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Lokales Wickeln, wiegen, weiterleiten: Familienhebammen als Begleiter
Leipzig Lokales Wickeln, wiegen, weiterleiten: Familienhebammen als Begleiter
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23:30 01.08.2014
Besprechung im Hebammenbüro im "Kleeblatt", Hermann-Liebmann-Straße 73: Katrin Schaup mit Ulrike Dölz, Annette Nouri, Gabriele Schmidt (v.l.). Quelle: André Kempner

"Unser Team von sieben spezialisierten Frauen samt Koordinatorin Katrin Schaup begleitete seither immerhin 108 Familien", so Krause-Döring. Aktuell würden 77 Familien betreut, während der bisherigen Projektlaufzeit gab es von 185 Familien die Bitte um Aufnahme.

Der Bund reicht den Kommunen Mittel zum Ausbau "Früher Hilfen" aus. In Leipzig konnten damit in einem Jahr 270 000 Euro eingesetzt werden - explizit für die Arbeit mit Familien in schwierigen Lebenslagen - wie im Hebammenprojekt. "Zumeist suchen wir die Betreffenden zu Hause auf, anonym und kostenlos. Unter jenen, die das bisher annahmen, waren minderjährige Mütter, alleinerziehende Mütter und Väter, Familien mit Migrationshintergrund oder auch straffällig gewordene, junge Mütter", ergänzt Schaup. Was erahnen lässt, dass sie und ihre Mitstreiterinnen weit mehr Hilfe leisten, als sich der Laie unter einem Hebammenjob vorstellt.

Schaup nickt: "Das ist mitunter harte Arbeit für meine Mädels." Neben Standards wie der regelmäßigen Gewichtskontrolle beim Säugling oder Erläuterungen zum Stillen geht es auch um ganz einfache, lebenspraktische Sachen. "Etwa darum, der ,Generation Kiosk' zu zeigen, wie man aus einer Kartoffel, einer Möhre und einem Stück Blumenkohl einen nahrhaften Babybrei selbst zaubern kann", berichtet Schaub. "Wobei mich da auch schon die Frage ereilte: Was ist Blumenkohl?"

Das Team will zeigen, wie wichtig es ist, mit dem Baby zu singen und zu reden statt den Fernseher laufen zu lassen. Zum anderen haben die Familienhebammen eine Lotsenfunktion: Das Projekt ist präventiv angelegt, es wird geschaut, ob im Interesse der gesunden Entwicklung eines Kindes weitervermittelnde Hilfen nötig sind. Etwa bei familiären oder finanziellen Sorgen. "Wir kooperieren mit medizinischen und sozialmedizinischen Partnern, mit Ämtern, Behörden und dem Leipziger Netzwerk Frühe Hilfen", erklärt Schaup. Die Hebammen begleiten, helfen Familien sich durch Zuständigkeiten und rechtlichen Dschungel zu fitzen. Das siebenköpfige Projektteam vereint mehrere Qualifikationen: "Wir sind Familienhebammen, aber auch Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen", erklärt Schaup.

"In der Rückschau ist es schön, dass uns gelungen ist, manche junge Mutter wieder in eine Ausbildung zu bringen. Oder, dass eine minderjährige Mutter ihr Kind behalten, es mit Begleitung selbst versorgen konnte. Dass eine wohnungslose Mutter mit ihrem Spross wieder eigene vier Wände bekam -"

Den Weg zum Hilfsprojekt - gewährt wird es von der Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr des Kindes - suchen die Betreffenden übrigens hauptsächlich selbst, wie jetzt eine Analyse ergab. Wenngleich auch Kliniken, Schwangerenberatungsstellen, Kinder- und andere behandelnde Ärzte, Bewährungshelfer oder Sozialarbeiter ihre Schützlinge bei Bedarf auf das Projekt hinwiesen.

"Die meisten sind sehr dankbar für unsere Unterstützung zu einem Zeitpunkt, wo sich mit der Geburt eines Kindes ihre Lebenssituation grundlegend ändert", so Schaup. "Und toi toi toi: Nur ein Mal mussten wir eine Gefährdung des Kindeswohls melden, weil die Lösung der Probleme unsere Möglichkeiten überstieg."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2014

Angelika Raulien

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