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Wenn ein Storch in die Kita will und ein Falke den Geldautomaten blockiert …

Tierschutz in Leipzig Wenn ein Storch in die Kita will und ein Falke den Geldautomaten blockiert …

26 Jahre schon ist Alexander Krause Sachbearbeiter im Leipziger Veterinäramt. Kein Rathausjob wie jeder andere. Der 52-Jährige hilft im Auftrag der Stadt Lebewesen in und aus der Not.

Alexander Krause mit seiner Ausrüstung für die Tierrettung.
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Ehe an diesem Tag der erste Notruf kommt, vergehen Stunden. „Typischer Vorführeffekt“, meint Alexander Krause entschuldigend. „Vorigen Montag hätten Sie kommen müssen, da war ich ununterbrochen auf Achse!“ Aus der gemeinsamen Tour zu Leipzigs tierischen Sorgenkindern wird wohl heute nichts – Gelegenheit für einen Blick zurück auf …

… die Anfänge
: Alexander Krause hat die Abteilung Tierschutz im Leipziger Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt quasi mit aufgebaut. „Ich bin Veterinär-Ingenieur – ein Beruf, den es nur zu DDR-Zeiten gab“, erzählt der 52-Jährige. Nach Abschluss des Studiums an der Fachschule für Veterinärmedizin arbeitete der Mann aus Löbnitz im Kreis Delitzsch in einer Radefelder Tierarztpraxis mit Rindern und Schweinen. Mit der Wende verlor er seinen Job. Als in Leipzig das Veterinäramt gegründet wurde, streckte er dorthin seine Fühler aus. „Seit Dezember 1990 bin ich Sachbearbeiter in der Abteilung Tierschutz – alles andere als ein Bürojob.“ Im Zweier-Team – anfangs mit einem Kollegen, jetzt mit Diana Gutjahr – sind sie weit mehr als die Tierfänger der Stadt, wie mancher glauben mag. Ist ein Lebewesen in Not oder fühlen sich Menschen von einem herrenlosen Tier bedroht, klingelt in der Amtsstube das Telefon. Trotz 26 Dienstjahren weiß der Fachmann nie, was da auf ihn zukommt.

… die Katzenplage: Herrenlose Stadtkatzen waren ein Schwerpunkt in den Jahren nach der Wende. „Ganze Straßenzüge waren leergewohnt. Die Leute auf Jobsuche im Westen. Ein idealer Tummelplatz für zurückgebliebende Stubentiger“, erinnert sich Krause. An einer Pinnwand hatten sie mit Stecknadeln Katzenfutterstellen in der Stadt markiert. „Am Ende war kein Straßenname mehr lesbar.“ Als dann noch ein Tollwutfall auftrat und die Bevölkerung aufgeschreckt war, startete die Stadt in Zusammenarbeit mit den Tierschützern ein Katzenkastrationsprogramm. „In den 1990er-Jahren hatten wir jährlich um die 1000 Katzen, die die Stadt auf ihre Kosten unfruchtbar machte. Das hatte Leuchtturmwirkung, kaum eine andere Kommune betreibt das in dem Umfang. Inzwischen haben wir einen Kastrationsplan, an dem 18 Tierärzte in Kleintierpraxen freiwillig mitwirken. Wir können uns nicht auf den Erfolgen ausruhen. Einzeltiere, die ausgesetzt werden und verwildern, vermehren sich sonst wieder unkontrolliert.“ Stellen mit 15 bis 30 verwilderten Katzen gebe es nicht mehr, allerdings größere Populationen in Mockau und Windorf.

… die Überraschungen:  Einige Asservate sind Blickfang im Büro. Zum Beispiel der Fuchs auf dem Schrank. „Der saß im kriechenden Wacholder und fletschte ununterbrochen die Zähne“, erzählt Krause. Eine alte Dame habe ängstlich angerufen und Tollwut bei dem Rotpelz vermutet. „Die gibt es schon seit 1992 nicht mehr in Sachsen und der Fuchs war ein Präparat, vielleicht aus einer Schule.“ Der stattliche Königspython an der Wand hatte indes mal gelebt. „Den habe ich allerdings bereits ausgetrocknet in einer Wohnung entdeckt.“ Gänzlich unnatürlicher Herkunft waren auch die Königskobra unter einer Wäscheleine – „das vergessene Kinderspielzeug hätte jeder erkennen können“ – und eine weitere Gummi-Artgenossin, die vor einem Katzenfutterhäuschen am Roßplatz gelegen hatte. „Ja, manchmal rücken wir eben auch umsonst aus“, räumt der Experte ein.

… die Exoten: Besonderheiten der anderen Art dokumentiert Krause – der privat neben Fischen und Fröschen im Aquarium auch einen Hund, eine Katze und zwei Graupapageien besitzt – in einem Ordner. Zeitungsartikel dokumentieren zum Beispiel das erfolgreiche Einfangen diverser Exoten. Känguru, Nasenbär, Ginsterkatze, Ara, Leguane, Schlangen und andere Geschöpfe gingen Krause bereits ins Netz. Kuriositäten ganz anderer Art hielt der Tierfreund mit Fotos fest. So einen Storch, der partout nicht aus dem Eingang zum Liebertwolkwitzer Kindergarten verschwinden wollte, einen Falken, der sich in die Postbankfiliale Rohrteichstraße verirrt hatte und den Geldautomaten blockierte, oder zwei Rehböcke, die sich im Gefecht so verkeilten, dass sie nicht voneinander loskamen.

… das Alltägliche:

Dann klingelt doch noch das Telefon. Eine alte Dame aus Dölitz muss ins Krankenhaus und ihre Katze zurücklassen. Das Tierschutz-Team steigt in seinen Einsatzwagen. Auch wenn diesmal weder das Narkosegewehr noch Ganzarmlederhandschuh, lange Hundeschlinge, stabile Kescher und kleine Leiter zum Einsatz kommen werden, ist der blauen Ford Transit für alle Fälle gerüstet.

Kontakt: Bürgertelefon 0341 1230 sowie 0341 1233791

Von Cornelia Lachmann

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