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Leipzig Lokales Was wird aus Leipzigs früherer Stasi-Zentrale?
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00:17 29.08.2017
Die frühere Stasi-Zentrale im Matthäikirchhof gehört der Stadt Leipzig. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Platte muss weg! Das fordert jetzt eine ehrenamtliche Initiative Leipziger Architekten für den Matthäikirchhof. „Das Ansinnen, den ehemaligen Stasi-Neubau zum politischen Denkmal hochzustilisieren, kann man nur mit Befremden und Ablehnung zur Kenntnis nehmen“, meint Ronald R. Wanderer, der zu den Sprechern der Initiative gehört. Wie berichtet, konnte sie schon einige Verbesserungen bei den Bauplanungen für den Wilhelm-Leuschner-Platz durchsetzen.

Der Matthäikirchhof sei die historische Keimzelle der Stadt Leipzig und mit 1,6 Hektar die letzte große Potenzialfläche innerhalb des City-Ringes, so Wanderer. Die Leipziger seien in den 1980er-Jahren nicht gefragt worden – als man diesen Ort für den massiven Ausbau zur Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sowie der Polizei „missbraucht“ habe. Heute dürfe nicht wieder über die Köpfe der Einwohner hinweg zur Zukunft des Areals entschieden werden.

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Auslöser der Kritik ist eine gemeinsame Vorlage des Kultur- und des Baudezernates. Über sie soll der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung (am 20. September) beschließen. Zu den Vorschlägen in der Vorlage gehört, dass der Stadtrat „für das Areal Matthäikirchhof die Option zur Entwicklung zu einem Forum für Freiheit und Bürgerrechte (Arbeitstitel) bestätigt“. Grundlage dafür solle ein Ergebnispapier vom März 2017 sein, das verschiedene Vereine und Institutionen – die sich um das Erbe der Friedlichen Revolution von 1989 kümmern – im Auftrag des Oberbürgermeisters erstellt hatten. In dem Papier wurde auch auf viele original erhaltene Zeugnisse in den Plattenbauten verwiesen – etwa eine Bunkeranlage im zweiten Keller, das Büro des letzten Leipziger Stasi-Chefs, den Paternoster und die Fassade mit der Treppenhausverkleidung, spöttisch „Horchturm“ genannt. Diese Räume sollten „thematisch adäquat genutzt werden“, schrieben die Autoren des Ergebnispapiers. Und: „Der Stasi-Neubau sollte aus diesem Grund erhalten bleiben.“

Leipzig. Die Stadt will jetzt eines der letzten Filetgrundstücke in der Innenstadt aus dem Dornröschenschlaf wecken. Das Areal an der Großen Fleischergasse mit dem Matthäikirchhof soll mittelfristig für eine neue Großansiedlung zur Verfügung stehen. Das erklärten jetzt Bau- und Wirtschaftsdezernat in einem gemeinsamen Verwaltungsstandpunkt.

In der aktuellen Vorlage wird die Entscheidung darüber, ob die Plattenbauten ganz, teilweise oder gar nicht abgerissen werden, auf später vertagt. Dies solle ein internationaler Architekturwettbewerb für das Gelände klären: „Die geschichtliche Bedeutung der verschiedenen Bestandsgebäude wird in den Auslobungsunterlagen umfassend dargestellt.“

Natürlich sei das Aufarbeiten der Stasi-Vergangenheit wichtig, betont Historiker und Künstler Heinz-Jürgen Böhme, der ebenfalls in der Architekten-Initiative aktiv ist. „Es steht auch nicht infrage, einen Campus der Demokratie zu schaffen, da wir ihn benötigen“, meint er. „Doch für uns wäre es fatal, das Potenzial des Areals auf nur eine Themensetzung zu reduzieren. Mit der Erhaltung dieses banalen, sämtliche Gestaltungskriterien für die Leipziger Altstadt ignorierenden Komplexes würde das Symbol diktatorischer Macht auch künftig als Fremdkörper im Stadtgefüge wirken.“ Vor allen Beschlüssen brauche es eine öffentliche Diskussion, welche Funktionen und welches Stadtbild der Matthäikirchhof erhalten soll, pflichtet Sprecher Wanderer bei.

Das Ergebnispapier habe die Entscheidung zur Abriss-Frage nicht vorwegnehmen wollen, erklärt der daran beteiligte DDR-Bürgerrechtler Uwe Schwabe. Die Autoren hätten jedoch aufgezeigt, was dort an bewahrenswerten Original-Zeitzeugnissen vorhanden ist. „Die Berliner Mauer wurde komplett abgerissen. Heute ärgern sich viele, dass nicht mal ein kleiner Teil davon als authentisches Stück Geschichte stehengeblieben ist“, sagt er.

Von Jens Rometsch

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