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Lokales Wie Leipzig sein Gesicht veränderte – „Architektur und Städtebau 1945-1976“
Leipzig Lokales Wie Leipzig sein Gesicht veränderte – „Architektur und Städtebau 1945-1976“
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00:19 19.05.2017
Die Neugestaltung des Karl-Marx-Platzes (heute Augustusplatz) – hier eine Zeichnugn von Wolfgang Müller 1976 – ist ein Thema der Schau zur DDR-Architktur. Quelle: Foto: Stadtarchiv Leipzig
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Leipzig

Auf den ersten Blick wirkt die Sonderschau ein wenig unspektakulär: Pläne und Fotos sind wie auf Arbeitstischen aneinandergereiht. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber viel Spannendes über die Baugeschichte Leipzigs nach den Kriegsende bis zur Grundsteinlegung des Wohngebietes Leipzig-Grünau. Oder trifft auch verschwundene Gebäude wie das Messehaus am Markt, die Leipzig-Info auf dem Sachsenplatz oder die Blechbüchse am Brühl mit Fußgängerbrücke „Blaues Wunder“. „Plan! Leipzig, Architektur und Städtebau 1945–1976“ ist die Sonderschau im Neubau des Stadtgeschichtlichen Museums am Böttchergäßchen überschrieben. Sie zeichnet in zwei Kapiteln die Entwicklung Leipzigs vom Wiederaufbau bis zum industriellen Bauen nach. Die Schau, die in Kooperation mit dem Stadtarchiv und dem Amt für Bauordnung und Denkmalpflege konzipiert wurde, zeigt viele bislang unveröffentlichte Pläne. Darunter auch Entwürfe, die niemals realisiert worden sind.

Geboten wird zunächst ein kurzer Rückblick auf Kriegszerstörungen. Dass der urbane Kern der Innenstadt weitestgehend erhalten blieb, hat viel mit der Leipziger Messe zu tun, die schon im März 1946 neubelebt wurde. So erging der Befehl der Sowjetischen Militäradministration, die teilweise schwer beschädigten Messehäuser wiederaufzubauen. Es folgte mit dem „Messehof“ der erste Neubau der Nachkriegszeit im Stadtzentrum. „Bebauungspläne der Nachkriegszeit zeigen das Bemühen, die Stadt wieder traditionell aufzubauen“, betont Peter Leonhardt (Amt für Bauordnung und Denkmalpflege), der mit Anett Müller (Stadtarchiv) und Christoph Kaufmann (Museum) Kurator der Schau ist. Diese Phase des Wiederaufbaus endete um 1960. Lediglich der Hauptbahnhof, die wohl größte Wiederbauaufleistung der DDR, dauerte bis 1964, als der Querbahnsteig eingeweiht werden konnte.

„16 Grundsätze des Städtebaus“ lautete die baupolitische Doktrin der folgenden Jahre, in denen etwa das charakteristische Ensemble der Ringbebauung entstand. Dazu gehörte die Entwicklung eines zentralen Platzes, der für politische Manifestationen, Feiern und Volksfeste geeignet war. In Leipzig kommt diese Funktion dem Karl-Marx-Platz (heute Augustus-platz) zu, dessen Gestaltung vom Baubeschluss der Oper (1950) bis zur Einweihung des Gewandhauses (1981) dauerte. Viele Pläne wurden zunächst im Geheimen entwickelt – erinnert sei nur an die Sprengung der Paulinerkirche am 30. Mai 1968, die ursprünglich sogar „verrückt“ werden sollte. Es folgt – auch in Hinblick auf die Baupolitik der Sowjetunion – ein Kurswechsel hin zur modernen sozialistischen Stadt. Ein Generalbebauungsplan sah die Umgestaltung zentraler Bereiche vor, sogar einen Stadtautobahnring. Vieles blieb Utopie. Mit vielen Neubauten entstand eine Architektur der Ostmoderne, etwa mit der Bebauung am Brühl und am Sachsenplatz. „Das Bild dieser Architektur ist außergewöhnlich vielfältig“, betont Leonhardt. Museumschef Volker Rodekamp ergänzt, dass es keinen Grund gebe, sie heute „als minderwertig“ oder „Irrweg“ zu bezeichnen. „Die Ausstellung versucht, einen neuen, würdigen Blick aufs Baugeschehen jener Zeit zu werfen.“

In der Ära Honecker erfolgte erneut ein Kurswechsel, um der Wohnungsnot zu begegnen. Das konnte nur durch extensiven Neubau in städtischen Randlagen erreicht werden. So wurde am 1. Juni 1976 der Grundstein für das Neubaugebiet Leipzig-Grünau gelegt. Das hatte gravierende Folgen für andere Stadtteile, deren Häuser zusehends zerfielen, weil es nicht genügend Baukapazitäten gab.

Eröffnung ist heute, 18 Uhr. Danach geöffnet bis 27. August dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Eintritt 5, ermäßigt 3,50 Euro. Bis 18 Jahre frei.

Von Mathias Orbeck

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