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Lokales Wassertourismus: Leipzig braucht Anbindung an die Saale - Schiffshebewerk nötig
Leipzig Lokales Wassertourismus: Leipzig braucht Anbindung an die Saale - Schiffshebewerk nötig
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00:59 03.06.2014
Ohne Anbindung an die Saale endet das Leipziger Gewässernetz nach Durchstich des Elster-Saale-Kanals (vorn) zum Lindenauer Hafen (oben) kurz hinter Dölzig. Quelle: Wikipedia

Zu diesem Ergebnis kommt der Zwischenbericht der Studie "Tourismuswirtschaftliches Gesamtkonzept für die Gewässerlandschaft im mitteldeutschen Raum", der der LVZ vorliegt.

"Es besteht langfristig ein Bedarf einer Gewässeranbindung an das Leipziger Neuseenland über den Elster-Saale-Kanal", heißt es dort. Dies würde zu "einer deutlichen Aufwertung der gewässertouristischen Bedeutung" in dieser Region führen. In dem unter anderem von der Stadt Leipzig in Auftrag gegebenen Papier sollen bis etwa Ende des Jahres sowohl eine "touristische Vision 2030" erarbeitet als auch Leuchtturmprojekte entwickelt werden. Besagte Kanalverlängerung samt Schiffshebewerk westlich von Leipzig steht bereits im Zwischenbericht ganz oben auf der Agenda. Ebenso wird der Bedarf der sogenannten Wasserschlange von der Pleiße zum Markkleeberger See aufgeführt.

Für Michael Witfer und Dirk Becker (beide 48) vom Förderverein Saale-Elster-Kanal (so wird das Gewässer auf sachsen-anhaltischer Seite benannt) sind dies gute Nachrichten und "ein weiterer Baustein" für eine künftige Realisierung. "Die Stadt Leipzig muss nun weiter klar Farbe bekennen", fordert Vereinschef Witfer. Denn alle aktuell geplanten Investitionen wie beispielsweise der Durchstich zum Lindenauer Hafen und die Entwicklung des Neuseenlands wären letztlich nur sinnvoll, "wenn Leipzig einen Anschluss ans Bundeswasserstraßennetz" bekomme. "Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Stadt keinen müden Euro zahlen müsste, weil der Kanal ja dem Bund gehört", so Vereinsvize Becker. Ob später gegebenenfalls ein Konsortium gegründet werde, in dem Lasten auch von den Ländern Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie eventuell Anliegerkommunen zum kleineren Teil übernommen werden, stünde auf einem ganz anderen Blatt. Und pfiffig fügt Witfer noch hinzu: "Die einst nicht ganz fertiggestellte Schleuse Wüsteneutzsch hat ja in den 1930er-Jahren die Stadt Leipzig vorfinanziert." Da müsse es doch von Seiten der Kommune von höchstem Interesse sein, dass der Kanal mal fertig werde, weil schon das damalige Bauwerk einen "Haufen Kohle" gekostet habe.

Einen "entscheidenden Schritt" weiter ist das Projekt nach Ansicht von Witfer und Becker auch durch die Tatsache, dass es nach der Bündelung aller Aktivitäten im zu Jahresbeginn in Bonn installierten Wasserschifffahrtsamt nunmehr Signale seitens der Bundesregierung gebe, "alle einst begonnenen Kanäle vollenden" zu wollen, weil in ihnen sehr viel verbautes Geld schlummere. Nach Angaben der beiden sind dies neben dem Projekt vor den Toren Leipzigs unter anderem auch der Dortmund-Ems-Kanal sowie eine neue Schleuse für den Oder-Spree-Kanal.

"Wenn die Verbindung nach Leipzig da ist, entsteht nicht nur auf der Saale, sondern auch dort automatisch mehr Tourismus", ist sich Becker sicher. Wenn die Infrastruktur stimme, "ist Wassertourismus eine Lizenz zum Gelddrucken". Dies sieht auch Rüdiger Ruwolt (53), Chef der MS Händel auf der Saale, so: "Schon jetzt sind alle Touren von und nach Merseburg immer ausgebucht."

Bei einem Vereinsbesuch im schottischen Falkirk und dem dortigen einzigen rotierenden Schiffshebewerk der Welt, erklärte Richard Miller, Manager der für die Verwaltung und Bewirtschaftung nahezu aller Schifffahrtskanäle zuständigen Gesellschaft British Waterways, der deutschen Abordnung nach der Präsentation des hiesigen Projekts: "Wissen Sie, was Sie da haben? Ein riesiges Grundstück und darunter liegt Öl, viel Öl." Dieses nicht zu fördern, wäre "einfach nur dumm".

Im Herbst soll es für Interessenten eine geführte Fahrradtour von Leipzig aus geben. Weitere Infos: www.saaleelsterkanal.de.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.06.2014

Martin Pelzl

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