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Lokales Weniger Pfarrstellen trotz rosiger Aussichten - Strukturreformen betreffen auch Leipzig
Leipzig Lokales Weniger Pfarrstellen trotz rosiger Aussichten - Strukturreformen betreffen auch Leipzig
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01:00 06.01.2014
Etwas Süßes als Wegzehrung erhält die bisherige Liebertwolkwitzer Pfarrerin Bettine Reichelt (links) bei ihrer Verabschiedung von Katrin Schwaß (Zweite von links) mit auf den Weg. Quelle: Wolfgang Zeyen

Folge der prognostizierten Gemeindeglieder-Zahlen, die sich landesweit im Sinkflug befinden. Wodurch sich die Kirchensteuer-Einnahmen sukzessive verringern. Auch wenn der Kirchenbezirk Leipzig - gegen den Sachsen-Trend - zurzeit ein Mitglieder-Plus aufweist: An den protestantischen Christen zwischen Plaußig und Liebertwolkwitz geht die nächste Stufe der Reform nicht vorbei.

Martin Henker, Superintendent des Kirchenbezirks Leipzig, muss sich von Amts wegen mit Zahlen befassen. Auch mit jenen Statistiken, die verraten, wie viele evangelisch-lutherische Christen es in den nächsten Jahren in seinem Beritt wohl geben wird. Die frohe Botschaft: Weil die Stadt Leipzig zuletzt wuchs, weist die Kurve seit 2009 stetig nach oben. Zur Zeit sind knapp 71.000 Menschen in und um die Messestadt - der Kirchenbezirk umfasst auch Gebiete im Landkreis Leipzig - Schwestern und Brüder des Superintendenten. Im Jahr 2005 waren es 4000 Gläubige weniger. Und auch die Zukunft sieht nicht schlecht aus. "Als evangelische Kirche in einer Großstadt sind wir in einer Ausnahmesituation. In den ländlichen Gebieten Sachsens sieht es hingegen dramatisch aus. In zehn Jahren wird ein Drittel aller Gemeindeglieder in Leipzig, Dresden und Chemnitz wohnen", sagt Henker mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der Landeskirche würden bis 2040 - im Vergleich zu 2009 - 40 Prozent Gemeindeglieder fehlen. Und in etwa so viele Kirchensteuerzahler.

In einer solchen Situation ist Solidarität unter Sachsen oberste Christenpflicht. Und so hat die Leipziger Kirchenbezirkssynode beschlossen, zum 1. Januar 2014 auf der Basis eines landeskirchlichen Stellenschlüssels, der auf Mitgliederzahlen von 2009 basiert, hier und da die Feinjustierung einzuläuten. Mit der Folge, dass es im Kirchenbezirk künftig 3,75 Pfarrstellen und 1,6 Kirchenmusikerstellen weniger gibt, dafür aber 1,8 Gemeindepädagogen mehr. Strukturplaner können halt grausam sein, sie machen aus Arbeitskräften sogenannte Vollzeitäquivalente (VzÄ). So entstehen Komma-Zahlen. Auch bei "Kirchens". Gab es in und um Leipzig vor zehn Jahren noch gut 60 aktive Pfarrer, ist gegenwärtig von "39,25 VzÄ" die Rede.

Von einer Streichung betroffen ist beispielsweise die Pauluskirchgemeinde in Grünau. In der einstigen Trabantenstadt wird es bald nur noch einen evangelischen Pfarrer statt bisher zwei Seelsorgern geben. Pfarrer Christoph Zeitz wechselt Ende des Monats in den Ruhestand. Mit ihren knapp 2800 Mitgliedern steht der Paulus-Gemeinde nur noch eine "komplette" Pfarrstelle zu. Für die Betreuungsarbeit in den Senioren- und Pflegeheimen des Stadtteils erhält der verbleibende Pfarrer Matthias Möbius laut Henker "noch die Unterstützung durch eine Abordnung, eine 75-Prozent-Stelle".

Vor allem an der Peripherie tun sich Härten auf. Der kleinen Gemeinde Plaußig-Hohenheida stehen eigentlich nur noch 0,3 Vollzeitäquivalente zu. Eingeräumt werden 0,75. In Rückmarsdorf-Dölzig mit Lindennaundorf, Frankenheim und Priesteblich wird die bisherige Vollzeitstelle zu einem Dreiviertel-Posten - was für Pfarrerin Ines Schmidt bedeutet, "künftig weniger in der Gemeinde sein zu können, einige Aufgaben delegieren zu müssen, beispielsweise an Kirchvorsteher". Denn ihre 25-Prozent-Stelle als Seelsorgerin am Flughafen Leipzig/Halle, die Schmidt bereits seit zwei Jahren innehat, gilt es auch noch auszufüllen. Die Gemeinden in Holzhausen, Liebertwolkwitz und Probstheida/Störmthal/Wachau, die vor Jahren ein Schwesternkirchverhältnis eingingen, büßen 0,75 VzÄ ein - also fast eine ganze Pfarrstelle. Am gestrigen Sonntag wurde dieser personelle Einschnitt sichtbar, verabschiedete sich Bettine Reichelt aus Liebertwolkwitz. Die bisherige 50-Prozent-Kraft wechselt als Schulpfarrerin an verschiedene Berufsschulzentren im Leipziger Land. Kollegin Christiane Thiel bleibt zwar Seelsorgerin in Holzhausen, ist dies künftig aber nur noch zu 75 Prozent. Was seinen Niederschlag auch auf dem Gehaltszettel findet.

Anders die Lage im Leipziger Südwesten. Die Schwesternkirchgemeinden Lindenau/Plagwitz, Schleußig und Kleinzschocher freuen sich über viele neue Anhänger - und über ein volles zusätz- liches Vollzeitäquivalent. "Der Verbund liegt jetzt bei deutlich mehr als 6000 Gemeindegliedern. Laut Stellenschlüssel muss dort also eine dritte Pfarrstelle hin", betont der Superintendent. Die Personalie ist längst entschieden: Aus Sellerhausen-Volkmarsdorf kommt Pfarrerin Angela Langner-Stephan.

Insgesamt, findet Henker, sei der Kirchenbezirk in einer guten Verfassung. "Zwischen 2005 und 2013 ist der Stellenplan unangetastet geblieben. Das war ein Zeichen von hoher sozialer Verantwortung." Und dieser Geist liege auch der aktuellen Strukturanpassung zu Grunde.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.01.2014

Dominic Welters

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