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Lokales Wer allein ist, wird bemitleidet: Beim Zwillingstreffen zählt alles nur im Doppelpack
Leipzig Lokales Wer allein ist, wird bemitleidet: Beim Zwillingstreffen zählt alles nur im Doppelpack
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16:50 19.05.2015

Aber die zwei Männer daneben haben auch die gleichen Kleider an. Und die Männer daneben auch. Sie essen sogar das Gleiche. Was geht hier Seltsames vor? Es ist Zwillingstreffen! Der Deutsche Zwillings-Club 1985 Werdau hatte am Wochenende zu seiner Jahreszusammenkunft geladen - diesmal nach Leipzig.

"Die meisten leben ein separates Leben und nutzen das Wochenende, um das Zwillingsdasein zu genießen", sagt Gwendolin Scheibe. Die 33-Jährige ist - zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Nadine - seit 2008 Präsidentin des Vereins. "Zwillinge sind ein besonderes Völkchen", sagt sie. 125 Zwillingspaare aus ganz Deutschland sind aktuell Vereinsmitglieder, 75 davon versammelten sich von Freitag bis Sonntag in Leipzig zu einer Führung durch den Mitteldeutschen Rundfunk, zum Stadtbummel und zu Kneipenbesuchen.

Günter und Manfred Haferburg sind zum ersten Mal dabei. Die 69-jährigen Rentner aus Leipzig sind fasziniert: "Wir haben uns herausgeputzt und jetzt sind wir da", sagt Günter, der zehn Minuten jünger ist als sein eineiiger Zwillingsbruder. "Es ist wunderbar, wie eine große Familie." Die Brüder sitzen - beide ganz in Schwarz gehüllt - mit zwei anderen Zwillingspärchen am Tisch. Dreimal zwei also, aber hier wird ohnehin nur im Doppelpack gerechnet. "Wir werden täglich verwechselt, unser ganzes Leben schon", erzählt Günter. Oft wünsche ihm jemand einen guten Tag, den er gar nicht kenne. Aber ohne einander geht es eben nicht. "Wir sprechen uns täglich. Aber ehe ich mein Handy raus habe, ruft er mich schon an", sagt Günter.

Zwillinge, die sich beim Jahrestreffen 2013 seit Langem mal wiedersehen, sind schwer zu finden. Auch Johanna und Frederike Martens aus Kiel stehen im Alltag in ständigem Kontakt. Johanna studiert in Gießen im Nebenfach Kunstgeschichte, Frederike studiert es im Hauptfach in Marburg. Nur 30 Kilometer liegen die Studienstädte der eineiigen Zwillinge auseinander. Die beiden 23-Jährigen sind - eine große Ausnahme - nicht gleich angezogen. Nach dem Abitur gingen sie getrennte Wege. "Ich hatte irgendwann das Bedürfnis, ein Individuum zu sein", schildert Johanna, "in der Schule waren wir immer nur 'die Zwillinge'." Jetzt ist es doch wieder so, dass Frederike in Gießen von fremden Menschen umarmt wird, wenn sie zu Besuch kommt. "Ich muss Johanna dann immer genau beschreiben, wie sie aussahen, damit sie weiß, wer es war", berichtet die Studentin und beide lachen.

Sarah Luise und Anna Lara Schäfer (22) haben einen besonderen Brauch. Wenn die eineiigen Zwillinge sich länger trennen, tauschen sie die Halsketten mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen aus.

Das Besondere und der Reiz an diesem Treffen für alle Teilnehmer: einfach mal normal sein. "Sonst sind wir immer außergewöhnlich. Hier sind wir mal einer oder eine unter vielen", sagt Peggy Gundelfinger aus Leipzig. Die 31-Jährige sitzt mit ihrer Schwester Mandy am Tisch - überhaupt sind nirgendwo getrennte Zwillingspaare zu finden. Organisatorin Scheibe erzählt, dass männlich-weibliche Zwillingspaare sich bei den Treffen nicht so wohlfühlten, weil man sie oft für Ehepaare halte. Und wer in diesem Kreis allein ist, der wird bemitleidet. In den Leipziger Tagen wird das Doppelte-Lottchen-Dasein ausgiebig zelebriert. Dennoch: In all der Zweisamkeit sind Dirk und Karsten Münzberg aus Bochum ein extremer Fall: Mit ihren 42 Jahren wohnen sie in einer gemeinsamen Eigentumswohnung. "Wenn uns mal Frauen heiraten möchten, dann müssen sie in eine Vierer-Wohngemeinschaft ziehen", sagt Dirk. Auch wenn er dabei lacht - man glaubt es ihm aufs Wort.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2013

Sofia Dreisbach

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