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Wie Leipzigs Supermärkte weniger Lebensmittel wegwerfen wollen

Containern, Foodsharing und Co. Wie Leipzigs Supermärkte weniger Lebensmittel wegwerfen wollen

Jedes Jahr landen in Deutschland fast sieben Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Dabei wäre vieles davon noch genießbar. Gegen die Verschwendung gehen Private und Handel auf verschiedene Arten vor – auch in Leipzig.

Jedes achte Lebensmittel in Deutschland landet in der Tonne. Viele Leipziger suchen Alternativen zum Wegwerfen. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Obst und Gemüse mit Druckstellen, einen Tag altes Brot, Joghurt mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum: Jedes Jahr landen Massen an Lebensmitteln im Müll. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung entsorgen die Deutschen jedes achte Lebensmittel. Obwohl 61 Prozent der Abfälle in Privathaushalten entsorgt werden, wirft auch der Handel pro Jahr 550.000 Tonnen Essen weg.

Oft haben Produkte, die für Supermärkte nicht mehr zu verkaufen sind, vor allem äußerliche Mängel. Um unnötigen Abfall zu verringern, gehen Händler in Leipzig zu Alternativen über.

„Seit Januar 2017 arbeiten wir mit der Leipziger Tafel zusammen“, sagt Matthias Benz vom Konsum in Leipzig zu LVZ.de. „Was genießbar, aber unverkäuflich ist, geben wir an Mitarbeiter der Tafel weiter.“ Die Einrichtungen prüfen die Produkte dann selbständig und sortieren aus, was ein Risiko bergen könnte.

Weniger Abfall produzieren

Auch andere Händler kooperieren mit den Tafeln – unter anderem Kaufland, Lidl, Netto und Rewe. „Es geht uns hauptsächlich darum, dass noch essbare Lebensmittel nicht abgeschrieben und weggeworfen werden“, erklärt eine Lidl-Sprecherin gegenüber LVZ.de.

Zudem geben die Unternehmen an, den Ausschuss so gering wie möglich zu halten. „Mittlerweile verkaufen unsere Supermärkte im Jahresdurchschnitt bis zu 99 Prozent ihrer Lebensmittel“, sagt ein Sprecher von Rewe. Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdaten (MHD) bald auslaufen, würden außerdem reduziert angeboten.

Eine Foodsharerin bringt Essen an eine Verteilerstelle.

An Verteilstellen können Foodsharer Essen abstellen oder holen. (Archivbild)

Quelle: dpa

Foodsharing als Alternative

Kaufland arbeitet zudem nach eigenen Angaben mit der Initiative Foodsharing zusammen. Das Portal gibt Händlern und Privatleuten die Möglichkeit, nicht verwendetes Essen an andere weiterzugeben. In Leipzig kooperieren vor allem kleine Läden mit den Lebensmittelrettern. Die holen Obst, Gemüse, Brot oder Gebäck ab und bringen sie zu einer der fünf Verteilerstationen im Stadtgebiet. Dort kann sich jeder bedienen.

Auch online können Lebensmittel angeboten werden – zum Verschenken oder im Tausch gegen anderes Essen. Zudem sind etwa 8000 Leipziger in einer Foodsharing-Gruppe bei Facebook angemeldet. Dort bieten sie Produkte an, für die sie selbst keine Verwendung haben.

Wer containert, macht sich strafbar

Ursprünglich entwickelte sich die Idee des Foodsharing als legale Alternative zum Containern. Wenn Menschen weggeworfene Lebensmittel aus Abfallcontainern mitnehmen, ist das ein rechtliches Problem. Um an die Tonnen zu gelangen, müssen oft Grundstücksgrenzen überwunden werden. Damit begehen Containerer Hausfriedensbruch. Darüber hinaus können sie wegen Diebstahl angezeigt werden. Denn anders als in anderen Ländern gilt Müll in Deutschland nicht als „herrenlose Sache“.

Doch erst Ende Juni lehnte der Bundestag einen Antrag der Linken ab, die das „Retten“ von Lebensmitteln vor der Vernichtung entkriminalisieren wollten. Zudem sollten Händler verpflichtet werden, aussortierte Ware an interessierte Menschen oder gemeinnützige Organisationen weiterzugeben.

Mehr zum Thema

Weitere Infos zur Haltbarkeit von Lebensmitteln und Tipps, wie Essensabfälle vermieden werden können, gibt es hier.

Die Linkspartei fordert weiter ein Umdenken. Containern müsse straffrei werden, damit der Handel nicht weiterhin jedes Jahr tonnenweise genießbare Lebensmittel in den Müll wirft. „Das ist eine unverantwortliche Ressourcenvernichtung insbesondere für die Erzeugerländer“, sagte die ernährungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Karin Binder.

Alternativkonzept "Im Angebot"

Als Alternative verkauft bereits seit 1990 das Unternehmen "Im Angebot" in und um Leipzig Lebensmittel an der MHD-Grenze günstig weiter. Zunächst boten sie die Produkte auf dem Wochenmarkt am ehemaligen Zentralstadion an. 1999 öffnete die erste Filiale in Grimma, 2004 in Leipzig. Mittlerweile gibt es fünf Standorte – darunter in der Eisenbahn- und in der Lützner Straße in der Messestadt.

Insgesamt werden dort durchschnittlich sechs bis acht Tonnen Lebensmittel pro Tag vor dem Müll gerettet und zu stark reduzierten Preisen angeboten. Für dieses Engagement erhielt „Im Angebot“ im vergangenen Jahr den "Zu gut für die Tonne"-Bundespreis.

Eine Annahmestelle der Leipziger Tafeln

In den Annahmestellen der Leipziger Tafeln werden Lebensmittel sortiert. (Archivbild)

Quelle: dpa

Zweitverwertung positiv

"Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Trend, den wir unterstützen wollen“, sagt auch Konsum-Sprecher Benz. Wie sehr sich der Abfallmengen in den Filialen seit der Zusammenarbeit mit den Tafeln reduziert haben, konnte er nicht beziffern. „Wir werfen aber deutlich weniger Lebensmittel weg als zuvor.“ Einzig Produkte, die nicht weitergegeben werden dürfen – beispielsweise rohes Hackfleisch – landen noch in der Tonne.

Die Erfahrungen mit der Tafel-Zusammenarbeit seien durchweg positiv, resümiert Konsum-Sprecher Benz nach den ersten Monaten. „Beanstandungen hat es noch keine gegeben.“

Josephine Heinze

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