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Lokales Wie Leipziger die Modeindustrie verändern wollen
Leipzig Lokales Wie Leipziger die Modeindustrie verändern wollen
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22:00 01.02.2018
Im „Grünschnabel“ bietet Christiane Pfundt ganz verschiedene Stilrichtungen an. Eines haben alle gemeinsam: Sie sind öko und fair. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Ökomode, das haben viele vor noch nicht allzu langer Zeit vor allem mit unmodisch geschnittenen, wallenden Gewändern verbunden. Heute ist das anders: Öko ist cool. Auf der Fotoplattform Instagram sprießen die Accounts junger, hipper und grüner Modelabels derzeit aus dem Boden. Immer mehr Menschen scheinen sich dafür zu interessieren, unter welchen Bedingungen die eigene Kleidung produziert wurde. Auch in der Messestadt ist die Auswahl an nachhaltiger Kleidung in den vergangenen Jahren gestiegen.

Christiane Pfundt ist eine Leipziger Pionierin auf dem Gebiet. Vor sieben Jahren gründete sie den „Grünschnabel“, ein Geschäft für faire Ökomode. Erst verkaufte sie in ihrem kleinen Laden in Schleußig nur Kindersachen, doch immer mehr Eltern fragten nach fairer Mode für Erwachsene. Also stockte sie auf. 2015 mietete Pfundt eine größere Ladenfläche in der Nikolaistraße. Als sie den „Grünschnabel“ ins Leben rief, waren viele Menschen skeptisch, erzählt die 38-Jährige, eine große, schlanke Frau in Jeans und grauem T-Shirt. „Aber ich war überzeugt davon, dass es sich lohnt. Heute sind viele übersättigt von Massenware.“ Sie behielt Recht. In den vergangenen sieben Jahren habe sich viel getan, sagt Pfundt, und das findet sie gut: „Jeder sollte darauf achten sollte, was er kauft. Jede Entscheidung beeinflusst die Wirtschaft.“

Mit dem „Grünschnabel“ bietet die Unternehmerin den Leipzigern etwas, was in vielen Städten nicht leicht zu finden ist: einen gut kuratierten Laden, in dem grüne und gleichzeitig moderne Mode angeboten wird. „Es ist ein großes Manko, dass es so schwer ist, nachhaltige Mode zu finden“, sagt Expertin Kirsten Brodde von Greenpeace. Sie wirft dem Durchschnittskonsumenten vor, nicht kritisch genug zu sein. „Mit konventioneller Mode ist man eigentlich nicht anständig angezogen. Bei der Produktion werden Menschenrechte missachtet und die Umwelt geschädigt. Doch das Wissen darum reicht vielen nicht“, sagt Brodde. „Offensichtlich ist es schwer, sich nicht von der Modeindustrie bevormunden zu lassen.“ Sie meint damit die Verlockung von Fast-Fashion-Ketten wie Zara oder H&M, die den Menschen vorgaukeln wollen, ständig etwas Neues zu brauchen. Brodde findet einen Vergleich, der erst einmal ungewöhnlich scheint: „Man kann ja auch trainieren, weniger Schokolade zu essen oder mal auf das Glas Wein oder die Zigarette zu verzichten – genauso ist es möglich zu lernen, den nächsten Billig-Fummel liegenzulassen.“

Wie schwer das vielen fällt, das sah Kai Weinrich eine Weile jeden Tag. Der 34-jährige Leipziger hat 2013 gemeinsam mit seinem Freund das nachhaltige Label „Coromandel“ gegründet. Eine Zeit lang verkauften sie ihre Produkte in einem Pop-Up-Store in den Höfen am Brühl – direkt gegenüber vom Fast-Fashion-Riesen Primark. „Es ist unfassbar, was da rausgeschaufelt wird an Klamotten“, sagt Weinrich. Die irische Bekleidungskette steht vor allem wegen ihrer extrem niedrigen Preise immer wieder stark in der Kritik. Doch der Umsatz steigt kontinuierlich, im vergangenen Jahr um 19 Prozent auf acht Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2016/17. Weinrich, ein dunkelhaariger Mann mit Hornbrille und grauem Sweater aus der eigenen Kollektion, kann das nicht verstehen. Er vermutet, dass die Bekleidungsindustrie und ihre Opfer „für viele Menschen einfach sehr weit weg“ sind. Mit „Coromandel“ möchte er in Leipzig das Angebot an nachhaltiger Mode erweitern. Das Label hat T-Shirts, Sweater und Stofftaschen mit verschiedenen Prints im Angebot, alles öko und fair. Derzeit arbeiten Weinrich und sein Freund an einer schlichten Männerkollektion, ein paar T-Shirts gibt es schon. Der Stoff dafür wird in Deutschland gewebt, in einer Fabrik in Polen werden die Teile genäht. Leben können die beiden nicht von „Coromandel“, Weinrich arbeitet zusätzlich als Lektor für wissenschaftliche Arbeiten. Doch er hält an seinem Herzensprojekt fest. „Ich könnte nie etwas machen, wo ich nicht voll dahinter stehe“, sagt er.

Von Sophie Aschenbrenner

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