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Lokales Leipzig hat Europas schönsten Weihnachtsmarkt – und sucht neuen Betreiber
Leipzig Lokales Leipzig hat Europas schönsten Weihnachtsmarkt – und sucht neuen Betreiber
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17:20 25.10.2018
Zum Schönsten von ganz Europa gekürt: Der Leipziger Weihnachtsmarkt vor dem Alten Rathaus. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Das US-Portal Matador hat ihn jüngst zum Schönsten in ganz Europa gekürt – vor Wien, Straßburg oder Dresden: In gut einem Monat beginnt der Leipziger Weihnachtsmarkt (27. November bis 23. Dezember) und lockt Besucher wieder mit „einfachen Freuden“, wie die Reiseexperten aus Kalifornien in höchsten Tönen loben. Das Knabbern von Pulsnitzer Lebkuchen, traditionelle Bläserfanfaren vom Balkon des Alten Rathauses und Feuerzangenbowle sollten Gäste laut Matador nicht verpassen. Für die Zeit ab 2020 kündigen sich aktuell jedoch Veränderungen an: Die Stadt sucht einen neuen Betreiber für das Herzstück des Markts vor dem Alten Rathaus mit seinen 120 Buden. Die bis Ende November laufende Ausschreibung soll neue Impulse bringen – und höhere Einnahmen.

Seit 1990 wird das Geschehen auf Leipzigs zentralem Platz von der Firma Käthe Wohlfahrt als Mitveranstalter organisiert. Das 1964 gegründete Unternehmen aus Rothenburg ob der Tauber betreibt mehr als 50 weitere Weihnachtsmärkte, ist auch auf dem Domplatz in Erfurt und vor dem Rathaus in Magdeburg, aber auch in den USA und Japan präsent. Für die Stände auf dem Leipziger Markt zahlt die Firma bislang sogenannte Sondernutzungsgebühren. Zwischen 80.000 und 150.000 Euro flossen dadurch zuletzt jährlich in die Stadtkasse. Der künftige Betreiber soll nun eine Konzessionsabgabe zahlen. Deren Höhe legen die Bewerber mit ihrem Angebot fest.

Keine große Almhütte auf dem Markt

„Den Zuschlag wird nicht der erhalten, der das meiste Geld bietet, sondern das beste inhaltliche Konzept vorlegt“, betont Maktamtsleiter Walter Ebert im Gespräch mit der LVZ. Der neue Anbieter müsse inhaltlich und gestalterisch überzeugen, Referenzen vorweisen können und einen zukunftsfähigen Plan vorlegen, den Markt weiterzuentwickeln. Wie dies konkret aussehen soll, lässt die Ausschreibung offen. „Es ist an der Zeit, das bisherige Konzept auf den Prüfstand zu stellen“, wirbt Ebert für eine behutsame Modernisierung. Völlig umgekrempelt werden solle das bewährte Modell nicht. Eine große Almhütte beispielsweise werde es auch künftig nicht geben, nennt der Amtschef ein Ausschlusskriterium.

Rund 2,2 Millionen Menschen besuchten den Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr. Quelle: Kempner

Die Vorgaben für den Markt sind klar abgesteckt: Auf dem etwa 5000 Quadratmeter großen Areal sind wie bisher 120 Hütten, eine Veranstaltungsbühne, die Krippe unter dem Weihnachtsbaum sowie Tassenspülanlagen und Toiletten aufzustellen. Die einzelnen Flächen kann der neue Veranstalter vermieten, nur zehn Prozent darf er selbst nutzen. Verpflichtend ist zusätzlich die jährliche Zahlung einer Pauschale von 20.000 Euro an die Stadt zur Bewerbung des Weihnachtsmarktes und des Bühnenprogramms.

Käthe Wohlfahrt bekommt Konkurrenz

Der Kampf um die lukrative Konzession mit jährlichen Umsätzen in Millionenhöhe hat bereits begonnen. Mit potenziellen Mitbewerbern seien Vorgespräche geführt worden, berichtet Ebert, ohne Namen zu nennen. Auch der bisherige Partner Käthe Wohlfahrt darf erneut seinen Hut in den Ring werfen. Mit der Arbeit der Rothenburger war man im Rathaus zufrieden. Das Unternehmen habe einen „großen Beitrag für Leipzig“ geleistet, so Ebert. Alleine in neue Hütten sei zuletzt ein einstelliger Millionenbetrag geflossen. Eine Garantie für eine weitere Zusammenarbeit gebe es aber nicht.

Die letzte Option zur Verlängerung des Vertrags war 2013 gezogen worden – er läuft 2019 endgültig aus. Der neue Veranstalter soll für zehn Jahre bis 2029 mit möglicher Verlängerung um fünf Jahre vertraglich gebunden werden. Über den Zuschlag muss der Stadtrat entscheiden. Voraussichtlich im Frühjahr erfolgt die Auswahl nach Kriterien, die ebenfalls in der Ausschreibung geregelt sind. Zu 40 Prozent zählt das inhaltliche Gesamtkonzept und zu je 30 Prozent das Organisations- und das Finanzierungskonzept.

Mehr Besucher sind nicht das Ziel

„Es geht nicht darum, mehr Leute in die Innenstadt zu pressen“, winkt Ebert bei der Frage nach höheren Besucherzielen ab. Durch die einzelnen Märkte auf dem Augustusplatz, in der Grimmaischen und Petersstraße, auf dem Naschmarkt oder Nikolaikirchhof – sie sind von der Ausschreibung nicht betroffen – sollen sich die Besuchermassen auch künftig über die gesamte Stadt verteilen. Im letzten Jahr kamen rund 2,2 Millionen Gäste auf den Weihnachtsmarkt. In diesem Jahr könnten es etwas mehr werden. Der simple Grund: Mit 27 Tagen läuft der Markt zwei Tage länger und umfasst zudem vier statt nur drei Wochenenden.

Von Robert Nößler

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