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Lokales Wie ab 1987 Neu-Paunsdorf entstand: Ausstellung in Goldsternstraße eröffnet
Leipzig Lokales Wie ab 1987 Neu-Paunsdorf entstand: Ausstellung in Goldsternstraße eröffnet
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07:00 12.04.2017
Als die Montage des Wohnblocks an der Gundermannstraße 21-31 lief, kontrollierte eine Vermesserin vom Baukombinat Leipzig am 4. Juli 1987 die Arbeiten. Quelle: Fotos: Siegfried Schlegel
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Leipzig

 Offiziell soll der 30. Geburtstag zwar erst zum Paunsdorf-Fest vom 11. bis 13. August diesen Jahres begangen werden. Doch am Montagabend kam beim Jugend- und Altenhilfeverein in der Goldsternstraße 9 schon jede Menge Jubiläumsstimmung auf. Dort erlebten etwa 80 Besucher die Eröffnung einer Foto-Ausstellung, die viel über die ungewöhnliche Entstehung des zweitgrößten DDR-Neubaugebietes in Leipzig verrät. Eigentlich stimmt nicht mal der Begriff DDR im Zusammenhang mit Neu-Paunsdorf so ganz. Denn mehr als 2000 der insgesamt 7025 Wohnungen wurden erst nach dem Untergang des sozialistischen Staates fertiggestellt – der ganze Bereich Kiebitzmark im angrenzenden Stadtteil Heiterblick überhaupt erst nach der Wiedervereinigung begonnen.

Vor 30 Jahren begannen die Bauarbeiten am Stadtteil "Neu-Paunsdorf" im Leipziger Osten. (Bilder: Siegfried Schlegel)

Doch natürlich trägt Neu-Paunsdorf die Grundzüge und Handschrift, welche ihm Leipziger Planer unter der Leitung des früheren Chefarchitekten Horst Siegel, Georg Eichhorn und Angelika Vámos verliehen hatten – basierend auf einem städtebaulichen Entwurf der Bauakademie Berlin (Achim Felz, Manfred Hultsch und Ludwig Krause), der besonders auf die dort entwickelten neuen Typengrundrisse und Gebäudekonzeptionen für den industriellen Wohnungsbau in der DDR setzte.

Allerdings wurden bei der neuen Großsiedlung im Osten Leipzigs schon einige Fehler vermieden, die bei dem schon zehn Jahre zuvor begonnenen Stadtteil Grünau die Arbeitsabläufe noch arg behindert hatten. Laut Siegfried Schlegel (64), der als Ingenieur für Produktionslenkung im Leipziger Baukombinat an der Entstehung beider Großsiedlungen beteiligt war, wurden in Neu-Paunsdorf beispielsweise erst die Trafostationen und Mittelspannungsnetze errichtet, auch die komplette Entwässerung, Fernwärmeanschluss (vom damaligen Heizkraftwerk Süd in Connewitz), Zufahrtsstraßen und sogar jeder Straßenbahnanschluss geschaffen – bevor die Häuser in die Höhe wuchsen. „In Grünau, wo die meisten Bauleute zuvor tätig waren, fuhr die Straßenbahn den Bauleuten oft noch hinterher“, erzählte er.

Folglich konnten schon nach wenigen Monaten, noch 1987, die ersten Häuser mit 337 Wohnungen an die Genossenschaft Kontakt übergeben werden. Sie ist mit 4795 Wohnungen bis heute der größte Vermieter in Neu-Paunsdorf, gefolgt von der kommunalen Gesellschaft LWB (2200 Wohnungen). Kontakt-Vorstand Jörg Keim berichtete zur Ausstellungseröffnung mit 40 Fotos, die Linke-Stadtrat Schlegel aus seinem privaten Fundus zusammengestellt hatte, dass der Leerstand im Stadtteil weit unter fünf Prozent liege. Die Genossenschaft investiere kontinuierlich in Neu-Paunsdorf, setze sich derzeit vor allem für die seit fünf Jahren diskutierte Ansiedlung eines Nahversorgers an der Wiesenstraße sowie für die Sanierung von Sportplatz und Pausenhof an der Gebrüder-Grimm-Grundschule ein. Zwar sei das einst geplante Kulturhaus bis heute nicht entstanden, ergänzte Schlegel. „Doch durch das Engagement des damaligen Kontakt-Chefs Rainer Löhnert konnten von 1990 bis 1994 in Neu-Paunsdorf etliche Millionen an Bundesfördermitteln für sozialen Wohnungsbau genutzt werden und auch das Hertz-Gymnasium entstehen.“ Das habe seinerzeit vielen Leipziger Bauarbeitern einen sanften Übergang in die Marktwirtschaft beschert.

Von Jens Rometsch

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