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15:50 19.05.2015
Happy-End: die elfjährige Leonie mit den Rettungsassistenten Daniel Rieger und Thomas Dämmig. Quelle: André Kempner

Hätte es beispielsweise das mutige Eingreifen eines Lehrers nicht gegeben, würde die elfjährige Leonie vermutlich nicht mehr leben.

Der Notruf kam an einem sonnigen Frühlingstag: "Bewusstloses Kind", teilte die Rettungsleitstelle mit. "Als erstes ist die Hoffnung da, dass das alles doch nicht so schlimm ist." Thomas Dämmig (31) und Daniel Rieger (41) können sich noch genau an den 14. März 2013 erinnern, an dem sie dabei halfen, ein kleines Wunder zu vollbringen. Die beiden erfahrenen Rettungsassistenten des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) trafen nach nur drei Minuten an der Schule ein, in deren Sporthalle ein Lehrer gerade dabei war, die elfjährige Leonie zu reanimieren. "Ich bin nach dem Seilspringen ohnmächtig geworden", erzählt das Mädchen heute. An mehr kann sie sich nicht mehr erinnern.

"Das Schlimmste war die Ungewissheit", sagt Mutter Dana P. (35). "Niemand wusste, wie lange Leonie keinen Sauerstoff bekommen hatte. Bleibende Schäden waren nicht ausgeschlossen."

Der beherzt eingreifende Lehrer habe im Kampf gegen die Zeit gute Vorarbeit geleistet, berichten die Profis vom ASB. Er war das entscheidende Zahnrad in der Glückskette, denn Erste-Hilfe-Wissen ist hierzulande nicht selbstverständlich.

Alexander Dünnebier, Facharzt für Anästhesiologie am Uniklinikum Leipzig, koordiniert die Woche der Wiederbelebung in der Messestadt. "Gerade in Deutschland haben wir im Bereich der Laienreanimation inakzeptable Werte", sagt der 35-Jährige. "Nur in 17 Prozent der Fälle, in denen reanimiert werden muss, greifen Zeugen ein." In anderen EU-Ländern lägen die Werte bei bis zu 60 Prozent. Dies zu ändern, ist das Ziel der am Montag beginnenden Aktionswoche. Die Botschaft, die sie vermitteln will: "Es ist einfach. Jeder kann es."

Laut Dünnebier ist die Hilfsbereitschaft bei den Deutschen durchaus vorhanden. "Es ist die Angst, etwas falsch zu machen, die sie vom Helfen abhält." Einfach nur den Notruf 112 zu wählen und zu warten, sei zu wenig, betont der Fachmann, "denn bereits nach drei bis fünf Minuten, in denen das Gehirn keinen Sauerstoff bekommt, ist mit bleibenden Schäden oder mit dem Tod zu rechnen."

Um die Überlebenschance eines Herzstillstand-Patienten zu optimieren, sei eine funktionierende Rettungskette maßgeblich: Sie erfordert die Hilfsbereitschaft und den Einsatzwillen von Zeugen, eine sofortige Herzdruckmassage durch einen Ersthelfer und ein schnelles Eintreffen des unverzüglich alarmierten Rettungsdienstes.

All das war in Leonies Fall gegeben. Als Glück im Unglück sieht Familie P. deshalb die Verkettung der Vorkommnisse am verhängnisvollen 14. März. Bis auf Einschränkungen beim Sport führt das fröhliche Mädchen wieder ein normales Leben. Wie in den meisten Fällen von Herz-Kreislauf-Stillständen kann mit großer Wahrscheinlichkeit ein angeborener Gendefekt als Ursache verantwortlich gemacht werden. Ein inzwischen implantierter Defibrillator wird Leonie bei zukünftigen Störungen sofort helfen. Für das beherzte Eingreifen ihrer Retter wird sie nichtsdestotrotz immer dankbar sein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.09.2013

Leonie Ebert

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