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Lokales Wasserwerke schicken einen Tunnelbohrer unter die S-Bahn-Gleise
Leipzig Lokales Wasserwerke schicken einen Tunnelbohrer unter die S-Bahn-Gleise
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00:38 20.06.2015
Bislang verlief die Hauptwasserleitung in Leipzig oberirdisch und war in eine Fußgängerbrücke über die Gleise integriert. Quelle: Wolfgang Zeyen
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Leipzig

An der Alten Messe ist am Mittwoch eine ungewöhnliche Aktion gestartet: An der Grenze zum Wilhelm-Külz-Park gräbt sich eine bemannte Vortriebsmaschine unterirdisch in Richtung der Bahngleise vor. Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) wollen so einen reichlich 150 Meter langen Tunnel anlegen und in ihn ein Rohr mit einem Durchmesser von 1,40 Meter schieben. In dieses sollen später die 80 Zentimeter starken Einzelsegmente einer neuen Trinkwasserhauptleitung eingezogen werden.

Das Vorhaben wird bereits seit 2008 vorbereitet. Inzwischen sind an beiden Seiten der Bahntrasse in Höhe der Straße des 18. Oktober zwei 12,70 und 16 Meter tiefe Schächte angelegt worden. Bis zum 1. Juli soll der Bohrer vom Startschacht auf der Alten Messe die S-Bahngleise erreichen und anschließend unterqueren – bei laufendem Zugbetrieb.

„Zwischen der Unterkante der Gleise und dem oberen Rand des Tunnels sind nur 3,70 Meter Platz“, betonte gestern Bau-Überwacherin Ines Gleim, die das Projekt vorstellte. Die Bahn habe einen Alarmplan für den Fall vorbereitet, dass sich die Gleise senken sollten. Dann würden sofort Bauleute anrücken, die die Gleise wieder in die korrekte Lage bringen.

Rund 2,7 Millionen Euro für 150 Meter Tunnel - die Kommunalen Wasserwerke in Leipzig (KWL) verlegen mit großem Aufwand eine der wichtigsten Trinkwasserleitungen der Stadt neu.

Um die Risiken zu minimieren, hat die Bahn Einfluss auf die Bohrstrecke genommen: Die Maschine darf auf keinen Fall eine Weiche unterqueren. Außerdem muss sich das Gefährt rechtwinklig unter den vier Gleisen vorarbeiten.
 
Auch Geologen haben gewarnt: Im Untergrund müsse mit Findlingen gerechnet werden, die sich vom Bohrschild der Maschine nicht zerkleinern lassen. „Deshalb haben wir uns für einen bemannten Rohrvortrieb entschieden“, erklärte Reiner Süßmann von der ausführenden Echterhoff Bau-Gruppe. „Die Maschine kann angehalten werden, wenn ein Findling auftaucht. Der Fahrer geht dann nach vorn und bricht das Hindernis manuell mit einem Bohrhammer ab.“
 
Läuft alles nach Plan, dann kommt der Bohrer jetzt täglich acht bis zehn Meter voran. Der Erdaushub soll mit einer kleinen Elektrolok zum Schacht auf der Alten Messe gefahren und dort von einem Bagger nach oben geholt werden. Unten im Schacht liegen bereits die Rohrsegemente, die beim Vorrücken der Bohrmaschine gleich mit in den Tunnel geschoben werden.
 
Bis Mitte Juli soll der Bohrer im Schacht am Rande des Külz-Parks eintreffen und so die komplette Bohrstrecke geschafft haben. Danach werden die Einzelsegmente der neuen Trinkwasserhauptleitung eingezogen und ihre beiden Enden an das übrige Leitungsnetz der KWL angebunden. „Dazu führen wir die Enden der neuen Rohrleitung aus den 12 und 16 Meter tiefen Schächten nach oben und dort rund 1,50 Meter unter der Erdoberfläche weiter bis zu den Anschlussstellen“, skizzierte Ulrich Meyer, Technik-Geschäftsführer der KWL. Insgesamt würden rund 300 Meter Hauptversorgungsleitung umverlegt. Vollbracht sein soll alles bis Mai 2016.
 
Die Start- und Zielschächte der Tunnelbohrmaschine wird es dann immer noch geben – allerdings deutlich schmaler als heute. Mit ihrer Hilfe sollen die Experten der Wasserwerke die neue Anlage im Untergrund optimal warten. Denn die Trinkwasserhauptleitung gehört zu den wichtigsten Wasserversorgungsanlagen in Leipzig. Sie führt von Probstheida über das südliche und westliche Zentrum bis nach Gohlis und versorgt die angrenzenden Stadtteile.
 
Die 11,6 Kilometer lange Leitung hing ursprünglich unter der Fußgängerbrücke, die im Zuge der Straße des 18. Oktober von der Alten Messe über die Bahnanlagen zum Külz-Park führt. Da diese Konstruktion aus dem Jahr 1912 stammt und zunehmend baufällig wurde, musste die Leitung schon mit Stahlträgern über die Brücke verlegt werden. „Wenn wir unsere Arbeiten abgeschlossen haben, soll auch eine neue Fußgänger- und Radfahrbrücke gebaut werden“, berichtete KWL-Geschäftsführer Meyer.

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