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Lokales Was das Design über die DDR verrät
Leipzig Lokales Was das Design über die DDR verrät
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12:46 07.03.2018
Ausstellung " alles nach plan ? Formgestaltung in der DDR " im Zeitgeschichtlichen Forum ZGF in Leipzig. Dr. Jürgen Reiche und Dr. Dorothea Kraus enthüllen den Gold Bob von den Olympischen Spielen von Lake Placid 1980 von Bobpilot Meinhard Nehmer in der Ausstellung. Foto: Andre Kempner  Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

 Bunte Eierbecher in Hühnerform, Rührgerät RG 28, Mitropa-Geschirr, die Schreibmaschine „Erika“ – viele haben eigene Erinnerungen an das Design in der DDR. Jener Alltags- und Produktkultur widmet das Zeitgeschichtliche Forum in der Grimmaischen Straße eine eigene Sonderschau. Die wurde unter dem Titel „Alles nach Plan? Formgestaltung in der DDR“ Mittwoch Abend eröffnet.

Gut 300 Produkte, Entwürfe, Dokumente, Fotos und Zeitzeugeninterviews laden zur kritischen Auseinandersetzung mit dem gegenständlichen Erbe der DDR ein. „Es ist an der Zeit, 28 Jahre nach der Friedlichen Revolution mit dem Klischee aufzuräumen, dass die Formgestaltung in der DDR grau und unansehnlich, eben sozialistischer Einheitsbrei war. Jetzt kann sich jeder vom Gegenteil überzeugen“, sagt Jürgen Reiche, Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums.

Politische Einflussnahme und Mangelwirtschaft

Dabei wurde allerdings nichts dem Zufall überlassen. So hatte sich die SED-Führung gleich in den 1950er-Jahren heftig eingemischt. Parteichef Walter Ulbricht kanzelte den Bauhausstil 1951 als „volksfeindliche Erscheinung“ ab, der sei „praktisch eine Verhöhnung der Interessen des werktätigen Volkes“. Gefordert wurde von den Gestaltern, sich an Volkskunst, realistischen Motiven sowie klassischen Stilen früherer Jahrhunderte zu versuchen.

„Die Arbeit der Gestalter bewegt sich immer zwischen gestalterischem Anspruch, politischer Einflussnahme und natürlich wirtschaftlichen Einschränkungen“, so Reiche. Ihre Entwürfe seien oft abweichend produziert worden, weil die Farbe nicht verfügbar, das Material zu teuer war oder es keine Maschinen dafür gab. Als „lenkendes Scharnier“ zwischen Staat und Betrieben entstand 1972 sogar das „Amt für industrielle Formgestaltung“ (AiF). Auf deren Sammlung, die sich die Stiftung Haus der Geschichte 2005 sicherte, kann die Ausstellung zurückgreifen.

Zunächst kein exklusives Design erwünscht

Warum hieß es Formgestaltung? „Der Begriff wurde sehr bewusst verwendet. Es ging darum, kein exklusives Design zu schaffen. Man wollte eben nicht trendy und kurzlebig sein“, erklärt Projektleiterin Dorothea Kraus. „Die Gestalter setzten auf Langlebigkeit und Funktionalität“. Deutlich wird dies beispielsweise an einem Campinggeschirr aus Hartplaste, bei dem alle sowieso unzerbrechlichen Teile platzsparend in der Kanne verpackt werden konnten. „Chemie gibt Brot, Wohlstand, Schönheit“ lautete das Motto der Bitterfelder Chemiekonferenz 1958. Und mit Plaste und Elaste wurde der Alltag bunter. Wie Gestalter zwischen Kreativität und Mangel gearbeitet haben, wird im Atelier sichtbar. Der Film „Form und Farbe“ (1961) zeigt die Arbeitsschritte

Je mehr der Export von Konsumgütern für die DDR an Bedeutung gewann, um das wirtschaftliche Überleben zu sichern, umso vielfältiger wurde das Design. So galt die Leipziger Messe bekanntlich als „Schaufenster zur Welt“. Dort konnten die Einheimischen viele DDR-Produkte sehen, die für den Export produziert wurden und die im Alltag größtenteils kaum zu bekommen waren. „Eine typische DDR-Formsprache gab es aber nicht“, konstatiert Projektleiterin Kraus.

Viererbob und Moped Simson sind Highlight

Optisches Highlight der Sonderschau ist wohl ein Viererbob, mit dem die DDR 1980 Gold bei den Olympischen Spielen in Lake Placid holte. Er wurde in der Geheimhaltungsstufe wie in der Rüstungsindustrie entwickelt. Beinah alltäglich ist hingegen die Simson, ein formgestaltetes Moped. „Davon gab es in den 1980er-Jahren über drei Millionen in 15 Modellen“, so Kraus. Motor und Abgassystem der Simson wurden in einem multifunktionalen Gartengerätesystem eingesetzt, das zu den Raritäten gehörte und sogar gegen einen Trabant getauscht wurde.

Geöffnet ist bis 14. Oktober, Dienstag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Zur Schau ist ein Katalog erschienen (9,80 Euro).

Von Mathias Orbeck

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