder sollte wissen: Die sozialen Netzwerke sind die moderne Form der Tratschweiber. Wir empfehlen, auch in der digitalen Welt auf Rechtschreibung, Grammatik und Ausdrucksweise zu achten. Eine andere Person runterzumachen, das gehört sich auch in den sozialen Netzwerken nicht. Wenn einen etwas an einer anderen Person stört, dann sollte man das direkt besprechen und nicht über Dritte, die das gar nichts angeht. Ich würde überhaupt nur das verbreiten, was mich selbst betrifft.

Die Zuwanderer aus dem arabischen Raum bringen Verhaltensweisen mit, die wir nicht kennen: Ein Mann darf einer Frau nicht in die Augen schauen, ihr nicht die Hand geben, nicht mit ihr in einem Raum allein sein, zum Beispiel im Fahrstuhl. Müssen wir diese Regeln in Deutschland jetzt auch beachten?

Da gibt es zwei Lager. Die einen sagen: Ich versuche, den Zuwanderern unsere Kultur nahezubringen, denn sie wollen ja hier leben. Die anderen sagen: Ich versuche, ein Stück weit die fremde Kultur zu berücksichtigen und zu verstehen. Meine Sichtweise ist: Eine Mischung aus beidem ist gut. Toleranz heißt, Respekt vor den Überzeugungen anderer Menschen zu haben, ohne deswegen auf die eigenen Überzeugungen zu verzichten. Ein Lehrer sollte schon wissen, dass er Schamgefühle hervorruft, wenn er einer arabischen Schülerin in die Augen schaut. Aber wenn jeder sein Verhalten erklärt, wird es einfacher, aufeinander zuzugehen. Reibungspunkte lassen sie sich entschärfen, indem man miteinander redet. Lässt man sich auf den anderen ein und fragt, warum er so und nicht anders handelt, kann man ihn besser verstehen. Der Zusammenhalt wird umso stärker, je mehr man Gemeinsamkeiten betont.

Die „To go“-Mentalität greift immer mehr um sich. Ist das ein guter Stil des Essens und Trinkens?

Es spricht nichts dagegen, sich unterwegs Verpflegung zu kaufen. Aber man sollte das nicht gleich im Laufen verzehren, sondern einen Platz ansteuern, wo man sich hinsetzt und isst oder trinkt. Kein Mensch muss stets und ständig essen und trinken, auch die Wasserflasche muss nicht immer griffbereit sein. Man sollte sich nicht einfach so nebenbei ernähren, sondern das Essen bewusst genießen. Schon aus gesundheitlichen Gründen, aber auch, weil die Ästhetik wichtig ist.

Tattoos sind eine weit verbreitete Form der Körperkunst geworden. Darf man jedem seine Tattoos unter die Nase halten?

Man sollte sich immer genau überlegen, was man damit bewirken will. Wenn man privat unterwegs ist, sind Tattoos okay. Es gibt sogar Kleider, die den Einblick darauf freigeben. In jedem Fall sind Tattoos und die Geschichten, die hinter den Bildern stecken, Privatsache. Wer businessmäßig unterwegs ist, sollte sich fragen, ob er das Private öffentlich machen will. Es kann passieren, dass er dadurch abgewertet wird. Viele Firmen gestatten es überhaupt nicht, dass allzu viel Privates gezeigt wird.

Von Kerstin Decker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fabian Heinrich (15) ist der Beste von 300 Schülern: Der Grünauer Oberschüler hat den Kreisausscheid beim Quiz „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ gewonnen und vertritt die Leipziger Region nun im Bundesfinale.

13.03.2018

Die Grippewelle grassiert weiter im Freistaat und bringt Leipzigs Kliniken an ihre Grenzen. Die Krankenhäuser sind ausgelastet, die Extremsituation wird zum Alltagsgeschäft.

13.03.2018

Klangvoller kann Farbe nicht sein: Parisblau mit „Schneerand“, so sieht das Dekor der Leipziger Weihnachtsmarkt-Tasse 2018 aus. Auch das Motiv für die Kindertasse steht fest.

13.03.2018