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Lokales Geschlechterkampf in Leipzigs CDU
Leipzig Lokales Geschlechterkampf in Leipzigs CDU
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18:11 10.11.2018
Michael Weickert (Wahlkreis Leipzig-West) und Robert Clemen (Wahlkreis Leipzig-MItte) treten als Direktkandidaten zur Landtagswahl 2019 an (v.l.). Quelle: Christian Modla
Leipzig

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung hatte Versammlungsleiter Frank Tornau ein wenig zu tun, um die Lage zu beruhigen; die Stimmung war durchaus aufgeheizt. Der CDU-Nominierungsparteitag am Sonnabend stand unter dem Eindruck eines Streits um die geringe Vertretung von Frauen bei den Direktmandaten. Robert Clemen wurde unter anderem vorgeworfen, sich nicht genügend um die Werbung weiblicher Mitglieder zu bemühen. Der Kreisvorsitzende sah hier aber vor allem die Frauenunion in der Pflicht.

Verschiebungen in den Wahlkreisen

Hintergrund waren Verschiebungen in den vergangenen Wochen und Monaten. Wie berichtet, hatte Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow seinen Wahlkreis 30 im Westen abgegeben und sich um ein Direktmandat im nordsächsischen Wahlkreis 35 beworben. Die Landtagsabgeordnete Christine Clauß war im Wahlkreis 31 (Leipzig-Mitte) nicht mehr angetreten. Dort war zunächst Cornelia Blattner vorgesehen, doch dann trat hier auch Kreischef Clemen an. Blattner wollte keine Kampfkandidatur gegen ihren Kreischef und verlegte sich auf den West-Wahlkreis, wo aber schon Michael Weickert in den Startlöchern stand.

Der hat sich am Sonnabend Vormittag ganz knapp gegen Blattner durchgesetzt. Der 29-jährige Lehramtsstudent erreichte 18 von 35 gültigen Stimmen, die 54-jährige Diplom-Ökonomin kam nur auf 17 Stimmen. Damit kann Weickert im Wahlkreis 30 antreten. Der umfasst Altlindenau, Böhlitz-Ehrenberg, Leutzsch, Lindenau, Lützschena-Stahmeln, Neulindenau, Plagwitz und Schleußig. Weickert punktete mit klaren und deutlichen Positionen sowie einem rhetorisch starken Auftritt. Er wolle sofort mit dem Wahlkampf beginnen, erklärte er.

Überraschungskandidatin gegen Clemen

Nach Weickerts Wahl trat dann am Nachmittag überraschend Petra Elias (47, Bürokauffrau und Vorsitzende des Stadtelternrats) im Wahlkreis Mitte gegen Clemen an (51, Diplom-Musiker). Weiterer Gegenkandidat: Ronny Stimmel (40, Übersetzer und Politologe). Zum Wahlkreis West gehören Reudnitz-Thonberg, Zentrum, Zentrum-Nord, Zentrum-Nordwest, Zentrum-Ost, Zentrum-Süd, Zentrum-Südost und Zentrum-West.

Im Anschluss an die Kandidaten-Vorstellungen ging es hoch her. Von einem Parteimitglied kam der Vorwurf, Clemen habe zu wenig Zukunftsgewandtes kundgetan. Die Gewinnung weiblicher Mitglieder und den Aufbau von Frauen für Mandate und Leitungsfunktionen könne Clemen nicht einfach der Frauenunion übertragen, sagte Jessica Heller. Hier seien alle Mandatsträger gefragt. Lucas Schopphoven sprach von einem abgekarteten Spiel und schlechtem Stil, weil solche Grundsatzfragen nicht beim vorherigen Parteitag am Mittag zur Sprache gekommen seien – und dafür erst jetzt bei der Frage, wer Direktkandidat werden soll. „Es tut mir leid, aber das finde ich einfach sch...“ Der frühere Landtagsabgeordnete Volker Schimpf lenkte die Debatte schließlich mit einer völlig anderen Frage weg vom Frauen-Männer-Streit. Am Ende setzte sich Clemen mit 28 von 42 Stimmen durch, Elias erhielt elf, Stimmel drei Stimmen.

Keine Kämpfe um andere Direktkandidaturen

In den weiteren Wahlkreisen, für die die Direktkandidaten gewählt wurden, gab es jeweils keine Gegenkandidaten.

Im Wahlkreis 27 (Anger-Crottendorf, Althen-Kleinpösna, Baalsdorf, Engelsdorf, Heiterblick, Holzhausen, Mölkau, Sellerhausen-Stünz und Stötteritz) wurde Ronald Pohle (58) mit 32 Ja- und zehn Nein-Stimmen als Direktkandidat gewählt.

Im Wahlkreis 28 (Probstheida, Connewitz, Dölitz-Dösen, Liebertwolkwitz, Lößnig, Marienbrunn, Meusdorf und Südvorstadt) tritt Karsten Albrecht (53) an. Er erreichte acht von neun gültigen Stimmen.

Im Wahlkreis 29 (Großzschocher, Burghausen-Rückmarsdorf, Grünau-Mitte, Grünau-Nord, Grünau-Ost, Grünau-Siedlung, Hartmannsdorf-Knautnaundorf, Kleinzschocher, Knautkleeberg-Knauthain, Lausen-Grünau, Miltitz und Schönau) wurde Andreas Nowak (43) mit 100 Prozent der Stimmen zum Direktkandidaten gewählt.

Im Wahlkreis 32 (Eutritzsch, Gohlis-Mitte, Gohlis-Nord, Gohlis-Süd, Lindenthal, Möckern und Wahren) wurde Wolf-Dietrich Rost (65) mit 25:1 Stimmen Direktkandidat.

Im Wahlkreis 33 (Mockau-Nord, Mockau-Süd, Neustadt-Neuschönefeld, Plaußig-Portitz, Schönefeld-Abtnaundorf, Schönefeld-Ost, Seehausen, Thekla, Volksmarsdorf und Wiederitzsch) wählten die Mitglieder Holger Gasse (49) mit 53:8 Stimmen.

Von Björn Meine

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