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Was passiert bei Notfällen in Leipzig?

Brandschutz an Orten mit vielen Menschen Was passiert bei Notfällen in Leipzig?

Ein Alarm oder gar Brandfall in (halb-)öffentlichen Räumen wie der Red-Bull-Arena oder dem City-Tunnel, dem City-Hochhaus oder dem Flughafen Leipzig/Halle stellt für die Feuerwehr eine besonders schwierige Situation dar.

 
 

Quelle: dpa

Leipzig.  „Achtung! Wir bitten um Ihre Aufmerksamkeit!Aufgrund einer schweren technischen Störung bitten wir Sie, das Stadion umgehend über die gekennzeichneten Wege zu verlassen. Bitte bewahren Sie Ruhe und folgen Sie den Anweisungen des Personals.“ Diese Durchsage versetzte am 6. November 2016 die Besucher des Fußballspiels zwischen den Bundesligisten RB Leipzig und dem FSV Mainz 05 in der Red-Bull-Arena in Erregung. Die Menschen begannen – ganz gemächlich – ihre Plätze zu räumen. Bis wenige Minuten später die Entwarnung kam. Der knapp zehn Minuten vor dem geplanten Spielbeginn ausgelöste Alarm hatte sich als Fehler herausgestellt. Die gute Nachricht: Alle Abläufe sowie die Durchsagen in zwei Sprachen funktionierten.

Härtefall öffentlicher Raum: Was der Vorfall aber verdeutlicht: Ein Brandfall in (halb-)öffentlichen Räumen wie eben der Red-Bull-Arena oder auch dem City-Tunnel, dem City-Hochhaus oder dem Flughafen Leipzig/Halle stellt für die Feuerwehr eine schwierige Situation dar, die es im besten Falle bereits im Vorfeld zu verhindern gilt. Denn alle diese Orte unterscheiden sich von normalen Wohnhäusern. Im Brandschützersprech lauten diese: „große Personenzahl, ortsunkundige Personen und es muss mit mobilitätseingeschränkten Personen gerechnet werden, die besondere Hilfe bedürfen“. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich in allen Fällen um große Bauwerke handelt, die aufgrund ihrer Höhe, Ausdehnung oder unterirdischen Lage von außen nicht überall von der Feuerwehr erreicht werden können. Und auch im Gebäude sind lange „Angriffswege“ zurückzulegen.

Daher bereiten sich die Einsatzkräfte ganz spezifisch auf die jeweiligen Gegebenheiten vor und proben teils in größeren Übungsszenarien den Ernstfall – wie zum Beispiel im September 2013 vor der Eröffnung des City-Tunnels. Die LVZ hat gemeinsam mit der Feuerwehr Leipzig sowie der Flughafenfeuerwehr Leipzig/Halle die Gegebenheiten vor Ort unter die Lupe genommen.

Die Red-Bull-Arena: Bei Veranstaltungen im Stadion ist die Sicherheitszentrale oberhalb der südlichen Ränge vom wachhabenden Feuerwehrvertreter besetzt. Von hier aus kann der gesamte Innenraum im Auge behalten werden und im Notfall sofort gehandelt werden. Zumeist sichert auch ein Löschfahrzeug die Veranstaltung vor Ort ab, bei einem Alarm startet jedoch sofort ein Löschzug von der Feuerwehrleitstelle aus. Die Größe des Objektes macht die Orientierung für die Einsatzkräfte schwierig. Daher stehen – wie bei allen solchen Bauten – Feuerwehrpläne bereit. Zudem sind die Laufwege von der Zentrale zu allen Meldern der Brandmeldeanlage auf sogenannten Laufkarten verzeichnet, um jederzeit den am besten geeigneten Weg zu finden.

Während die Abläufe für die Feuerwehrleute eine Wissenschaft für sich sind, soll es für den Normalbürger im Brandfall quasi „idiotensicher“ sein. Das klingt logisch, gestaltet sich im Einzelfall aber nicht immer einfach. In Stadien beispielweise sollen die Fans bei Panik immer zur Mitte hin flüchten können. Dies ist in der Red-Bull-Arena aufgrund der hohen Mauern zum Spielfeld hin nicht möglich, der Schlüssel zur Evakuierung liegt auf Ebene 5 zwischen Ober- und Unterrang.

Jeder Besucher, der das Stadion betritt, kommt über diese Ebene hinein. Im Ernstfall führen von sämtlichen Unterrängen die Fluchtwege über die Treppe auf Ebene 5. Von dort geht es über die 18 Brücken in Sicherheit. Auf den Oberrängen müssen die Besucher zuerst zu den sogenannten Mundlöchern gehen, von dort führen Treppen hinab auf Ebene 5. Durch die Einteilung in strikt voneinander getrennte vier Sektoren können die Verantwortlichen die Menschen im Notfall besser lenken.

Für den Notfall im Stadioninnenraum, also beispielweise bei Konzerten, gibt es einen ganz besonderen Evakuierungsplan: Die Menschen flüchten durch den Tunnel des Hauptausgangs im Osten, dazu kommt der extra dafür geschaffene Südost-Tunnel und der Südausgang.

Der City-Tunnel: Auch wenn das Transportmittel Bahn zu einem der sichersten Verkehrsmittel generell zählt, bleibt immer ein Restrisiko bestehen. Ein Brand im City-Tunnel wäre der schlimmste Fall, der eintreffen kann – etwa wenn der Triebkopf eines Zuges brennt. Deshalb gehört zum Sicherheitskonzept, dass die Triebwagenführer angehalten sind, mittels Notbremsüberbrückung aus dem Tunnel herauszufahren und an einem der drei Rettungsplätze zu halten. Außerdem gibt es im gesamten City-Tunnel – bis auf den Inhalt der Mülleimer – nichts Brennbares.

Wer sich im Brandfall in den Haltestellenbereichen aufhält, sollte zwei Dinge unbedingt beachten. Erstens führt der Weg in die Sicherheit entgegen des eigenen Instinkts nicht über die Treppen, auf denen man in die Station hinein gelangt ist. Diese sind als Hauptzugangswege für die Feuerwehr gedacht und werden im Ernstfall mit verschiedenen Signalen gesperrt. Rettungsweg-Symbole leiten die Flüchtenden zu eigens dafür angelegten Selbstrettungswegen, also Nottreppenhäusern an den Enden der Bahnsteige. Zweitens gibt es für gehbehinderte Menschen oder Rollstuhlfahrer, die keine Treppen nutzen können, ebenfalls ausgeschilderte Brandschutzräume. Diese sind abgekapselt durch spezielle Brandschutztüren und verfügen über eine eigene Licht- und Frischluftversorgung, wer hier Schutz sucht, kann über die dortige Sprechverbindung Kontakt mit der zuständigen Zentrale aufnehmen und bis zur Rettung dort ausharren.

Das City-Hochhaus: Das City-Hochhaus stellt allein aufgrund der Gebäudehöhe von 142 Metern ein besonders anspruchsvolles Objekt dar – aus Sicht der Brandschützer. Deshalb wird im Ernstfall einer der zwei entsandten Löschzüge im Gebäude eingesetzt. Die Feuerwehrleute richten unterhalb des Geschosses, in dem der Brand gemeldet ist, ein sogenanntes Depotgeschoss ein, von hier aus erfolgen die Rettungs- und Löschmaßnahmen. Der zweite Löschzug unterstützt außerhalb des Gebäudes: Es wird Löschwasser in die im Gebäude verlegten Leitungen eingespeist, das in der Brandetage beziehungsweise im Depotgeschoss entnommen werden kann. Zum Transport können im Hochhaus Feuerwehraufzüge genutzt werden, die mit besonderen Sicherungseinrichtungen versehen sind und auch im Brandfall funktionieren.

Normale Drehleitern haben eine Arbeitshöhe von 23 Metern, in Leipzig sind zwei Teleskopgelenkmastfahrzeuge im Einsatz, die eine Arbeitshöhe von 45 Metern haben. Diese können jedoch aufgrund der Größe und des Gewichtes nicht als Standardeinsatzfahrzeuge angesehen werden. Wenn es erforderlich und möglich ist, werden diese Fahrzeuge natürlich auch eingesetzt. Helikopter stehen nicht zur Verfügung, da ein zielgerichteter Einsatz aus der Luft sehr schwierig wäre. Bei der klassischen Brandbekämpfung wird sowieso der „Innenangriff“ bevorzugt.

Der Flughafen: Dass Flugzeuge und Feuer nicht nur wegen des hochentzündlichen Kerosins eine heikle Mischung sind, das weiß schon jedes Kind. Die Flughafenfeuerwehr hat daher sehr spezifische Vorgaben beim Einsatz: Mit den ersten Einsatzkräften muss sie in maximal drei Minuten an jedem Punkt der Flugbetriebsflächen 50 Prozent der Löschmittel ausbringen und nach einer weiteren Minute die restlichen 50. Dazu sind immer zwei Flugfeldlöschfahrzeuge auf drei Feuerwachen verteilt. Nach den internationalen Vorgaben müssen drei Fahrzeuge zusammen 32 300 Liter Schaum-Wasser-Gemisch mitbringen und eine Auswurfrate von 11 200 Litern pro Minute besitzen. Weiterhin sind 450 Kilogramm Löschpulver mit einer Auswurfrate von 4,5 Kilogramm pro Sekunde sicherzustellen. Damit werden für die Insassen überlebensfähige Bedingungen geschaffen und gehalten. Im Grundsatz soll das Luftfahrzeug bis zum Eintreffen der Feuerwehr bereits geräumt sein. Für die Räumung selber jedoch ist immer die Crew zuständig.

So kompliziert Brandschutz und -bekämpfung für die Feuerwehr sind, so einfach lassen sich die wichtigsten Stichpunkte für Besucher, Fahrgast oder Passanten zusammenfassen. Wie bereits in der anfangs erwähnten Durchsage beschrieben, heißt das: Aufmerksam bleiben, nach den ausgewiesenen Rettungswegen Ausschau halten und diese nutzen, den Anweisungen des Personals folgen, eventuell Menschen, die Hilfe benötigen, zur Seite stehen und – bloß keine Panik.

Von Thomas Bothe

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