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Wenn der Waschbär zum Problembär wird: Leipzig bietet Sprechstunde an

Putziger Plagegeist Wenn der Waschbär zum Problembär wird: Leipzig bietet Sprechstunde an

Für die einen ein putziger Geselle, für die anderen ein Plagegeist: Der Waschbär sorgt in Leipzig immer wieder für Fragen und Aufregung. Die Stadt bietet nun erstmals eine Sprechstunde zum Thema an.

Waschbären sind nachtaktiv.

Quelle: dpa

Leipzig. Er gräbt den Rasen um, wühlt in Mülltonnen, vernascht Fallobst oder angelt sich Vogeleier. Der putzig-pelzige Waschbär hat sich in Leipziger Gärten und Siedlungen eingerichtet – nicht immer zur Freude der Anwohner. „Jede Woche erreichen uns mehrere Anrufe“, bestätigte Leipzigs Stadtförster Andreas Sickert. Der Waschbär in der Stadt, das sei für viele Leute eben immer noch eine neue Situation. Im Dezember wird es erstmals eine Förstersprechstunde zum Thema „Wildtiere in der Stadt“ geben.

Der Bürgerservice ist neu, findet künftig monatlich und erstmals im November zum Thema „Stadtforst und Jagd“ statt. Im Dezember können Leipziger dann im Umweltinformationszentrum in der Prager Straße Fragen zum Waschbären loswerden. Der Klärungsbedarf ist da, obwohl die Zahl der Tiere mit leichten Schwankungen im Stadtgebiet offenbar kaum noch gewachsen ist.

Leipzig stabil – Zahl im Landkreis verdoppelt

Belastbare Daten dazu gebe es nicht, so Sickert auf Anfrage von LVZ.de. Ein Indikator sei aber die Zahl der in Leipzig erlegten und tot aufgefundenen Waschbären. Die ist laut Umweltministerium des Landes von rund 200 Tieren im Jahr 2014/15 auf rund 250 im Folgejahr gestiegen. Aktuell liege sie bei rund 300 Tieren, so der Stadtförster. In Leipzig sei das Potenzial der Biotope für die Ansiedlung der nachtaktiven Räuber womöglich nahezu ausgeschöpft. Ganz anders im Landkreis Leipzig. Dort hat sich die Zahl von rund 1000 erlegten Tieren im Jahr 2014/15 im Folgejahr nahezu verdoppelt.

Genervten Haus- und Gartenbesitzern rät Sickert vor allem, die „Wohlfühlfaktoren“ für den Kleinbären zu beseitigen: Kompost und Mülltonnen verschließen, kein Fallobst herumliegen lassen, leere Gartenlauben sichern und vor allem die Tiere nicht mit Futter anlocken. „Das passiert schnell, dass die Leute für ihre Katze Futter nach draußen stellen und so den Waschbären mitfüttern“, so der Stadtförster. Das Versorgen von Wildtieren hat die Kommune ohnehin verboten.

Idealer Lebensraum in Leipzig

Dass der Waschbär sich in Leipzig wohl fühlt, wundert Marten Winter, Wildtierökologe vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig, nicht. Als grüne Stadt mit viel Wasser, Kleingartenanlagen und Laubbäumen in der Aue biete Leipzig den Tieren idealen Lebensraum und ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für den vor rund 80 Jahren aus Nordamerika angesiedelten Kleinbären.

Die Jagd als Mittel zur Steuerung oder gar Eindämmung der Population sieht der Wissenschaftler skeptisch. Wildtierökologen gehen davon aus, so Winter, dass Waschbären dann mehr Nachwuchs bekommen. Auch für die nachhaltige Beeinträchtigung der heimischen Artenvielfalt durch den allesfressenden Kletterkünstler gebe es bisher noch keine robusten wissenschaftlichen Belege, so Winter. „Aber es ist nicht unwahrscheinlich bei der Populationsgröße.“

Problembär per Falle fangen

Nachhaltig gegen aufdringliche Waschbären wirken auch Fallen meist nicht, so Stadtförster Sickert. Bei Problembären, die besonders dreist seien, könnten Lebendfallen aber eine Möglichkeit sein. Sachsens Umweltministerium verweist darauf, dass Tiere dann aber nicht wieder in die Freiheit entlassen werde dürfen. Das Töten sei wiederum ausschließlich Personen wie Jägern oder Tierärzten erlaubt, so die Behörde. In der Regel muss der Haus- oder Gartenbesitzer dafür zahlen: Sickert verweist darauf, dass in Leipzig Firmen gegen Entgelt die Tiere fangen und töten. Sein Rat: Vor allem sollten die Leipziger verhindern, dass der Waschbär über Katzenklappen oder das Dach ins Haus eindringt.

Neue Förstersprechsprechstunde in Leipzig: 29. November 2017, 17-18 Uhr, Umweltinformationszentrum, Prager Straße 188-136, Haus AII; 6. Dezember 16-17.30 Uhr.

Von Evelyn ter Vehn

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