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Lokales Was ist, wenn mein Kind Drogen nimmt?
Leipzig Lokales Was ist, wenn mein Kind Drogen nimmt?
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06:00 11.06.2018
Polizist Tarek Simon (in Uniform) und Sozialpädagogin Stefanie Lacroix (rechts) informieren beim Elternabend über bewusstseinserweiternde Substanzen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Wie erkenne ich, ob mein Kind Drogen nimmt? Wie verhalte ich mich bei einem solchen Verdacht? Die Referenten haben Antworten auf diese Fragen. Trotz drückender Schwüle ist der Klassenraum prall gefüllt. Das Thema weckt das Interesse der Zuhörer, die heute ausnahmsweise keine Schüler sind.

An der Oberschule in Mölkau informierten Polizist Tarek Simon und Sozialpädagogin Stefanie Lacroix kürzlich Eltern zum Thema Drogenkonsum- und missbrauch. Tarek Simon ist Mitarbeiter im Fachbereich Prävention der Polizeidirektion Leipzig. Stefanie Lacroix arbeitet für die Jugenddrogenberatung Drahtseil unter dem Dach der Diakonie. Einzelne Substanzen, rechtliche Grundlagen und die Konsum-Motivation von jungen Menschen waren Inhalte des Informationsabends.

Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und Eltern

Das Projekt läuft unter dem Arbeitsansatz „Prävention im Team“ und funktioniert durch die Zusammenarbeit verschiedener Institutionen. Schule, Polizei und Suchtberatung – gemeinsam leisten die einzelnen Bereiche Aufklärungsarbeit bei Jugendlichen und deren Familien. Neben dem Angebot für Mütter und Väter bietet die Polizei auch den jugendlichen Schülern Aufklärungsarbeit an. „Wir sprechen mit den Jugendlichen über die verschiedenen Substanzen und wollen sie mit dem Thema konfrontieren“, erläutert Simon. Einstiegsgründe und rechtliche Konsequenzen spielen ebenfalls eine Rolle. Zudem erarbeiten die Gruppen Handlungsalternativen.

Während der Beamte zu rechtlichen Fragen referiert, spricht Stefanie Lacroix von ihren Erfahrungen in der Jugendsuchtberatung. Ob Alkohol, Marihuana oder Crystal: Für sie ist es wichtig, Eltern zu vermitteln, welche Reaktion bei Drogenkonsum ratsam ist. „Eltern verfallen schnell in Panik, wenn sie feststellen, dass ihr Kind Drogen nimmt. Klar, das Thema ist kritisch, einen Freifahrtschein dürfen Eltern nicht verteilen. Aber nicht jeder ist sofort abhängig“, erläutert die Sozialpädagogin.

Paradeweg gibt es nicht

Es sei wichtig, Regeln zu bestimmen und Grenzen aufzuzeigen – selbst wenn Kinder diese brechen. „Es ist typisch für junge Menschen, sich von den Eltern abzugrenzen und sich gegen deren Regeln aufzulehnen. Es ist wichtig, eigene Erfahrungen zu machen.“ Klare Regeln, die Eltern im Zweifelsfall vertreten, gäben Orientierung. Die Drogenberaterin empfiehlt, den Konflikt nicht zu scheuen. „Breitschlagen lassen sollte sich kein Elternteil. Aber Vorwürfe sind fehl am Platz.“ Dass es den einen Paradeweg nicht gibt, betont Stefanie Lacroix mehrmals. Das Thema Drogen bleibe schwierig und individuell.

Sowohl Polizist Simon als auch Drogenberaterin Lacroix stellen fest, dass innerhalb der Bevölkerung zu wenig umfassendes Wissen besteht. „Halbwissen ist gefährlich, ein kritischer Umgang mit Drogen wichtig. Drogenkonsum bringt auch positive Aspekte mit sich. Stichwort Entspannung oder Kommunikationsbereitschaft. Deshalb sprechen wir über Konsum-Motivation und mögliche Alternativen zu diesem Handeln“, sagt Stefanie Lacroix.

„Jeden kann es treffen“

Hendrik Menz (46) ist einer der Eltern, die bei 30 Grad Hitze in der Mölkauer Oberschule sitzen und gespannt zuhören. Sein Kind ist 15 Jahre alt. Der Vater ist froh, dass es in puncto Drogen bislang keine Probleme innerhalb der Familie gab: „Falls es passiert, fühle ich mich jetzt gut vorbereitet. Einige rechtliche Zusammenhänge waren zum Teil neu für mich. Alle Eltern sollten sich mit der Thematik befassen, da es jeden treffen kann“, sagt der Engelsdorfer.

Schulsozialarbeiter Christoph Noth befürwortet die Unterstützung von Polizei und Diakonischem Werk, Träger des Drogenpräventionsprojekts. „Die beiden Referenten sind Experten auf diesem Gebiet. Sie geben den Eltern hilfreiche Tipps und leisten ganzheitliche Aufklärungsarbeit.“ Die Oberschule Mölkau ist in Bezug auf Präventions- und Beratungsangebote in seinen Augen weit vorn. Im Vorjahr beteiligte sich die Schule bereits am Projekt „Free your mind“. Ziel ist es, eine frühzeitige, kontinuierliche und langfristige Suchtprävention durchzuführen und die Gesundheit von Jugendlichen zu fördern. Das Projekt fördert Lebenskompetenzen der Jugendlichen, um einem Substanzmissbrauch vorzubeugen.

Von Maria Sandig

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