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Lokales „Wespensommer“ in Leipzig – deutlich mehr Tiere als üblich
Leipzig Lokales „Wespensommer“ in Leipzig – deutlich mehr Tiere als üblich
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15:38 31.07.2018
Wespen mögen unter Umständen nicht nur Süßes, sondern auch Wurst und Fleisch. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Der Sommer 2018 ist nicht nur besonders heiß und trocken, er ist auch ein ausgesprochener „Wespensommer“. Egal ob im Freibad beim Eisessen, beim Picknick im Park oder beim Grillen im Kleingarten – Wespen sind derzeit überall dabei. Wie Biologin Melanie von Orlow, Expertin beim Naturschutzbund (NABU), gegenüber LVZ.de erklärte, sind es in diesem Jahr tatsächlich auch deutlich mehr Wespen als üblich. „Ähnliches haben wir auch schon im Jahrhundertsommer 2003 erlebt. So wie damals gab es eine stabile Wettersituation ohne Kälteeinbruch und starke Regenphasen, die den Wespen zugutekamen“, so von Orlow am Dienstag.

Normalerweise dünnen wetterbedingte Rückschläge, wie auftretende „Schafskälte“ im Juni oder Überflutungen nach Regengüssen, die Wespen-Population zwischenzeitlich aus. In diesem Jahr konnten dagegen mehr Wespenköniginnen ungehindert Nester gründen, stieg die gesamte Population dadurch an. Quantitativ erfassen lasse sich das Mehr an Wespen zwar nicht, „aber sie werden schon merken, wenn sie einen Schädlingsbekämpfer anrufen, dass die Firmen inzwischen überall zwei Wochen im Rückstand sind“, so Orlow weiter.

Gute Nachbarschaft trotzdem möglich

Generell kommen Menschen und Hautflügler gut miteinander aus, besteht bei Wespen und auch den zur Familie gehörenden Hornissen kein Grund zur Panik. Die kleinen Tiere seien friedlicher als häufig gedacht. „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, sagte von Orlow. Wer ein paar Grundregeln beachte, könne in guter Nachbarschaft mit den Insekten leben. Dazu gehört, Lebensmittel im Freien abzudecken und bei Annäherung nicht nach den Tieren zu schlagen. Auch ein Wegpusten sei nicht ratsam, denn das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt für Wespen als Alarmsignal.

Wer beim Essen im Freien nicht gestört werden will, könnte eine Ablenkfütterung ausprobieren, die in fünf bis zehn Metern Entfernung aufgestellt wird und bestenfalls aus überreifem Obst besteht. Von Marmelade oder Honig sei dagegen abzuraten: Die machen Wespen eher noch aggressiv.

Wer allerdings ein ganzes Wespennest auf Balkon oder im Gemäuer entdeckt, wird sich wohl kaum mit solcher Ablenkfütterung behelfen wollen. Unter Umständen könnte in diesem Fall die Hilfe von professionellen Schädlingsbekämpfern von Nöten sein. „Hier gilt: Es muss ein vernünftiger Grund dafür vorliegen, das Nest beseitigen zu müssen“, sagt die Wespenexpertin. Bei Hornissen, die unter Naturschutz stehen, müsse sogar die kommunale Umweltbehörde erst ihr Einverständnis geben – sonst drohen hohe Geldstrafen. Ob ein Grund zur Vernichtung vorliegt, könnten Naturschutzverbände und Kammerjäger beantworten, sagte von Orlow. „In einer ruhigen Ecke im Garten oder irgendwo unter dem Dach muss eine Beseitigung vielleicht ja auch nicht sein, zumal das auch teuer werden kann.“

Population nimmt zum Ende des Hochsommers ab

Letztlich rät die Biologin auch angesichts des sich dem Ende nähernden Hochsommers zur Nachsicht. „Wir haben jetzt Anfang August und da ist für die meisten Wespenarten ohnehin bald Schluss“, sagte von Orlow. Lediglich die Völker von Gemeiner und Deutscher Wespe halten noch bis Oktober durch. Spätestens mit Eintreten des ersten Frostes sterben dann aber alle Wespen ab – bis auf die befruchteten Jungköniginnen, die an geschützter Stelle überwintern. Zu diesem Zeitpunkt lassen sich dann auch die verlassenen Nester gut entfernen.

Wespen sind übrigens nicht nur da, um Menschen das Essen streitig zu machen. „Sie haben ihre Aufgaben in der Natur, zum Beispiel als natürliche Schädlingsbekämpfer“, sagte von Orlow. Die kleinen Tiere seien zudem auch Nahrung für Vögel wichtig. Wespenstiche sind zwar meist schmerzhaft, gefährlich werden sie in der Regel aber auch nur Allergikern oder wenn das Tier in Mund oder Rachen sticht.

Mehr Tipps zu Wespen: www.nabu.de

Von Matthias Puppe

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