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Wegen Legida-Demos in Leipzig: Die Japaner bleiben in Auerbachs Keller weg

Wegen Legida-Demos in Leipzig: Die Japaner bleiben in Auerbachs Keller weg

Die Auswirkungen der Legida-Demonstrationen und der Ausschreitungen durch Linksautonome auf die Geschäfte von Leipziger Unternehmern werden immer deutlicher. Jetzt ist auch der Tourismus betroffen.

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1913 schuf Mathieu Molitor die bekannte Bronzeplastik "Faust und Mephisto", die vor Auerbachs Keller steht.

Quelle: Harald Richter

Leipzig. Im traditionsreichen Auerbachs Keller haben die japanischen Reiseveranstalter für alle angemeldeten Reisegruppen ihre Buchungen storniert. Das erklärte Bernhard Rothenberger, Chef des traditionsreichen Auerbachs Keller, während eines Pressetermins des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) am Dienstag in Dresden (die LVZ berichtete).

Die Bilder aus Leipzig sind längst um die Welt gegangen. Während einer der vergangenen Legida-Demonstrationen war auch ein japanisches Fernsehteam vor Ort. Das zeigt offenbar Wirkung. Und auch die allgemeine Sicherheitslage in Deutschland wird in Japan sensibel eingeschätzt. Das japanische Außenministerium hat zwar keine formelle Reisewarnung ausgesprochen. Dennoch wird zu besonderer Vorsicht bei Reisen aufgerufen - allerdings nicht wegen Pegida/Legida, sondern wegen der Terrorgefahr. Gewarnt wird auf der Homepage des japanischen Außenministeriums vor großen Menschenansammlungen. Verwiesen wird auf den Antiterroreinsatz in Bremen, Drohungen gegen den Karnevalsumzug in Braunschweig, Pegida-Demonstrationen in Dresden und Deutschland als potenziellem Ziel islamistischer Terrororganisationen.

Leipzig. Die Auswirkungen der Legida-Demonstrationen und der Ausschreitungen durch Linksautonome auf die Geschäfte von Leipziger Unternehmern werden immer deutlicher. Jetzt ist auch der Tourismus betroffen. Im traditionsreichen Auerbachs Keller haben die japanischen Reiseveranstalter für alle angemeldeten Reisegruppen ihre Buchungen storniert.

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"Wir Deutschen sind härter im Nehmen", sagt Bernhard Rothenberger. Auf einen Japaner würden Bilder von Gewalt und Zerstörung ganz anders wirken. Etwa 4000 bis 5000 Gäste aus dem ostasiatischen Land kommen normalerweise jedes Jahr in den Auerbachs Keller - bei rund 350000 Gästen insgesamt. Kein ganz großer Einschnitt, trotzdem fehlen dem Unternehmer die treuen Kunden. "Der Imageschaden für Leipzig ist aber ein ganz anderer." Rothenberger geht dennoch davon aus, dass sich die Lage wieder beruhigt.

Der Wirt hat aus seiner Buchhaltung Vergleichszahlen gezogen und alle Tage mit Legida-Demonstrationen den entsprechenden Tagen im Vorjahr gegenüber gestellt. Unter dem Strich sind durch das Demo-Geschehen 30 Prozent weniger Gäste gekommen, der Umsatz ist um 39 Prozent gesunken. An manchen Demo-Tagen liegt der Umsatzverlust bei 65 Prozent im Vergleich zum gleichen Tag im Vorjahr.

Auf der internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin sei Legida in Gesprächen mit der japanischen Niederlassung der Deutschen Zentrale für Tourismus kein Thema gewesen, beruhigt Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), der aber ebenfalls hofft, dass sich das Thema bald erledigt hat. Denn: 2014 lag Japan mit 12690 Übernachtungen (plus 8,7 Prozent) in den Top 10 der Leipziger Auslandsmärkte. Der Anteil der japanischen Übernachtungen liegt bei 0,45 Prozent an den Gesamtübernachtungen von 2,8 Millionen. Für den Wirtschaftsfaktor Tourismus sei von Bedeutung, ob Kongressentscheider sich aus Imagegründen für andere Kongress- und Tagungsstandorte außerhalb Sachsens entscheiden, so LTM-Chef Bremer. "Da Kongresse aber langfristig geplant werden und für die nächsten Jahre zum Teil bereits terminiert sind, sind hier Auswirkungen erst ab 2017 zu erwarten."

Von der fernöstlichen Skepsis offenbar nicht betroffen ist das internationale Bachfest, das vom 12. bis 21. Juni in Leipzig stattfindet und traditionell viele Besucher aus Japan anlockt. Der Vorverkauf laufe sehr gut, sagte gestern eine Sprecherin des Festivals. Viele ausländische Gäste hätten schon Ende 2014 gebucht, lange vor den Legida-Demos. Stornierungen aus Japan aufgrund der politischen Situation seien ihr nicht bekannt.

Vergangenes Jahr waren 65000 Besucher aus 32 Nationen zu den Konzerten des Bachfestes nach Leipzig gekommen. Am stärksten waren neben nationalen Besuchern Gäste aus den USA, Australien, der Schweiz, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada und Japan vertreten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2015

Björn Meine

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