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Lokales Weißstorch sorgt bei den Experten der Auwaldstation Lützschena für Aufregung
Leipzig Lokales Weißstorch sorgt bei den Experten der Auwaldstation Lützschena für Aufregung
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11:20 05.01.2010
Leipzig

Ein Kleingärtner fragt um Rat beim Umgang mit einem Hornissennest in seiner Laube. Und ein anderer „beschwert“ sich wegen eines „explosionsartigen Vorkommens“ von Stinkmorcheln auf einem seiner Paradebeete. Bei allen solchen Anfragen bemühen sich die Mitarbeiter der Station um fundierte Antworten, zumindest vermitteln sie die entsprechend aussagefähigen Fachleute.

Jetzt – im Winter – erreichte das romantische Haus am Schlosspark Lützschena ein Hilferuf besonderen Kalibers aus dem Industriegebiet Hohenossig gleich hinter der nördlichen Stadtgrenze: „Unser Storch liegt auf dem Feld, lebt aber noch! Was kann man da machen?“

In der Leipziger Storchenszene hatte es sich schon herumgesprochen, dass in Hohenossig ein einsamer Weißstorch überwintert. Die Beschäftigten der Kolbus GmbH haben wegen ihm sogar ihre Glastüren mit Folie verkleidet. Werkleiter Stephan Müller: „Unser seltener Gast ist sehr zutraulich. Er pickte mit dem Schnabel immer mal an die Tür. Stellen Sie sich vor, sie öffnen und vor ihnen steht ein Storch. Eine seiner Lieblingstoiletten scheint unser Parkplatz zu sein, überall weiße Kleckse.“

„Ich kenne in diesem Jahr hier in Nordwestsachsen nur zwei Winterstörche. Die berühmte Französin, die seit Jahren winters zwischen ihren Schornsteinen in Modelwitz und Lützschena pendelt. Sie wurde 1998 im französischen Elsass beringt und hat wahrscheinlich durch menschliche Pflege im Jugendalter den Zugtrieb verloren. Für Spaziergänger ist es eine Attraktion, bei Eis und Schnee das Tier an der Weißen Elster zu füttern. Na – und eben jetzt den Hohenossiger“, so Günter Erdmann, der amtliche Storchenbetreuer. „Und er pickt nicht an die Glastür, um sich am Frühstück der Belegschaft zu beteiligen, sondern erkundet wahrscheinlich sein eigenes Spiegelbild“, erläutert der Experte weiter.

Manfred Seifert von der Auwaldstation wusste, was zu machen ist. „Ich habe im Sommer schon zwei verletzte Störche in Dölzig und Wolfshain geborgen.“ Schnell war die Leipziger Universitätsklinik für Vögel und Reptilien vorinformiert – quasi ein „Krankenbett“ reserviert, das Fangtuch bereitgelegt und die Rettungsmannschaft zusammengestellt.

Aber – Meister Adebar hatte sich offensichtlich erholt und stolzierte sehr zutraulich um die gespannten Retter. An ein Einfangen war aber nicht zu denken! „Meister Adebar schiebt bei dem jetzt gefrorenen Boden natürlich mächtig Kohldampf. Das kann zum Problem für den Vogelzugverweigerer werden“, so Seifert.

Aus nächster Nähe nimmt der seltene Wintergast kleine Fleischstückchen an. Sabine Finsterbusch von der gleichnamigen Firma für Pumpentechnik hat sich schon informiert: „Also, 300 Gramm Fleisch pro Tag braucht so ein Riesenvogel, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Aber das bekomme ich schon in den Griff!“ Deshalb werde man den ,schrägen Vogel‘ auch nicht einfangen. „Vielleicht kann die Auwaldstation die Aktion unterstützen, indem wir versuchen, einige Totküken zu besorgen. Das wäre das ideale Futter“, ergänzt Seifert. Und schmunzelnd weiter: „Ein gesundes neues Jahr dem Sonderling von Hohenossig!“

Ulf Eisvogel

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