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Lokales Was ist mit Gert Pasemann los?
Leipzig Lokales Was ist mit Gert Pasemann los?
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11:05 11.12.2018
Gert Pasemann hat schwere Zeiten hinter sich und schaut jetzt wieder nach vorn – auch in ungeahnte Richtungen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Gert Pasemann hat in Leipzig ein großes Rad gedreht:  Er hat das Passage-Fest, das Wasserfest und das Völkerschlachtspektakel „1813“ organisiert. Von 1995 bis 1999 saß er für die CDU im Leipziger Stadtrat und von 1995 bis 2011 war er in verschiedenen Führungspositionen des einflussreichen Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft Sachsen (BVMW), den er im Sommer 1991 mitgegründet hatte. Jetzt ist von finanziellen Nöten bei Pasemann die Rede. Und dass er im nächsten Jahr noch einmal in Leipzigs Stadtrat einziehen will – für die AfD. „Ich fühle mich wie auf einer Achterbahnfahrt“, kommentiert er selber diese Kapriolen. „Ich weiß bloß nicht, ob ich auf dem Weg nach oben oder nach unten bin.“

Völkerschlacht-Jubiläum war Wendepunkt

Genau genommen hat sich Pasemanns Schicksal gewendet, als er einen seiner größten beruflichen Erfolge erlebte. Zum Spektakel, das er im Oktober 2013 zum 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht organisierte, strömten statt der erwarteten 30000 Besucher rund 100 000. „Wir waren mit unserer PR-Arbeit einfach zu gut“, meint er heute.

Nur ein halbes Jahr später war alles anders: Eine Krebserkrankung zwang ihn monatelang ins Krankenhaus und nach acht Operationen unter Vollnarkose war der Selbstständige ein Jahr lang arbeitsunfähig. Damals ging die Firma seiner Frau insolvent. „Wir hatten nur Ausgaben und keine Einnahmen“, schildert er die angespannte Lage. Noch heute tobt ein Streit mit dem Verband „Jahrfeier Völkerschlacht bei Leipzig 1813“, bei dem es ursprünglich um eine offene Pachtzahlung von 5831 Euro ging. Der Verein, dessen Mitglied Pasemann seit 1987 ist, strengte deshalb eine Pfändung bei ihm an.

Streit mit Freunden beigelegt

„Die Pfändung wurde aufgehoben, weil ich weit über 60 Prozent der Summe gezahlt habe“, sagt er. 3000 Euro habe er damals überwiesen. „Ich bin auch nicht insolvent“, betont er und führt für die noch offene Summe ein „zerrüttetes Verhältnis“ mit dem Völkerschlacht-Verband an. Dieser habe ihm angeboten, die 5831 Euro mit historischen Ausrüstungsgegenständen zu verrechnen, die er gekauft hat, um die Sächsische Leibgarde des Traditionsvereins angemessen auszustatten. Die Rede ist unter anderem von mehreren Bärenfellmützen, Uniformröcken, Infanteriesäbel und Steinschlossgewehren. „Das alles hat nachweislich 20 000 Euro gekostet – es ist unredlich, es für 5000 Euro übernehmen zu wollen“, so der Veranstaltungsmanager. Deshalb zahle er die noch offene Restsumme in Raten ab.

Der Verein 1813 bestätigt Pasemanns Version. „Das Geld ist eingegangen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Michél Kothe. Auch eine Ratenzahlung sei vereinbart worden. „Wir gehen davon aus, dass dieses Geld kommt. Das Thema ist damit für uns erledigt.“

Protest gegen etablierte Parteien

Nachdem Pasemann seine Krebserkrankung überwunden hatte, wandte er sich der Alternative für Deutschland (AfD) zu. Seit Anfang 2017 ist er eingeschriebenes AfD-Mitglied und seit Kurzem auch AfD-Spitzenkandidat im Leipziger Wahlkreis 1. „Viele Menschen haben es gründlich satt, im reichsten Land Europas als arme Leute zu leben“, begründet er diesen ungewöhnlichen Schritt.

Aus der CDU ist Pasemann schon im Jahr 2000 ausgetreten. Aus Protest gegen das „Leipziger Modell“, das auf Absprachen der großen Ratsfraktionen basierte. „Der CDU-Fraktion wurde damals gesagt, wie sie abzustimmen hat“, meint er. „Sie hat sich zu Stimmvieh degradieren lassen.“ Er habe später dem CDU-Wirtschaftsbürgermeister gesagt: „Uwe, ihr seid nicht die Lehnsherren der Leipziger, sondern die Dienstleister dieser Stadt – der Bürger und vor allem der Mittelständler.“ Angekommen sei diese Botschaft nicht. „Die haben bis heute nicht begriffen, um was es geht.“

„Ein paar müssen an die Front gehen“

Dass ihm der Schulterschluss mit der AfD viele Feinde beschert, musste er inzwischen entdecken. Aber das ficht den 67-Jährigen nicht an. „1989 wäre ich auch schon beinahe in den Knast gegangen, weil ich bei der Friedlichen Revolution an der Front stand“, sagt er. Damals habe er auf dem Augustusplatz die Lautsprechertechnik für die Redner der politischen Opposition kostenfrei organisiert. Seitdem stehe für ihn fest: „Ein paar müssen an die Front gehen. Wenn alle nur in Deckung bleiben, geschieht nichts.“

Die umstrittenen Äußerungen von Björn Höcke oder Alexander Gauland will er nicht kommentieren. Ein Internet-User berichtet aber, dass Pasemann auf Facebook eine Aussage von Björn Höcke geliked habe – also gelobt hat. „Es werden viele Äußerungen von AfD-Politikern aus dem Zusammenhang gerissen und bewusst fehlinterpretiert“, kommentiert der Veranstaltungsmanager dies. „Deshalb äußere ich mich zu solchen Aussagen nicht.“

Von Andreas Tappert

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