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Lokales Wasserwerke spülen 50 Kilometer Trinkwasserleitungen im Leipziger Osten
Leipzig Lokales Wasserwerke spülen 50 Kilometer Trinkwasserleitungen im Leipziger Osten
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17:23 24.10.2016
Für den Spülvorgang braucht es einen sogenannten Spülwagen.   Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

 Kurz den Hahn aufgedreht und schon ist es da: klares, sauberes Wasser. Es wird benutzt, um Hände zu waschen, Geschirr zu putzen oder Blumen zu gießen. Es kann sogar problemlos getrunken werden. Doch oft wird vergessen, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Um eine hohe Wasserqualität langfristig sicherzustellen, braucht es vieles – unter anderem eine ausreichende Pflege des lokalen Leitungsnetzes. In Leipzig sind dafür die Leipziger Wasserwerke (LW) verantwortlich. Sie haben seit dem 10. Oktober ein umfangreiches Spülprogramm in Teilen von Paunsdorf, Heiterblick und Thekla gestartet. Betroffen sind rund 50 Kilometer Trinkwasserleitungen.

So funktioniert die Spültechnik

„Wir spülen systematisch mit klarem Wasserstrahl durch das gesamte Leitungsnetz durch“, erklärt LW-Fachmann Uwe Boeck. Auf diese Weise sollen in den Rohren Ablagerungen beseitigt und Korrosionserscheinungen ermittelt werden. Letzteres geschieht in einem sogenannten Spülwagen, in dem über verschiedene Messgeräte und -sonden Daten wie Wassertrübung und Fließgeschwindigkeit erfasst würden. Ein Spülvorgang an sich dauere 20 Minuten. Nach dieser Zeit sei das Rohrvolumen, das heißt das Wasser innerhalb eines Rohres, komplett ausgetauscht, so Boeck – das überschüssige Wasser gehe in einen Abwasserkanal oder einen nahen Wald. Im Anschluss werde aber noch einmal bis zu 20 Minuten durchgespült, um die gewünschte Trübung von einem Grad zu erreichen.

Etwa 30 bis 60 Sekunden nach Spülbeginn werde zudem eine Wasserprobe in mehrere Fläschchen abgefüllt. Diese gehe an ein Labor und werde dort unter anderem hinsichtlich des pH-Wertes sowie des Eisen- und Mangan-Anteils ausgewertet. Nach ein bis zwei Tagen lägen die Ergebnisse vor. Ziel des Programms sei es, Spülpläne für jede Leitung im Versorgungsgebiet erstellen zu können, erläutert Mathias Wiemann, Leiter des LW-Unternehmensbereiches Netze. Mit deren Hilfe ließen sich Leitungen effizienter reinigen und das Risiko von Ablagerungen und Korrosion minimieren. Projektpartner ist die Dresdner Außenstelle vom Technologiezentrum Wasser (TZW) Karlsruhe.

Insgesamt erstrecken sich Leipzigs Trinkwasserleitungen auf einer Länge von 3400 Kilometern. Laut Boeck soll das Spülprogramm künftig auch in weiteren Stadtgebieten Anwendung finden: „Wir tasten uns langsam voran.“ Dass einmal das gesamte Netz systematisch durchgespült wird, bezweifelt der LW-Fachmann indes. Eine Komplett-Spülung sei nur dort denkbar, wo es verkehrstechnisch möglich ist. So könnte es zum Beispiel im Waldstraßenviertel große Probleme wegen Sperrungen geben.

Zweite Spülung in Schkeuditz geplant

Die Bevölkerung im Leipziger Osten werde durch die Spülungen kaum beeinträchtigt, versichert Bernd Lehmann von der LW-Betriebswartung: „Es sind immer nur diejenigen Haushalte betroffen, die ihr Wasser von einem gerade durchgespülten Leitungsbereich beziehen. Nicht aber alle in den genannten Stadtteilen.“ Gespült werde zwischen 7 und 17 Uhr. Es gebe keinerlei Unterbrechungen der Wasserversorgung. Es könnte lediglich zu einer Braunfärbung des Wassers oder zu Druckschwankungen kommen, so Lehmann. Normalerweise rausche das Wasser mit einem Druck von sechs bis sieben Bar durch die Rohre. Während eines Spülvorgangs seien es jedoch nur 1,0 bis 1,5 Bar.

Die LW-Mitarbeiter haben das rund 50 Kilometer lange Netz im Osten der Messestadt, das zum Teil aus den 1960er Jahren stamme, in mehrere Abschnitte mit insgesamt 505 Spülpunkten unterteilt. Die ersten 105 davon sollen bis Mittwochvormittag abgearbeitet sein, betont Lehmann: „Damit sind wir dem Zeitplan um einiges voraus“. Ursprünglich sollten die Spülungen bis einschließlich Freitag andauern. Nach der Winterpause sollen die restlichen 400 Spülpunkte ab Mitte April kommenden Jahres folgen.

Zuvor werde aber noch in Schkeuditz gespült – zum zweiten Mal. Denn das kleinstädtische Trinkwasser-Rohrnetz erfuhr bereits im vergangenen Frühjahr in einem Pilotprojekt eine systematische Reinigung (die LVZ berichtete). Im März 2017 steht die nächste turnusmäßige Spülung an. Diese ermöglicht dann einen Vergleich der erfassten Daten.

Durchschnittlich werden in Leipzig 91 Liter Trinkwasser täglich pro Kopf verbraucht. Damit rangiert die Pleiße-Stadt weit unter dem bundesweiten Durchschnitt. Dieser liegt bei 122 Litern täglich pro Kopf. Für einen Cent erhalten Leipziger nach LW-Angaben fünf Liter Trinkwasser.

Von Matthias Klöppel

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